Transkript von Stefanie Kloß – Wer bist du, wenn du nicht funktionieren musst?

02:29:44 114 Min. Lesezeit 0 Aufrufe Veröffentlicht vor 10 Tage

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Zusammenfassung der Folge

In dieser Folge von Hotel Matze spricht Matze Hielscher mit Stefanie Kloß, der Sängerin von Silbermond, über die Zeit nach der Band- und Babypause. Sie erzählt, wie es ist, wenn die Band nicht mehr im Mittelpunkt steht, und fragt sich, wer sie ohne die Bühne ist.

Das Gespräch führt von ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf in der Oberlausitz über die Scheidung der Eltern und den Tod ihres Stiefvaters bis zu den Anfängen der Band und dem Erfolg in Berlin. Auch Themen wie Heimat, Ost-West-Fragen, Druck und Älterwerden als Frau kommen zur Sprache.

Hörer erfahren, wie die Sängerin mit Erwartungen umgeht und welche Pläne für die zwei Stadionkonzerte in Dresden 2027 bestehen.

In dieser Folge Matze Hielscher, Stefanie Kloß

Dieses Gespräch mit Stefanie Kloß über Pause, Heimat und Neuanfang wurde mit HappyScribe-Technologie erstellt, die auch für Protokoll KI eingesetzt wird.

Stefanie Kloß00:00:13

Ich finde es immer toller, wie andere Menschen sind. Ich sage super selten: "Ich würde gern mal so sein wie ich."

Matze Hielscher00:00:25

Wer bist du ohne Silbermond?

Stefanie Kloß00:00:26

Ich dachte, da ist sehr viel weniger. Ich bin, seitdem ich 15 bin, auf der Bühne. Und habe mich immer das, was ich bin, daraus gezogen, was mir reflektiert wird. Wie ist das so als Band aus dem Osten? Ich habe die Frage gar nicht verstanden: Was sollte das denn? Wir sind eine Bautzner Band, aber Liebeskummer habe ich doch überall, egal ob im Osten oder im Westen. Ich bin eine Mutter, die ist befriedigend. Ich weiß es ja nicht, das müssen wir später mal fragen.

Matze Hielscher00:00:55

Nein, ist aber toll, wenn die Kinder irgendwann mal sagen: "Das war befriedigend."

Stefanie Kloß00:01:00

Freuen wir uns darüber.

Matze Hielscher00:01:01

Ist irgendwie so.

Stefanie Kloß00:01:02

Ich weiß es nicht. Ich verspüre, dass auf uns Frauen schon ein immenser Druck herrscht. Wenn Männer älter werden, ist es eher der George-Clooney-Effekt. Wenn Frauen älter werden, ist es so: "Wie lange willst du denn das mit dem Stage-Diving noch machen?" Bevor wir jetzt in unsere Pause gegangen sind, ist mein Stiefvater gestorben. Und ich habe an seinem Bett gesessen und ich habe ihm Dinge erzählt. Wir haben zusammen Musik gehört.

Matze Hielscher00:01:28

Habt ihr Joe Cocker gehört?

Stefanie Kloß00:01:29

Ja, wir haben Joe Cocker gehört. Und dann habe ich ihm gesagt, als er aber auch schon viel Morphin bekommen hatte, habe ich ihm gesagt, dass ich hoffe, dass er weiß, dass ich durch ihn Sängerin geworden bin.

Matze Hielscher00:02:04

Willkommen im Hotel Matze. Ich bin Matze und ich treffe mich hier mit Menschen, die mich interessieren, und versuche herauszufinden, wie die so ticken. Mein heutiger Gast ist Stefanie Kloß, sie ist die Sängerin von der Band Silbermond. Wir beide kennen uns schon seit über 20 Jahren. Jetzt macht ihre Band aber eine Pause und Stefanie stellt sich Fragen, für die lange keine Zeit war. Und ich finde, das ist ein wunderbarer Moment, hier mal mit ihr einzuchecken. Ich wollte von ihr wissen, wer sie ohne ihre Band, ohne die Bühne ist und worum es ihr manchmal leichter fällt, anderen zu vertrauen als sich selbst. Ich glaube, das kennen viele.

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Wir sprechen über ihre Kindheit in der Oberlausitz, es geht um Zusammenhalt, die Band natürlich, es geht um Trauer und den Druck, als Frau älter zu werden. Und darüber, warum es okay ist, noch nicht auf alles eine Antwort zu haben. Wie gesagt, wir kennen uns schon ganz lange, ich habe sie aber nochmal ganz, ganz anders kennengelernt und ich glaube, so war sie bisher noch nicht in der Öffentlichkeit. Ich finde es großartig, dass sie da war in dieser sehr besonderen Lebensphase. Und apropos großartig, ich finde es großartig, wenn ihr diesen Kanal abonniert. So unterstützt ihr mich in meiner Unabhängigkeit.

Matze Hielscher00:03:07

Herzlichen Dank dafür und nun wünsche ich euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Stefanie Kloß. Ich finde es bei dir total interessant, dass, also solange ich dich kenne, dass du eigentlich immer, also ich kenne keinen Unterschied zwischen du vor mir stehend oder du auf einer Bühne oder du im Fernsehen. Ich habe das Gefühl, du bist immer du.

Stefanie Kloß00:03:38

Das ist ein sehr schönes Kompliment, finde ich.

Matze Hielscher00:03:39

Ja. Es gibt schon Leute, die ich kenne, die ich dann privat kenne und dann in der Öffentlichkeit oder auch in der Öffentlichkeit dann mal spreche. Und dann merke ich immer: Uh, welche Version ist das jetzt? Die kenne ich noch gar nicht. Aber du bist immer du. Woher kommt das?

Stefanie Kloß00:03:53

Oh, das ist echt ein schönes Kompliment. Vielleicht, weil es mir zu anstrengend ist, das irgendwie anders zu sein. Ich bin ja auch auf der Bühne wahnsinnig offen mit meinen Emotionen. Und das auch, was ich erzähle, da bin ich auch ganz ehrlich, weil ich einfach das Gefühl habe, je ehrlicher ich bin und je mehr ich ich bin, desto weniger mache ich mich angreifbar und desto mehr sieht man einfach, dass das, was wir da oben machen, ja auch nichts wirklich Besonderes ist.

In dem Sinne nicht, dass es mir total was bedeutet, aber es ist nicht mehr wert als etwas, was jemand anderes vielleicht auch gut kann. Weißt du, wie ich das meine? Und ich bin eben auch jemand, der Emotionen hat und der Schwächen hat und der Fehler macht oder sich gerade über das Müllauto draußen gefreut hat, wo Kerstin draufsteht.

Matze Hielscher00:04:48

Oh wow. Den habe ich noch nicht gesehen.

Stefanie Kloß00:04:50

Weil ich dachte so, es hat mich gerade zutiefst gefreut und ich hätte das auch genauso auf der Bühne erzählt. Weißt du, wie ich das meine? Es ist so, es ist nichts, was ich plane, sondern vielleicht bin ich auch einfach so, wie ich bin und habe nicht das Gefühl, dass ich eine andere Person erschaffen muss für die Bühne.

Matze Hielscher00:05:08

Aber es gibt das ja schon, dass man sich dann sagt, okay, ich darf mich nicht zu verletzlich zeigen oder ich muss so ein bisschen, aber wahrscheinlich denke ich auch gerade, kannst du es gar nicht. Also man sieht dir ja immer an, ob du was gut findest oder nicht so gut findest. Also da ist es keine, du bist jetzt nicht, was das betrifft, besonders geheimnisvoll.

Stefanie Kloß00:05:29

Das stimmt. Tatsächlich bin ich wahrscheinlich ein sehr offenes Buch und man kann mir relativ schnell ansehen, auch wie ich mich fühle. Ich habe natürlich auch Phasen und auch Momente, bevor ich auf die Bühne gehe, wo es mir mal nicht gut geht und wo ich wirklich meine Kräfte zusammennehmen muss und jetzt rausgehen muss und hinter der Bühne so bin und dann, hey, schön, dass ihr da seid, weil ich es aber auch wirklich jedes Mal wieder wahnsinnig zu schätzen weiß, dass die Leute sich auf den Weg machen, dass die in den heutigen Zeiten ihr Geld auch dafür ausgeben und sagen, ich nehme mir die Zeit, ich organisiere, wie ich hinkomme, ich besorge meinen Babysitter, was man alles so heutzutage machen muss.

Und dann weiß ich das zu schätzen und dann reiße ich mich dafür zusammen und sage, das ist es mir wert, dass die uns so begleiten und dass die unsere Musik so feiern. Dafür nehme ich jetzt die Kraft. Aber es gab auch schon Momente, wo ich nicht wusste, ob die Stimme hält oder nicht. Wo ich dann mitten im Konzert gesagt habe, ey, folgendermaßen, ich merke irgendwie, kratzt es ganz schön im Hals. Ich habe keine Ahnung, ob ich bis zum Ende durchstehe, aber ich mache so lange, ich kann für euch. Und dann ist das doch ein ganz anderes Gefühl, als wenn du die ganze Zeit so drumherum schleist oder auch wenn ich sage, ey Leute, heute geht es mir gar nicht gut, weil heute ist jemand von unserer Crew ins Krankenhaus gekommen.

Und das beschäftigt mich wahnsinnig. Das macht mich traurig und ich habe da gerade, weißt du, also ich finde das schön, die Leute irgendwie daran teilhaben zu lassen, wie es dir geht, weil dann können die dich doch auch viel besser einschätzen.

Matze Hielscher00:07:01

Ja.

Stefanie Kloß00:07:01

Das ist im Übrigen auch was, was ich meinem Kind tatsächlich auch immer erzähle und sage immer, ich finde es völlig okay, wenn du wütend bist. Aber dann hilf mir da rein. Erzähl mir, warum du wütend bist. Dann kann ich das einschätzen. Dann kann ich dich kurz mal in Ruhe lassen oder dann kann ich das auch besser ertragen und aushalten. Und das versuche ich auch mit den Jungs und versuche dann immer, Thomas und Johannes und Novi, an meinen schlechten Tagen sie vorzuwarnen und zu sagen, okay, Achtung, heute ist so ein Tag, nur dass ihr Bescheid wisst.

Matze Hielscher00:07:28

Jetzt hast du gerade schon so ein bisschen von diesen Konzertmomenten erzählt und gerade ist ja Sendepause eigentlich. Also du machst ja, ich glaube, dieses Jahr ganz wenig Sachen und das ist eine der wenigen Sachen, die du überhaupt machst.

Stefanie Kloß00:07:39

Gar nichts.

Matze Hielscher00:07:39

Gar nichts.

Stefanie Kloß00:07:40

Nur dich.

Matze Hielscher00:07:40

Schön.

Stefanie Kloß00:07:41

Ich mache nur dich.

Matze Hielscher00:07:42

Nur Hotel Matze. Geil. Wie fühlst du dich? Nimm mich gerne voll mit rein. Also diese, es ist ja eine total, ist ja wirklich ungewöhnlich. Insofern ungewöhnlich, vielleicht kann ich das noch vorher sagen, ich glaube, ich kenne auch keine Band, und das sage nicht nur ich, das sagen alle, die euch kennen, die so fleißig ist, die so immer am Start ist, die so immer weiter ackert, die tack, tack, tack, und es geht weiter, und man muss das, und jetzt Pause.

Stefanie Kloß00:08:15

Also jetzt gerade hier zu sitzen, fühlt sich auf jeden Fall gerade so ein bisschen an, als würde ich aus so einer Bubble gerade mal kurz rausgehen in die bunte Welt draußen. Alle, die selber gerade ein Baby zu Hause haben, die wissen das wahrscheinlich, wie sich sowas anfühlt. Man ist halt gerade wo ganz anders eigentlich. Und ich habe mich aber wahnsinnig gefreut, heute bei dir zu sein, weil ich dich mag, weil wir uns schon so lange kennen, weil wir schon super lange mal so gesprochen hatten, ey, eigentlich müsste ich mal vorbeikommen, das wäre doch schön. Und deswegen habe ich mich sehr gefreut, mal wirklich zwei Stunden, dass wir ein bisschen quatschen, dass wir Zeit haben und dass ich da auch mal aus dieser wunderschönen Bubble, aber auch mal kurz rauskomme.

Und es ist wirklich krass. Guck mal, wenn du zurückguckst, wie lange wir uns alleine schon kennen, das sind jetzt so über 20 Jahre. Nächstes Jahr dann schon fast 25. Und das ist eine lange Zeit. Und da heute als Band so noch hier zu stehen und hier zu sein, das, wie du das schon gesagt hast, das kostet viel Kraft. Wir haben immer Gas gegeben, wir haben immer wahnsinnig viel Leidenschaft reingesteckt, Herzblut, immer viel selber gemacht an Kreativität und Ideen und da noch was und hier noch was.

Und hatten in dieser Zeit auch vor allen Dingen viele Menschen, die uns da unterstützt haben und die uns auch begleitet haben. Aber es ist eben in der Zeit nicht was auf der Strecke geblieben, aber das hat auch ein bisschen was gekostet. Und das hat auch Spuren hinterlassen bei Freundschaften, bei der Familie, weil die Band eben immer an erster Stelle stand. Und wir haben jetzt aus verschiedenen Faktoren einfach gemerkt, zum einen, weil wir vielleicht auch so ein bisschen dachten, ist vielleicht besser, Schale und Mütze einzupacken, bevor es kalt wird.

Weißt du, wie ich meine? So ein bisschen präventiv zu sagen, ey, wir können uns das, glaube ich, jetzt mal rausnehmen, mal kurz Luft zu holen und mal raus aus diesem Musikzirkus zu springen. Zum anderen, du kennst ja Novi auch ganz gut, der wollte schon lange mal einfach raus und.

Matze Hielscher00:10:25

Reisen, reisen, reisen.

Stefanie Kloß00:10:27

Ohne Termine, ohne irgendwo in den Kalender zu schreiben, wann bin ich wieder da, sondern einfach mal One-Way-Ticket nach Bhutan oder Japan oder und wollte da Fotos machen, glaube ich, viel und einfach mal sich da kreativ austoben und da einfach mal auch ohne die Band sein. Ich wusste, ich wollte super gerne nochmal Mama werden. Und wie wir jetzt wissen, Johannes auch. Wir haben jetzt zwei Bandbabys, die da rumspringen.

Und ja, ich glaube einfach, zum anderen hat es auch unser Umfeld mal verdient, dass wir ihnen auch mal jetzt diese Zeit mit uns gönnen. Und dass wir der Band das auch gönnen, irgendwie mal es zu schaffen, einen Blick von außen auf uns selber zu kriegen. Ich finde es immer wahnsinnig schwer, wenn du da in so einem Zirkel drin bist, dich selber zu reflektieren. Deswegen, es ist eine sehr, sehr ungewohnte Situation und ich bin da auch nicht nur mit Freude in diese Pause gegangen, weil ich genau wusste, okay, wenn die Band nicht mehr ist, dann ist ja nicht mehr, dann bin ich ja nicht mehr die Stefanie von Silbermond, sondern dann bin ich ja nur noch die Stefanie.

Was mache ich denn dann? Was bleibt denn dann eigentlich? Und ich wusste, dass ich mir diese Frage über fast 25 Jahre nicht stellen musste, weil ich das nicht wollte und weil ich auch ein bisschen Angst davor hatte. Weil ich dachte, das, was ich bin, ist mit der Band erfüllt, weißt du?

Matze Hielscher00:11:58

Ja.

Stefanie Kloß00:11:59

Das ist meine Identität, Teil dieser Band zu sein. Ja, deswegen war das so ein bisschen zwiespältig.

Matze Hielscher00:12:05

Nimm mich mal mit in diesen Zwiespalt. Auf der einen Seite, man freut sich ja wirklich irgendwie auch, dass mal Ruhe ist. Es gibt ja bei all den schönen Sachen, die du und ich erleben dürfen in dieser bunten Showwelt, gibt es ja auch genauso, wo man sagt, boah, also am Ende ist es auch ein Job. So, am Ende ist es auch, es ist ein wunderschöner Beruf, den wir haben. Es ist ein unglaubliches Privileg. Und natürlich bleiben Dinge auf der Strecke, was du auch gesagt hast. Und natürlich gibt es aber auch Tage, da ist man irgendwo und denkt, ich wäre jetzt gerne woanders.

Oder ich wäre auch gerne jetzt ein halbes Jahr mal mit dem Camper unterwegs. Gibt es soll es Leute geben. Aber, und dann ist ja gleichzeitig, also man will das ja auch nicht nicht wertschätzen, aber es nervt halt doch auch manchmal. So, also geht mir zumindest so.

Stefanie Kloß00:12:54

Also man ist, man kann es auch schon sagen, klar waren wir nach der Zeit, oder ich rede mal jetzt einfach nur für mich, ich war schon auch hier und da erschöpft. Man wollte sich das nicht so, aber nicht so Burnout-mäßig erschöpft, sondern so und auch nicht von einzelnen Dingen, dass ich von einzelnen Dingen müde war, sondern es war eher so diese, die Verantwortung, auch so ein bisschen der Druck, den man sich selber macht, gar nicht vom Umfeld, sondern von sich selbst, dass man so hohe Ansprüche an sich selber hat. Dieses immer funktionieren und vor allen Dingen auch immer dieses ans Limit gehen, weißt du?

Ich habe Konzerte gespielt, wo unser Team zu mir gesagt hat, Steff, es ist wirklich okay, wenn wir das Konzert absagen. Das ist nicht das wirkliche, es wäre okay. Ich sage, nee, das machen wir nicht. Und hatte ganz lange im Kopf, dass mein Wert als Sängerin danach bemessen wird, wie viele Konzerte ich am Stück durchsinge oder wie lange ich es schaffe, da keine Ausfallquote zu haben. Das war total blöd. Das kam nur von mir rein.

Matze Hielscher00:13:58

Nur von dir.

Stefanie Kloß00:13:58

Das kam von niemand anderem. Und na klar, strengt das auch irgendwann an, auch dass viele Entscheidungen treffen. Weißt du? Wir sind als Band, wir sind wirklich ein kleines Team und du kennst uns, wir haben wirklich alles selber in der Hand, können alles selber entscheiden, aber selber entscheiden ist halt auch, das ist auch anstrengend. Vor allen Dingen, wenn wir so eine, wenn man so eine demokratische Band ist wie wir und alles nochmal ausdiskutiert, nochmal abgewägt, ist das gut, ist das nicht gut. Und das ist auf Dauer da mal auch eine Pause davon zu haben.

Und nicht immer zu überlegen, okay, kratzt es jetzt vielleicht am Hals, bin ich jetzt erkältet oder nicht? Oder das ist schon auch mal nicht schlecht.

Matze Hielscher00:14:39

Die Frage, wer du bist ohne, wie ist die Antwort darauf? Also wer bist du ohne Silbermond?

Stefanie Kloß00:14:51

Also ich habe mir erlaubt, die Antwort darauf zu geben, dass ich nicht unbedingt eine Antwort darauf haben muss jetzt schon, sondern dass ich ja erstmal anfangen kann, danach zu suchen und mich auf den Weg zu machen, das auch zu hinterfragen, wer bleibt denn dann, wenn die Band nicht mehr ist. Was ich zumindest jetzt schon weiß, ist, dass da ist eine Mutter und es ist mir wichtig, dass ich das gut mache oder dass ich das, wie sagt man, zufriedenstellend, ist ein.

Was ein Kind bewerben kann, ist zufriedenstellend. Das macht es als Mutter.

Matze Hielscher00:15:29

Das ist gleich eine zufriedenstellende Mutter. Das ist schon ein bisschen konfirmierend.

Stefanie Kloß00:15:32

Eine zufriedenstellende Mutter. Das ist ja gut, weil man sagt ja, wenn du sehr gut bist, bist du zu über, dann kümmerst du dich zu sehr. Und wenn du eine Sechs hast, ist es natürlich auch blöd jetzt. Wäre jetzt ja auch blöd. Deswegen.

Matze Hielscher00:15:43

Zufriedenstellend war das in der Drei früher?

Stefanie Kloß00:15:45

Ja, in der Drei, genau. Das war befriedigend.

Matze Hielscher00:15:46

Befriedigend war drei.

Stefanie Kloß00:15:47

Genau. Einigen wir uns auf befriedigend. Ich bin eine Mutter, die ist befriedigend. Ich weiß es ja nicht. Das müssen wir später mal fragen.

Matze Hielscher00:15:55

Nein, ist aber toll, wenn die Kinder irgendwann mal sagen, das war befriedigend.

Stefanie Kloß00:16:00

Freuen wir uns.

Matze Hielscher00:16:01

Ist irgendwie so.

Stefanie Kloß00:16:01

Ich weiß es nicht. Man weiß es nicht.

Matze Hielscher00:16:04

Man weiß es nicht genau. Ja.

Stefanie Kloß00:16:06

Nee, aber ich glaube, im Großen und Ganzen bleibt da natürlich auch noch eine Tochter, es bleibt eine Schwester, es bleibt eine Freundin, es bleibt jemand, der neugierig ist, der versucht empathisch mit seinem Umfeld umzugehen, der gerne lacht über gute Müllauto-Slogans. Und ich dachte, da ist sehr viel weniger tatsächlich, weil ich es gefühlt auch nie anders gelernt habe. Ich bin, seitdem ich 15 bin, auf der Bühne und habe mich immer das, was ich bin, daraus gezogen, was mir reflektiert wird, was mir gesagt wird, was da mir gespiegelt wird.

Und daraus habe ich mein Bild, glaube ich, gebaut. Oder habe mir auch einen Panzer zugelegt hier und da oder was auch immer. Und dann jetzt wirklich sich dieser Frage zu stellen, was da bleibt, ohne diese Identität der Sängerin, war ich doch froh, dass ich dann festgestellt habe, da ist noch sehr viel mehr und ich bin nicht, meine Essenz ist nicht nur die der Sängerin, sondern das ist ein Stück davon.

Matze Hielscher00:17:21

Hattest du dunkle Momente?

Stefanie Kloß00:17:24

Es war für mich, glaube ich, von uns vieren, wenn ich das jetzt schon so reflektierend sagen kann, schon am schwierigsten, da aus dem Licht rauszutreten und einfach nur zu sein. Weil ich keine Aufgabe hatte. Und ich dachte, so was bin ich denn jetzt? Wer bin ich denn jetzt? Was macht mich aus ohne diese Bühne? Und vielleicht verschwimmt das auch so, weil du, wie du am Anfang gesagt hast, weil ich da, eigentlich bin ich ja nicht anders auf der Bühne und das verschwimmt irgendwie so, aber jetzt, wo hole ich denn jetzt mein Selbstbewusstsein her?

Ich bin verdammte fast 42 Jahre und wechsle immer noch die Straßenseite, wenn ich eine größere Gruppe da vorne sehe, weil ich unsicher bin.

Matze Hielscher00:18:13

Warum bist du dann unsicher?

Stefanie Kloß00:18:15

Ich weiß es nicht. Keine Ahnung, vielleicht denke ich, die könnten komisch gucken oder ich habe keine Ahnung. Es ist absurd. Es ist immer noch so, dass ich dann denke, ach nee, da vorne ist zu viel los, ach nee, ich wechsle die Straßenseite.

Matze Hielscher00:18:29

Das verstehe ich wirklich gerade gar nicht.

Stefanie Kloß00:18:30

Es ist absurd. Also mein Selbstbewusstsein ist zusammen mit den Jungs wahnsinnig groß. Wir als Band, dann weiß ich, mir kann nichts passieren. Das ist wie so ein sicheres Ding. Wir vier gegen den Rest der Welt. Und deswegen habe ich auch noch nie so einen langen Podcast alleine gemacht. Deswegen hat es auch sehr lange gedauert, bis ich alleine in eine Fernsehsendung gegangen bin, bis ich alleine "Sing meinen Song" gemacht habe oder "The Voice of Germany", weil ich immer mehr von anderen Menschen halte als von mir selbst.

Und das ist gar nicht so super negativ gemeint, aber ich finde es immer toller, wie andere Menschen sind. Weißt du, wie ich meine? Ich finde es total toll, wenn du schlaue Sätze sagst in deinen Podcasts. Dann denke ich, manchmal so ein bisschen so wie Matze sein, finde ich cool. Oder manchmal so ein bisschen lässig wie Anke Engelke, finde ich super. Oder ey, ein bisschen so wie Kloppo, mal so ein bisschen zu gucken, was ist auf der Habenseite, fände ich nicht schlecht. Ist jetzt ein blödes Beispiel, aber.

Matze Hielscher00:19:32

Nee, es ist.

Stefanie Kloß00:19:32

Oder weißt du, als Campino bei dir war, dachte ich so, ja, da will ich auch irgendwann mal ankommen und so sein. Aber ich sage super selten, ich würde gerne mal so sein wie ich. Komisch. Und daran, das ist auch so ein Punkt, wo ich mir jetzt die zwei Jahre gedacht habe, vielleicht sollte ich da mal gucken, ob da nicht mehr geht.

Matze Hielscher00:19:58

Ja.

Stefanie Kloß00:19:59

Im Sinne von, ob man, ob ich mir nicht einfach ein bisschen mehr zutrauen kann, dass ich so wie ich bin, dass das auch, dass ich auch mal ein bisschen mehr so wie ich sein will. Weißt du, wie ich meine?

Matze Hielscher00:20:12

Ja.

Stefanie Kloß00:20:13

Also es ist jetzt auch.

Matze Hielscher00:20:14

Nein, ich finde es wirklich bemerkenswert, weil du ja, was ich anfangs sagte, du bist ja wie du bist. Also du verstellst dich ja nicht. Also du verstellst dich wenig. Ich kenne dich nicht unselbstbewusst in dem Sinne, also es gibt ja Leute, die, da würde man sagen, oh, deren Selbstbewusstsein könnte ein bisschen höher sein. Und wir kennen uns ja auch alleine, auch ohne Bühne. Aber ich kenne dich, also dieses als Mensch, der sowohl auf der Bühne steht, als auch, wenn wir uns mal auf der Straße sehen, habe ich nicht das Gefühl, dass du gerade überlegt hast, auf die Straßenbahn zu wechseln.

Also nicht meinetwegen.

Stefanie Kloß00:20:47

Also, als letztes Mal habe ich dich gesehen, aber habe ich schon überlegt, auf die Straßenbahn zu wechseln.

Matze Hielscher00:20:51

Aber.

Stefanie Kloß00:20:51

Nein, das ist.

Matze Hielscher00:20:52

Aber ich verstehe, was du bist im Kosmos einer Band und du bist natürlich immer, da sind immer andere. Und ich, bevor ich das hier angefangen habe, das war meine größte Hürde, weil ich immer alles mit anderen gemacht habe, auch in der Band oder mit Pia mit Vergnügen oder mit Fiete aufgelegt und so. Dieses allein etwas zu machen, das war für mich die größte Hürde zu sagen, okay, ich mache etwas allein und da soll auch noch mein Name draufstehen. Also ich will mich nicht mal verstecken, also dass man dann, ja gut, dann ist es irgendwas anderes. Und ich finde, das ist eine totale, also aber auch, weil ich glaube, wie du geprägt bin durch Gemeinschaft.

Stefanie Kloß00:21:27

Ja. Das ist, wahrscheinlich bringt es das wirklich gut auf den Punkt. Ich bin ein Viertel. Ich bin immer ein Viertel, auch immer das gleiche Viertel. Und das fand ich immer toll. Wir tragen gemeinsam die guten Sachen, wir feiern die Erfolge zusammen und es macht Spaß, weil du dann jemanden hast, mit dem du es feiern kannst. Und wir haben aber auch das schwere Gepäck getragen, weißt du, wenn es mal darauf ankam. Und mir fiel die Vorstellung einfach sehr viele Jahre lang sehr schwer, dass ich jetzt was alleine kann.

Und dann sitzt du plötzlich da bei "The Voice of Germany" und dann steht da zum Beispiel dein Name ganz alleine. Und ich dachte so, um Gottes willen, erstens ja, mein Name ist auf jeden Fall nicht für eine Solo-Karriere geeignet.

Matze Hielscher00:22:15

Stefanie Kloß.

Stefanie Kloß00:22:17

Ja, aber egal. Und dann auch da, ich habe festgestellt, es ist okay, für einige Dinge noch nicht so weit zu sein und sich auch die Zeit zu nehmen. Und ich finde es aber dann auch toll, wenn du dich das dann getraut hast und wenn du über diese Stufe bist, dann bin ich auch wahnsinnig stolz dann auf mich selber oder sage es toll, dass ich mir das getraut habe, dass ich das gemacht habe. Und da muss man aber auch sagen, dass wir auch ein tolles Team haben, wo wir uns gegenseitig stärken und wo natürlich auch dann Thomas, Novi und Johannes mich dann auch stärken an so einem Punkt und sagen, ey Steff, was machst du hier immer so einen Kopf?

Mach einfach, es wird gut.

Matze Hielscher00:22:56

Woher kommt der ursprüngliche Mut, dich ins Rampenlicht zu stellen? Weil es gibt ja sehr viele Menschen, die ja überhaupt Angst haben, sich auf eine Bühne zu stellen. Und das, was ich jetzt, also es war sehr witzig, die letzten Tage, wir kennen uns ja, wie wir schon gesagt haben, super lang, aber man fragt ja nicht irgendwie, und wie war das bei dir in der Kindheit und das und jenes und so. Also fragt man dann einen Partner, aber so als Kumpels sitzt man ja selten dann irgendwie mal so zwei Stunden gegenüber und fragt jemand aus.

Und deswegen, ich musste gestern auch kurz Novi anrufen, weil ich es so witzig fand, irgendwie das alles mal so zu lesen. Es war herrlich. Was ist der Ursprung deiner Rampensauigkeit? Und ich habe schon gelesen, dass du schon immer gern, du hast Blockflöte gespielt, du hast getanzt, du hast Karate gemacht. Also das.

Stefanie Kloß00:23:48

Ich habe eine wilde Liste.

Matze Hielscher00:23:50

Eine wilde Liste. Guck mal, ich habe auch ein schönes, guck mal hier.

Stefanie Kloß00:23:53

Oh, das ist aber auch, das ist auch das richtig geile DDR-Foto. Hast du das nicht gemacht?

Matze Hielscher00:23:57

Ich habe das auch. Ich habe das genau das gleiche Foto.

Stefanie Kloß00:23:58

Ist doch geil.

Matze Hielscher00:23:59

Ich dachte auch kurz, ich bäre es.

Stefanie Kloß00:24:01

Also erstens mein Haarschnitt, Vokulila, finde ich sensationell. Die, ich glaube, das T-Shirt, was ich anhabe, ist so Frotte.

Matze Hielscher00:24:10

Ja. Wie alt bist du auf dem Foto?

Stefanie Kloß00:24:11

Vier oder fünf vielleicht. Oder?

Matze Hielscher00:24:13

Ich fand es interessant. Also ich habe das gleiche Bild im Grunde und ich habe auch ein Plüschtier in der Hand.

Stefanie Kloß00:24:18

Ja, wirklich. Oder dieses orange Telefon.

Matze Hielscher00:24:20

Ja, das gab es auch.

Stefanie Kloß00:24:21

War also mit so einer Wahlscheibe.

Matze Hielscher00:24:21

Ja, stimmt.

Stefanie Kloß00:24:22

Das gab es auch. Es gab die Plüschtiere und es gab das orange Telefon.

Matze Hielscher00:24:25

Das gab es offensichtlich. Also ist das, du warst da noch nicht in Bautzen, ne?

Stefanie Kloß00:24:30

Nee, da war ich noch nicht in Bautzen. Nee, das war noch auf jeden Fall Dorfzeit. Da waren meine Eltern auch gerade noch so verheiratet. Wahrscheinlich schon kurz davor, dass es am Kippen war. Und das war wahrscheinlich Kindergartenzeit. Und ich bin ja in einem ganz kleinen Dorf aufgewachsen. Jetzt wohnen da vielleicht knapp 100 Leute, wenn es hochkommt. Und wir haben in so einem Dreiseitenhof gewohnt.

Das nennt man Dreiseitenhof, weil es so in so einem Hufeisen, in so einer Hufeisenform. Und genau so, wie du dir das noch so vorstellst. Unten hat meine Oma gewohnt, oben haben wir gewohnt. Keine Ahnung, wir waren, glaube ich, immer so ein bisschen Mittelpunkt des Dorfes, weil mein Vater ein guter Entertainer war, guter Unterhalter war, Chef vom Dorf, so. Und deswegen waren auch immer Leute bei uns.

Matze Hielscher00:25:26

Womit hat er unterhalten?

Stefanie Kloß00:25:28

Nee, der war einfach mit seiner Art. So ein bisschen, vielleicht würde man heute sagen, er war so ein bisschen Macho, so ein bisschen, aber hat auch immer gut gewusst, die Leute so zusammenzuhalten. Und hat gesagt, kommt hier, könnt ihr eure Fahrräder abstellen und jetzt ist Hexenbrennen und jetzt machen wir das so und so. Und witzigerweise ist es heute noch, um kurz in die Jetztzeit zu springen, meine Schwester hat nach dem Tod meines Vaters das Haus übernommen und sie ist genauso. Und es ist immer noch so, dass dieser Vibe irgendwie noch da ist, was ich wahnsinnig schön finde.

Matze Hielscher00:25:58

Und hast du das Entertainment-Gehen dann von ihm? Also dieses Presenter-Sein, das hast du ja auch.

Stefanie Kloß00:26:05

Ja, der war auf jeden Fall ein lauter Typ. Und meine Mutter war aber auch immer lustig. Ich sage immer, meine Familie war jetzt nicht besonders musikalisch, aber lustig. Und meine Mutter war halt auch immer so gerade raus. Die macht auch immer einen Spruch an jeder Stelle, egal ob es passt oder nicht. Wir hatten, ich erinnere mich, wir hatten unsere allererste Platinverleihung von unseren Platten und wir haben gesagt, nö, wir machen das hier nicht in Berlin, die sollen mal alle schön zu uns in die Heimat kommen. Und haben das in einem Club gemacht, in Sinkwitz im Kesselhaus, wo wir unseren ersten Bandwettbewerb gewonnen haben.

Und da haben wir schön die ganze Plattenfirma aus München eingeladen und alle Radiopromoter und was es da alles so gibt. Die sind da schön mit Bussen angereist. Und dann ist diese Verleihung, wir haben auch unseren Eltern in den Award gegeben und so. Und ich habe das Mikro und ich bedanke mich so auch bei unseren Familien. Und meine Mutter nimmt mir das Mikrofon aus der Hand und sagt, den Humor hat sie von mir. Ich so, okay. Vor dieser gesammelten Truppe.

Matze Hielscher00:27:07

Toll.

Stefanie Kloß00:27:08

Und ich glaube schon, und auch meine Schwester, meine Mutter und ich, also wenn du uns auf dem Haufen hast, große Mahlzeit. Jetzt die Frage, willst du das? Aber es wird auf jeden Fall mit uns nie langweilig. So viel steht fest. Ich glaube, ein bisschen was von Vater und Mutter beiderseits.

Matze Hielscher00:27:26

Die haben sich getrennt, da warst du fünf.

Stefanie Kloß00:27:30

Ja, so kurz vor der Wende.

Matze Hielscher00:27:32

Und das ist ja damals, also so wie ich die ehemalige DDR noch kenne, also die Scheidung war ja eigentlich nicht wirklich gerne, also das war jetzt nicht die Option Nummer eins, die man so gezogen hat. Also die DDR war jetzt ja kein, nicht sonderlich christlich, also meine Familie war sehr christlich. Aber so Scheidung, ich weiß noch, irgendwann, da war ich bestimmt 14, da gab es so das erste, irgendjemand im Dorf hat sich scheiden lassen. Das war, oh Gott.

Stefanie Kloß00:28:00

Ja, ich glaube auch, dass ich auch eher das Kind war, dass es nochmal kippen sollte. Vielleicht. Das war nochmal der Versuch. Und ich sollte ja eigentlich auch ein Junge werden, als ich dann kein Junge geworden bin, war mein Vater, glaube ich, der hatte auf dem Taufständer ja schon Stefan eingravieren lassen. Steht auch immer noch da heute, Stefan. Als ich dann kein Stefan geworden bin, war es für ihn dann, glaube ich, auch irgendwie, nein, der hat uns wirklich lieb gehabt. Das ist es jetzt wirklich nicht, aber ich glaube, dass ich wirklich vielleicht das nochmal ein bisschen retten sollte.

Aber meine Mutter hat das schon gemerkt, dass das Leben auf dem Dorf, das war für sie schon eng auch. Und dann hat es halt auch nicht mehr ganz so gefunzt zwischen meinem Vater und ihr. Und dann war es, glaube ich, auch gut, dass sie die Reißleine gezogen hat. Und ich, damals, weißt du, ich war vier, fünf, da kannst du das ja nicht einschätzen, was das bedeutet für einen Menschen, dass der diese Entscheidung trifft, zwei Kinder hat, kurz vor der Wende. Und du hast ja auch gar keine Wohnung bekommen so schnell.

Und dann ist sie da noch wohnen.

Matze Hielscher00:29:12

Als Mutter, als Frau oder?

Stefanie Kloß00:29:13

Ja, als geschiedene Frau, wenn du dann sagst, du wolltest eine Wohnung haben. Und dann hat sie sich praktisch, hat mein Vater gesagt, dass sie sich trennt, ist dann aber dort noch wohnen geblieben, weil sie noch keine Wohnung hatte. Und sie wollte sich nicht die Blöße geben, zu ihren Eltern zurückzuziehen mit uns. Und dann ist sie jeden Tag nach der Arbeit, ist sie aufs, wo musste man da hinfahren, auf so ein Wohnungsamt gefahren, hat gesagt, ich möchte bitte so eine WBS70-Wohnung haben. Ich möchte die jeden Tag nach der Arbeit, ist sie da hingefahren. Oder in ihrer Mittagspause.

Und hat das beantragt und hat gesagt, sie möchte diese Wohnung. Und das hat sie so lange gemacht, bis sie sie bekommen hat. Und dann sind wir ein Dorf weitergezogen in so einen schönen Plattenbau, in so eine kleine Wohnung. Und ich bewundere sie heute sehr, dass sie diese Kraft aufgebracht hat und dass sie diesen Mut hatte zu sagen, ich gehe, auch wenn das Umfeld beim Bäcker hinter ihr über sie geredet hat. Und wie es eben dann so ist auf dem Dorf.

Ich weiß nicht, wenn du B96 gehört hast, da ist genau diese Zeile drin, wie man halt auf dem Dorf so redet. Und ich glaube, das war für sie überhaupt auch nicht leicht, diese Zeit. Und ich bewundere sie dafür sehr.

Matze Hielscher00:30:30

Ihr habt ein sehr gutes Verhältnis, glaube ich, oder?

Stefanie Kloß00:30:32

Ja.

Matze Hielscher00:30:35

Wie schön, dass das, also hat sie verstanden, was du da machst?

Stefanie Kloß00:30:39

Ich glaube, eine bessere Mutter kann man nicht haben. Es war bestimmt auch hier und da mal schwierig, als ich in der elften Klasse war.

Matze Hielscher00:30:51

Mit dir oder mit ihr?

Stefanie Kloß00:30:54

Beiderseits vielleicht. Nee, sie hat ja da schon gemerkt, dass wir das mit der Band schon ernst meinen.

Matze Hielscher00:31:01

Kriegt sie ihn befriedigend oder kriegt sie ihn gut?

Stefanie Kloß00:31:05

Nee, sie kriegt ihn sehr gut. Meine Mutter kriegt ihn sehr gut. Aber weil sie an den richtigen Stellen einfach so arschcool war. Also ich wünsche mir wirklich, dass ich so eine Mutter werde wie sie. Und meine Schwester hat irgendwann mal, hat meine Mutter bei meiner Schwester Zigaretten gefunden. So, da war die, weiß ich nicht, 15, 16. Dann hat sie die zu Hause auf den Tisch gelegt und dann hat sie gewartet, bis meine Schwester nach Hause gekommen ist. Dann hat sie sich mit ihr an den Tisch gesetzt und hat gesagt, hier, wenn du das aufrauchst, ganze Schachtel, dann kannst du weiterrauchen.

Dann sage ich nichts mehr. Und dann hat meine Schwester, glaube ich, zwei Zigaretten geraucht. Danach ist ihr so schlecht geworden, dass sie es nicht mehr gemacht hat. Man kann sich jetzt über.

Matze Hielscher00:31:48

Nein, das stimmt.

Stefanie Kloß00:31:50

Du streiten, aber ich fand es irgendwie ganz lässig.

Matze Hielscher00:31:52

Vier klingt. Zum Beispiel, wenn du ein Richtbar trinken, trink bitte diesen.

Stefanie Kloß00:31:55

Trink zehn, dann kannst du.

Matze Hielscher00:31:56

Zum Weitertrinken.

Stefanie Kloß00:31:58

Nein, das fand ich, aber ich habe mich natürlich damals als kleine Schwester, dachte ich so, jetzt kriegt die richtig Ärger, das fand ich gut. Nee, aber wenn du, es ist ja alles anders, wenn du jetzt drauf schaust, wenn du selber Mutter bist. Und dann begreifst du so viel mehr. Und mir auch damals das Vertrauen zu schenken, zu sagen, okay, ich sehe das, dass du diese Band hast, ich kenne die Jungs. Das sind anständige junge Männer. Ich sehe, dass ihr das mit Ambitionen macht. Und wenn das in der Schule klar geht und wenn das in der Schule klappt, dann vertraue ich dir.

Dann macht das. Wir haben ja damals unseren Eltern auch gesagt, passt auf, gebt uns ein Jahr. Andere Kinder oder andere Jugendliche machen ein soziales Jahr nach dem Abi oder Bund oder was auch immer. Wir machen jetzt ein musikalisches soziales Jahr und lasst uns gucken, ob es funktioniert. Und wenn nicht, dann kommen wir mit einem Plan um die Ecke. So. Und dann haben die gesagt, okay.

Matze Hielscher00:32:56

Hat deine Mutter, ich meine, da sind ja trotzdem, am Ende sind es ja drei junge Männer und die Tochter. Also was hat ihr geholfen, dass das für sie klar ging? Dass die nicht die ganze Zeit dachte, um Himmels willen. Und was sagen die Nachbarn?

Stefanie Kloß00:33:14

Das ist wirklich eine gute Frage. Das müsste ich sie auch nochmal fragen, was sie da eigentlich beruhigt hat. Ich glaube, sie hat gemerkt, wenn es Absprachen gab, habe ich mich an Absprachen gehalten. Sie wusste, dass unser damaliger Manager einfach mit uns ein gutes Team war, sage ich es mal so damals. Dass wir da nicht alleine waren, sondern dass da noch jemand dabei war, der ein bisschen älter war als wir. Also Thomas Johannes und Hugen sind ja jetzt auch keine Raudis gewesen oder so, weißt du? Und die Eltern kannten sich auch gegenseitig, was auch total geholfen hat.

Und ich glaube, die haben gemerkt, wie wichtig uns dieses Projekt ist und dass wir das nicht aufs Spiel setzen, weil wir jetzt dann mal eine Nacht nicht nach Hause kommen oder irgendwie solche Scherze. Sondern die waren die, die unsere Konzerte dann gefilmt haben für uns oder haben uns das Auto geliehen oder haben uns nachts abgeholt. Ich weiß noch heute, wie wir immer nachts bei Novis Eltern im Keller die Technik ausgeladen haben.

Matze Hielscher00:34:12

Ihr habt da geprobt?

Stefanie Kloß00:34:13

Ja, wir konnten da zumindest unsere Technik lagern. Proberaum hatten wir woanders, aber wir konnten da unser ganzes Zeug haben. Und Novis Vater hat uns so oft nachts irgendwo abgeholt. Und die Eltern von Thomas und Johannes haben uns so oft ihren kleinen Opel Corsa geliehen, bevor ich dann den Nissan Micra hatte. Die waren schon irgendwie Teil des Teams und haben auch mitgefiebert, glaube ich. Und die haben gemerkt, dass ihre Kinder da, glaube ich, was gefunden haben, was sie glücklich macht und was sie auch anspornt. Und wenn man jetzt selber Kinder hat, dann verstehe ich das jetzt auch, dass man wahnsinnig froh ist, wenn die was finden, wo sie selber merken, boah, das kann ich vielleicht ganz gut, da habe ich Freude darin, da entwickle ich mich weiter, da ist irgendeine Kraft, die die glücklich macht, dann macht mich das auch glücklich.

Und vielleicht war es ein bisschen was von dem.

Matze Hielscher00:35:04

Ich habe Johannes, das weißt du vielleicht sogar schon, um ein paar Fotos gebeten aus dieser damaligen Zeit.

Stefanie Kloß00:35:09

Das weiß ich nicht.

Matze Hielscher00:35:10

Und der hat mir ein Foto geschickt, wo wir hier schon wirklich alle am Boden lagen. Auf diesem Foto zu sehen, sind drei sehr junge Männer. Dieses Foto auf einem Hochbett gemacht. Das Schöne ist, also die Thomas und Johannes haben so eine Decke um die Beine, damit man ihre nackten Beine nicht sieht, glaube ich. Ich weiß nicht, was es soll. Die Gitarren dazwischen, Novi in der Mitte mit den Drums. Nimm mich mal mit.

Also das sind ja wahrscheinlich, ist das ein Foto aus wirklich Kennenlernen, aus einer Kennenlernsituation.

Stefanie Kloß00:35:48

Er hat dir das freiwillig gegeben?

Matze Hielscher00:35:50

Er hat mir das freiwillig gegeben.

Stefanie Kloß00:35:50

Er hat mir das freiwillig gegeben.

Matze Hielscher00:35:51

Er hat mir auch eine andere gegeben, die ich aber nicht zeigen will.

Stefanie Kloß00:35:53

Alles klar. Also folgendes. Wir waren da in einem Sommercamp, in einem Musiksommercamp in Riesa, glaube ich. Und zwar war das ein Sommercamp, da konnte man sich anmelden. Und zwar hat da Dirk Michaelis mit seiner Band, sagt dir Dirk Michaelis noch was? Mit Musikern, mit anderen Musikern ein musikalisches Camp gemacht. Und am Ende dieses Camps hat man eine kleine Aufführung gemacht, ein Konzert. So. Und da gab es eben den Workshop Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang.

Und da sind wir zusammen hingefahren. Das war ein Riesending.

Matze Hielscher00:36:29

Wart ihr dann schon Silbermond? Oder war das noch, ihr hieß ja Exakt?

Stefanie Kloß00:36:33

Genau. Exakt war der allererste Anfang. Da war noch die Cousine von Thomas und Johannes dabei und noch ein Keyboarder. Und dann sind die zwei aber gegangen. Und dann waren wir nur noch Just. Also nicht aber, sondern Johannes, Andreas, Stefanie, Thomas.

Matze Hielscher00:36:52

Sensationell.

Stefanie Kloß00:36:52

Sensationell mit den Anfangsbuchstaben. War eine super Idee.

Matze Hielscher00:36:54

War gut.

Stefanie Kloß00:36:55

Das war richtig kreativ.

Matze Hielscher00:36:56

Also ihr wart als Just, da wart ihr da.

Stefanie Kloß00:36:58

Als Just waren wir da. Und das war, genau, das war dieses Camp. Und das war, ich erinnere mich das noch, dass wir auf dem Bahnhof standen und da hingefahren sind. Und ich muss 15 gewesen sein. Und das fand ich schon richtig krass. Da hinzufahren mit den Jungs. Ich kannte da ja auch dann gar keinen anderen. Und da, das sind übrigens Röcke, was die Jungs anhaben, von mir.

Matze Hielscher00:37:27

Das sind Röcke von dir?

Stefanie Kloß00:37:29

Nein. Die habe ich natürlich, ja, das sind Röcke, lange Röcke. Und ich frage mich aber, warum die die angezogen haben. Ich glaube, wir hatten einen sehr lustigen ersten Tag, denke ich. Ja, und da ist dieses Bild entstanden.

Matze Hielscher00:37:45

Super Foto ist das. Und da wusstest du, also ab welchem Moment wusstest du, dass mit denen das funktioniert? Also ich meine, dass ihr dann über den Fleiß der Band Silbermund, da reden wir auch nochmal später drüber, glaube ich. Aber dass man so da so reingeht. Ich meine, Kloppo sagt ja auch irgendwie, warum sollte man nicht all-in gehen? Und irgendwas scheint ja da schon gewesen zu sein, dass ihr gedacht habt, nee, wir machen das. Also wir fahren da hin, wir machen, also während andere, keine Ahnung, am Baggersee waren und was anderes gemacht haben, wart ihr ja schon dabei und habt gesagt, so wir kapern Songs, wir schreiben eigene Songs, wir nehmen das ernst.

Stefanie Kloß00:38:22

Ja. Also ich glaube, wir hatten in dem Moment, wo das passiert ist mit uns, wo auch dieses Foto zum Beispiel entstanden ist, wir hatten da noch längst keine Idee davon, was daraus werden könnte.

Matze Hielscher00:38:39

Was dachtet ihr, was das Größte sein könnte, was euch passiert?

Stefanie Kloß00:38:45

Den nächsten Bandwettbewerb zu gewinnen.

Matze Hielscher00:38:47

Das habt ihr geschafft.

Stefanie Kloß00:38:48

Das hatten wir geschafft. Und dann dachten wir, na gut, dann wieder den nächsten. Zuerst den Bautzner, dann den Sachsenweiten Bandwettbewerb, dann den Mitteldeutschen. Und dann dachten wir auch, wäre ganz schön, wenn man mal einen Artikel in der Sächsischen Zeitung, das ist auch toll.

Matze Hielscher00:39:08

Wart ihr gleich ambitioniert?

Stefanie Kloß00:39:09

Ich glaube, das Wort hat bei uns gar nicht stattgefunden oder wir haben uns gar nicht so definiert, sondern wir haben einfach gemacht, weil es war ein Machen. Im Machen ist das dann passiert, was du sagst, dass wir wahrscheinlich ambitioniert gewesen sind oder dass es uns Spaß gemacht hat, gut vorbereitet zu sein. Sage ich es mal so.

Matze Hielscher00:39:28

Schön, schön.

Stefanie Kloß00:39:29

Also wir haben dann wirklich vier Wochen diese sechs Lieder geübt, die wir da bei dem Bandwettbewerb gespielt haben. Und haben genau überlegt, okay, was könnte ich zwischen den Songs sagen und wie können wir die Leute gut animieren, dass da Stimmung in den Laden kommt, weil dann musstest du ja die Jury auch überzeugen, dass wir da gut, dass wir gute Laune in den Laden kriegen. Und ich glaube, wir hatten einfach alle gleichermaßen Bock, das gut zu machen. Und Spaß daran, wenn das dann auf der Bühne auch so funktioniert hat und auch so aufgegangen ist.

Matze Hielscher00:40:00

Wie du jetzt weißt und wie ich jetzt auch erst weiß mit 46, du mit 42, es ist ja gar nicht, also dass man Leute findet, mit denen man so etwas machen kann über so einen langen Zeitraum, das ist ja ein Wunder. Eigentlich, also es gibt, also das ist so selten. Also man weiß ja aber nicht in solchen Momenten, dass das super selten ist. Ab welchem Moment wusstest du, das ist wirklich ein Wunder? Wir vier.

Stefanie Kloß00:40:29

Wir haben uns ja kennengelernt in einem musikalischen Jugendprojekt, sage ich es mal. In Bautzen. Das nannte sich Ten Sing, Teenager Sing. Das war ein großer Chor, dazu eine Band. Und dann hat man sich Theaterstücke überlegt. Da war zum Beispiel ein Theaterstück, Schrei nach Liebe. Da ging es um ein Kind in der Familie, rückt zu sehr nach rechts und jetzt versuchen alle, das irgendwie zusammen, wird diese Geschichte erzählt, wie das dann so verläuft. Und dann gibt es eben Songs dazu von den Ärzten etc. Und dann konnte man tanzen und Theater, also so ein Musical-Jugendding.

Und eine Freundin von mir, was die Cousine von Thomas und Johannes ist, die Jule, hat zu mir gesagt, ey, heute kommt die neue Band. Wir waren in so einem Chorlager. Heute kommt eine neue Band, weil die alte Band musste wegen Studium da weg von diesem Projekt. Heute kommt eine neue Band, das sind meine Cousins, du wirst die toll finden. So hat sie mir das erzählt. Und ich weiß noch wie heute, dass wir da, es war in Tschechien, da saßen wir in diesem Chorlager und es war Abendessenzeit, der ganze Chor hat gegessen und dann sagte der Chorleiter, hey, heute die Band ist gerade angekommen, weil die Jungs kamen aus irgendeinem Grund ein bisschen später, ich weiß gar nicht warum.

Und da ging die Tür auf und die kamen rein und ich habe die gesehen und dachte, die finde ich cool. Und ich weiß nicht, ob das der Moment war, wo ich innerlich schon entschieden hatte, das ist cool, das geht klar. Weißt du? So ein ganz früher, ganz früher Moment.

Matze Hielscher00:41:57

Also gar nicht erst nach dem fünf vorletzten Konzert und so weiter, sondern eigentlich so was ganz Intuitives, Instinktives, sagt dir, okay, eigentlich das passt.

Stefanie Kloß00:42:10

Ja, ganz komisch.

Matze Hielscher00:42:12

Schön und so selten.

Stefanie Kloß00:42:16

Ja, ich sage immer, weißt du, man hat es ja manchmal mit seinem Partner auch, dass, oder mit jemand anderem, dass es dich so stört, wie der kaut oder so. Oder dass es dir total auf die Nerven geht, dass der ständig so macht und am Tisch immer so wippt mit dem Knie und du spürst die Vibration. Und ich denke wirklich auch immer, das hast du eigentlich schön gesagt, wie krass ist das, dass wir vier uns so gut aushalten können. Das ist viel wert. Klar, also klar haben wir auch unsere Themen, keine Frage, auch über die Jahre natürlich.

Und wir triggern, können uns auch hervorragend triggern.

Matze Hielscher00:42:51

Ich hoffe.

Stefanie Kloß00:42:52

Aber da ist was, was uns so stark verbindet und wo kein Blatt dazwischen kommt.

Matze Hielscher00:42:59

Wie schön. Und das ist, also ich glaube.

Stefanie Kloß00:43:03

Kann man das Foto zur Seite legen? Ich gucke dann die ganze Zeit so sehr darauf und denke.

Matze Hielscher00:43:07

Was zur Hölle. Nein, ich denke, das ist eine Lehre meines fortgeschrittenen Alters, dass so eine Konstellation, die fallen tatsächlich wie vom Himmel. Und man schätzt die manchmal nicht oder merkt das manchmal gar nicht. Und das ist was ganz, also so in einer Zeit, in der wir jetzt leben, also gerade wenn es um Musik geht, siehst immer mehr Einzelkünstler. Du siehst auch immer mehr einsame Menschen, weil die sich nicht mehr einlassen wollen auf irgendjemanden und denken, da kommt noch was anderes.

Bambeln, Hinschen und so weiter. Und aber so dieses, das auch zu wertschätzen, was man so manchmal findet am Wegesrand oder bei einem Chorwettbewerb. Und das ist so was ganz Kostbares. Und ich wünsche mir manchmal, also es ist aber auch etwas, was man nur selber, das kann man jetzt erzählen als alter Mann, aber es ist nicht, das kannst du nur erfahren und dann merkt man es, glaube ich.

Stefanie Kloß00:44:01

Ja, schön gesagt.

Matze Hielscher00:44:03

B96 ist mein Lieblingslied von euch. Als ich das gehört habe, das erste Mal damals, und ich habe es jetzt wieder gehört, ein paar Mal hintereinander, sind mir total die Tränen gekommen. Weil das mich so, guck mal, jetzt auch direkt, ich kriege sofort wieder eine, also es emotionalisiert mich, weil ich natürlich die B96 kenne. Für alle, die sie nicht kennen, was ist die B96?

Stefanie Kloß00:44:29

Die B96 ist eine Bundesstraße in allererster Linie. Aber die Straße, die uns nach Hause führt, nach Bautzen führt, in das Dorf führt, wo ich aufgewachsen bin. Und ich finde ja, es gibt Straßen, die verbinden oder die führen dich einfach nur von Ort zu Ort. Und es gibt Straßen, die führen dich zurück, die führen dich zu Erinnerungen, zu schön, aber auch zu denen, die weh tun.

Die führen dich zu deinen Wurzeln oder sie verbinden auch was, zu dem du zurückkommst oder von dem du auch weggegangen bist. Und das ist für uns die B96 und das ist vielleicht auch so eine kleine Liebeserklärung an den Ort, der mir Ruhe gibt, der mir, wo ich immer hinkommen kann, wo ich weiß, da kann ich immer sein, wie ich bin. Da werde ich immer aufgefangen, in die Arme genommen, mit allem, was da auch nicht schön ist.

Matze Hielscher00:45:40

Also mich hat das gestern total, wie man so schön sagt, gekillt, als ich das gehört habe. Also für mich ist es ja auch die B96 und mein Verhältnis sich zu meiner Heimat total verändert hat über die Jahre. Also irgendwann will man ja weg, unbedingt in die große Stadt nach Berlin. Dann merkt man wieder, ah, das ist schon auch, hat auch so einen Reiz da. Und irgendwann ist so eine Mischung aus Entfremdung und Anziehung. Also das ist, bei mir geht das immer so zusammen, eigentlich. Und ich finde es allerdings auch schmerzhaft, was mit unserer Heimat im Grunde passiert.

Also das meine ich politisch. Und weil ich merke, dass es jetzt seit ein paar Jahren eine Richtung geht, dass ich, ich konnte immer alles ziemlich gut verstehen und nachvollziehen. Und jetzt fängt es an, dass ich es nicht mehr verstehe. Ich kann es nicht mehr nachvollziehen. Es entzieht sich meiner sowieso nicht Zustimmung, aber so meiner, verstehen heißt ja nicht zustimmen. Aber ich merke, ich verstehe es nicht mehr. Wie geht es dir damit?

Stefanie Kloß00:46:44

Wir haben uns ja auch musikalisch ja schon sehr mit unserer Heimat auseinandergesetzt. B96 ist ja eher was, wo es auch doll um meine Kindheit geht. Aber mit so einem Song wie Mein Osten, für den wir sehr lange gebraucht haben, fast zwei Jahre, glaube ich, den zu schreiben, da haben wir uns sehr, sehr viele Gedanken über eben genau das gemacht. Dieses, was du auch beschreibst, diesen bisschen, diese Zerrissenheit, die in einem selber steckt, zwischen der Liebe zu seinem Zuhause und zu seiner Heimat, wo man aufgewachsen ist.

Und dieses vielleicht Unverständnis oder das Nicht-Verstehen-Können darüber, wie eben Dinge auch nicht gut laufen da. Ich finde es, gerade in der jetzigen Zeit merken wir ja alles, es ist wahnsinnig aufgeladen, emotional aufgeladen. Wir sehen, wie sich unsere Gesellschaft wandelt. Und natürlich werden wir auch oft gefragt, wie siehst du denn die Entwicklung im Osten?

Ich glaube, dass es eine Entwicklung ist, die leider nicht nur im Osten stattfindet, sondern dass sich unser ganzes Land gerade verändert. Und dass wir ja auch hier in Berlin merken, dass die Ränder einfach einen großen Zuspruch bekommen. Und ich habe mit meiner Mutter sehr oft über die DDR-Zeit gesprochen, weil das was ist, was ich nicht in meinem direkten Gedächtnis habe. Weil ich dafür einfach einen Tick zu jung bin, mit 84er Baujahr.

Und sie hat mir viel darüber erzählt. Und ich habe ihr auch damals Mein Osten vorgespielt und habe sie auch gefragt, fühlst du dich darin, siehst du dich darin wieder? Haben wir das gut hinbekommen, dass du dich da auch verstanden fühlst, so wie wir das aufgeschrieben haben? Verstehst du, dass wir unser Zuhause lieben, aber dass wir uns auch Sorgen machen? Und da hat sie gesagt, ja. Und seitdem hatten wir keine Zeile mehr geändert. Wie viele Talksendungen haben jetzt schon versucht zu analysieren und zu verstehen, warum das gerade so ist?

Ich glaube, da muss ich jetzt nicht mit meinem bisschen Wissen, was ich darüber habe, ich glaube, ich habe ein bisschen Wissen, aber nicht in Gänze, dass ich das jetzt sehr tiefgründig erklären könnte. Aber ich mache mir schon auch Sorgen, in welche Richtung unsere Gesellschaft geht, unser Miteinander geht, wie wir miteinander sind, wie wir miteinander umgehen und wie wir das schaffen können, wieder Vertrauen in uns als Gemeinschaft so zu kriegen.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass es wie so ein Vertrauenskonto gibt, was wir alle haben. Und da war gut was drauf, so. Und die letzten Jahre wurde immer wieder was abgehoben. Und man sieht auf seinem Konto, es wird immer weniger und immer weniger. Und dann kommen die Ängste, dann kriegt man Angst, dann sorgt man sich, Mensch, es wird ja immer weniger da auf dem Vertrauenskonto.

Matze Hielscher00:49:45

Ist es auch auf deinem, ist dein Vertrauenskonto, wird es auch weniger?

Stefanie Kloß00:49:52

Ich packe auf mein Vertrauenskonto sehr viel Optimismus drauf. Und das nicht, weil ich naiv bin oder weil es so gerade so meine Stimmung ist und ich so einen Vibe habe, sondern weil ich glaube, dass das Optimismus und Hoffnung haben in der jetzigen Zeit, dass das eine echte Entscheidung ist. Und ich frage mich, zum Beispiel, gibt es eine Möglichkeit, dass ich die Zukunft positiv mitgestalten kann?

Gibt es einen Möglichkeitsraum für mich, dass ich die Zukunft mitgestalten kann oder auch ein Stück besser machen kann? Dann kann ich optimistisch sein. Und das bin ich, weil ich zwei Kinder in die Welt gesetzt habe und weil ich natürlich daran glaube, dass ich mit aller Kraft, die ich habe, es hoffentlich schaffe, dass da zwei tolle Menschen in ein paar Jahren heranwachsen, die ein gutes Herz haben, die vielleicht gute Ideen haben, wie wir als Gemeinschaft vorangehen können.

Und deswegen ist mein Vertrauenskonto noch gut aufgeladen. Und dass jetzt diese Ränder stärker geworden sind und dass sich gerade alles so entwickelt, wie sich es entwickelt. Da hat man ja eher das Gefühl, man will sich in so ein Schneckenhaus zurückziehen und Gott, was soll jetzt noch werden? Und mir geht es eher so, nee, jetzt gerade. Jetzt gerade müssen wir gucken, dass wir dieses freie Land, dieses offene Land, dass wir das verteidigen.

Und dass wir gucken, wie wir die Vertrauenskonten wieder vollkriegen. Und dass wir gemeinsam irgendwie gucken, dass wir bessere Antworten haben als die extremistischen oder populistischen Seiten.

Matze Hielscher00:51:44

Also du hast, es gibt ein schönes Lied von mit dir, mit Finsch, Wendekind. Das ist echt toll. Und das bist du ja auch und ich auch. Ihr singt ja, oder du singst ja auch Mein Osten. Man wird ja als Künstler aus dem Osten immer wieder zum Osten befragt. Anders als, keine Ahnung, Mark Forster fragt niemand irgendwie, warum die AfD in Kaiserslautern oder wo er herkommt, die stärkste Kraft ist. Also ist irgendwie, keine Ahnung, schade, aber sollte man ihn auch mal fragen. Aber ich habe auch das Gefühl, also dass ihr am Anfang nicht irgendwie dafür irgendwie herhalten wolltet als Band und dann irgendwann aber einen anderen Bezug dazu bekommen habt und irgendwie eine andere Art von Verantwortung.

Stimmt diese Beobachtung oder ist es, ich weiß, also irgendwie habe ich das Gefühl, am Anfang haben damit nichts zu tun. Ich habe so ein paar alte Interviews gelesen. Ich war so jung, ich weiß gar nichts mehr. Und dann aber irgendwie ist dieses, wir sind aus dem Osten und es ist mein Osten, irgendwie größer geworden sogar.

Stefanie Kloß00:52:46

Das hast du gut beobachtet. Nee, tatsächlich. Es ist, es hat sich verändert, als wir mit der ersten Platte raus sind. Verschwende deine Zeit. 2004, Gott, lange her. Da sind wir los und weißt du, so Songs wie Durch die Nacht und Symphonie, die handeln von unseren ersten großen, von unserem ersten großen Herzschmerz, was wir alle gleichermaßen durchgemacht haben. Und ich glaube, diesen Herzschmerz, den kannst du in Köln, den hatte man in Köln, in München, jeder hatte das.

Als Jugendlicher in dem Alter. Und das hat unsere Platte wieder gespiegelt, die Gedanken, die wir als Jugendliche hatten. Und dann sind wir losgezogen und hatten unsere ersten Interviews und unsere damalige Plattenfirma saß in München. Und ich erinnere mich, wie wir die ersten Interviews hatten. Sehr viele tolle Journalisten, die es gut mit uns gemeint haben, die neugierig darüber waren, was wir zu erzählen hatten. Und dann aber auch hier und da ein paar Kollegen, wo dann so die Fragen kamen, ja, ihr kommt ja, also ihr kommt ja aus dem Osten.

Wie ist das so als Band aus dem Osten? Und ich sag dir ganz ehrlich, ich habe die Frage gar nicht, also ich habe die Frage gar nicht verstanden. Was sollte das denn? Weißt du, was hä? Und ich glaube, weil ich als 16-Jährige hatte ich ja was anderes zu tun, als mir darüber, also weißt du, das war gar kein Thema. Wir sind eine Bautzner Band, aber Liebeskummer habe ich doch überall, egal ob im Osten oder im Westen. Und dann ist uns aufgefallen, dass uns das häufiger über den Weg gelaufen ist und dass wir irgendwann auch gemerkt haben, dass da ein bisschen was Abfälliges in dieser Frage auch stand.

So als wenn, das kommt ja aus dem, so was kommt ja eigentlich sonst nicht aus dem Osten. Und dann haben wir das auch tatsächlich, glaube ich, die ersten Jahre eher als unsere Aufgabe zu sehen, zu sagen, das gibt es gar nicht mehr, Ost und West, das ist alles, es gibt, wir fühlen, wir sind, wir fühlen uns nicht als Ossis, so. Und erst später haben wir das, glaube ich, für uns anders reflektiert. Früher haben die uns gefragt, seid ihr eine Ostbände? Sag ich, nee, wir sind einfach eine Band. Und heute würde ich sagen, in allererster Linie sind wir Bautzner, aber ja, wir sind eine Band, die aus dem Osten kommt.

Und sind natürlich auch, glaube ich auch, dass wir, weißt du, wir beide schon alleine so, auch wenn wir nicht aus demselben Bundesland kommen, aber es ist irgendwie so ein unsichtbares Band, das ich nicht beschreiben kann. Vielleicht ist es auch nur eine Art Mentalität, vielleicht sind es gleiche Erinnerungen, eine gleiche Prägung, die wir durch unsere Eltern erfahren haben. Aber es ist irgendwie was, was uns irgendwie positiv verbindet.

Ich kann das nicht sagen. Ich kann es nicht richtig gut beschreiben. Und das ist noch da. In unserer Generation ist das eben noch da. Und das habe ich damals noch nicht besser gewusst. Und vielleicht ist das aber auch okay so.

Matze Hielscher00:55:49

Voll, natürlich.

Stefanie Kloß00:55:50

Weil dann sind wir eben rausgegangen und waren so, als wir gemerkt haben, dass da auch so eine Skepsis da ist. Dass die uns vielleicht nicht richtig ernst genommen haben, hat uns das nur noch mehr angestachelt, dass wir beweisen wollten, wir sind eine gute Band, wir spielen richtig gut live und wir zeigen euch jetzt mal, von wegen hier Band aus dem Osten und so, sondern wir sind einfach eine gute Band. Ja. Und dann kam der ganze Rest.

Matze Hielscher00:56:18

Und was passiert in dir, wenn du jetzt merkst, okay, Bautzen, das steht jetzt für Senf, steht für Silbermond und steht aber auch für Anschläge, steht für den CSD-Anschlag, es gab dann nochmal einen Anschlag auf dieses Fremdenhaus. Und dass du eine, dass man so in so einer, plötzlich steht man in so einer Linie. Es geht ja auch um mein Osten. Es geht ja auch, ich sehe noch die traurigen Bilder, eine dunkle Nacht.

Im Lauftext steht der Name meiner Heimatstadt.

Stefanie Kloß00:56:53

Es ist 24 Jahre her, dass wir das allererste Mal auf einer Gegendemo gespielt haben, als ein NPD-Aufmarsch in Bautzen war. Da waren wir eine sehr junge Band und wir haben das aus Selbstverständlichkeit gemacht. Wir haben da gar nicht drüber nachgedacht. Wir haben gesagt, natürlich, NPD, natürlich sind wir da dabei, da dagegen ein Zeichen zu setzen. Und es war schon immer Teil unserer DNA, dass wir, wenn wir das Gefühl hatten, dass irgendwo eine Ungerechtigkeit da ist oder irgendwas nicht oder wir uns mit der Musik eben auch da laut engagieren können als Teil davon, von so einer Gegenbewegung, dann sind wir da dabei.

Jeder Ort hat eine Geschichte und wir stehen vielleicht in so einer Linie von all dem, was du aufgezeigt hast. Und du könntest jetzt noch das Stasi-Gefängnis noch mit aufzählen, was auch zu Bautzen zählt. Aber die Frage ist, das alles ist Bautzen, aber was sind wir? Und was machen wir daraus? Und sind wir einfach nur ein Teil der Vergangenheit oder schreiben wir die Zukunft mit neu?

Und dafür braucht es immer die Vergangenheit. Dafür braucht es immer Geschichte. Damit wir eine bessere Zukunft schreiben können, sollten wir uns noch tausendmal angucken, was im Zweiten Weltkrieg passiert ist. Und dass sowas nicht nochmal passiert. Und Bautzen ist so eine wunderschöne Stadt, weil ich bin vor ein paar Tagen, waren wir erst wieder zu Hause und ich laufe gerade aus aktuellen Gründen sehr oft an der frischen Luft mit einem Baby durch die Gegend und es war ein ganz friedlicher Moment. Ich bin durch die Altstadt gelaufen und ich bin mit Absicht nochmal zu den Orten gegangen, wo ich damals gewohnt habe und wo unser Proberaum war und wo Novis Eltern wohnen und konnte das ganz ruhig nochmal alles angucken und so im Kopf so durchgehen und mich erinnern und da leben auch Menschen, die ein gutes Herz haben und die sich so engagieren für diese Stadt und für die Kultur in dieser Stadt und die es gut meinen.

Und lass uns doch einfach versuchen, eben zu gucken, weißt du, es läuft nicht alles gut, aber lass uns doch mal gucken, was gut läuft und das nehmen und das stärker machen und das schöner machen und zu versuchen, die Menschen, die, ich will auch nicht in so ein Politsprech kommen, aber da sind Ängste da und es gibt Leute, die da gerade sich nicht anders zu helfen wissen, als was zu wählen, wo sie sagen, wo sie sich davon versprechen, okay, es gibt eine einfache Antwort auf große Fragen.

Aber die gibt es nicht. Und glaub mir, Matze, ich wünsche mir sehr oft, dass einfach jemand kommt und die Probleme für mich löst. Das wäre super. Fände ich mega toll. Ich mache mir manchmal Gedanken und habe Sorgen und denke so, boah, wenn jetzt jemand kommt und das einfach für mich löst, wäre super. Aber das wird nicht passieren. Es braucht am Ende immer ein bisschen was von dir selber, damit sich was verändert. Und du kannst nicht hoffen, dass das andere für dich tun. Es ist so ein bisschen wie, du kannst nicht hoffen, dass dein Kind ein schlaues Wesen wird, nur weil es in die Schule geht. Weißt du, nee, weißt du, wie ich das meine?

Wenn das Kind nach Hause kommt, dann ist es doch der Dialog, ist es doch das miteinander reden, sich gegenseitig Fragen stellen, zu gucken, was hat dein Kind für Gedanken, was hast du für Gedanken. Und ich habe manchmal das Gefühl, genauso ist es ja mit unserer Gesellschaft auch. Wir können auch nicht davon ausgehen, dass nur alleine das Wählen uns alles abnimmt. Wir gehen wählen, das ist wichtig, das ist der erste Schritt. Aber der nächste Schritt ist doch, dass wir uns selber auch ein bisschen beschäftigen mit dem, was hier passiert, wie die Zusammenhänge sind.

Und ich bin da auch nicht gut drin. Und ich muss da auch wirklich mir viel Wissen aneignen, um die großen Zusammenhänge zu verstehen. Aber ich weiß, dass die Welt mittlerweile so komplex und so vielschichtig geworden ist, dass es ohne eine Eigeninitiative und ohne einen selber, glaube ich, nicht funktioniert.

Matze Hielscher01:01:03

Siehst du da dich in der Verantwortung auch als Künstlerin?

Stefanie Kloß01:01:08

Wir fühlen uns als Band, glaube ich, nicht in der Verantwortung, sondern wir haben das in uns drin. Wir denken nicht, dass irgendjemand irgendwas von uns erwartet, sondern wir haben uns als Band immer gesagt, wenn wir das, was wir uns für Gedanken machen, über unser Miteinander mit den Menschen um uns herum, wenn wir das in Songs packen wollen und das so funktioniert für uns, was eh immer schwierig ist, wie ich finde, dann machen wir das. Bei meinem Osten hat das funktioniert.

Vielleicht auch noch bei Mehrsein in Zeiten wie diesen, Weiße Fahnen. Es gibt immer mal wieder Songs, wo wir das gemacht haben. Und manchmal ist es aber einfach nur ein Satz, den ich auf der Bühne sage. Oder manchmal ist es einfach, dass ich Herbert Grönemeyer anrufe und sage, du pass mal auf, morgen sind Landtagswahlen in Dresden, wir spielen heute aber am Elbufer. Kommst du als jemand, der singt Bochum, ich komme aus hier, kommst du zu uns ans Elbufer und singst mit uns mein Osten? Dann kriege ich Gänsehaut, wenn ich das erzähle, werde ich schon emotional, weil das ist, was wir brauchen, dass wir da zusammenhalten.

Matze Hielscher01:02:16

Warum emotionalisiert dich das?

Stefanie Kloß01:02:18

Weil ich das schön fand, dass es irgendwie, es war so ein Sinnbild, weißt du, da steht der Mann, der so krass für den Westen steht, wenn du jetzt mal an Ost-West denken willst. Und da stehen wir als Band bei unserem Heimspiel in Dresden und wir singen zusammen, zusammen mein Osten. Das bedeutet, er versteht das, was passiert ist in diesem Land. Und ich verstehe, dass er sich dafür interessiert und dass er das sieht. Und da ist für mich was zusammengewachsen an diesem Abend und das war für mich, davon ab, dass es einfach ein Wahnsinnskünstler ist natürlich und dass das musikalisch für uns einfach absurd war, was da passiert ist, war aber besonders der Moment, finde ich, ein absoluter Gänsehautmoment.

Matze Hielscher01:03:08

Ja. Jetzt verstehe ich es. Also ich habe, ja, ich verstehe es.

Stefanie Kloß01:03:14

Weißt du, der erste Gedanke ist ja, warum soll jetzt Herbert Grönemeyer mein Osten singen? Aber das ist ja auch immer wieder die Diskussion. Haben Ost und West, haben sie sich überhaupt je verstanden? Haben sie sich zugehört? Hat der Osten sich genug gesehen gefühlt? Oder ist der Westen zu arrogant mit dem Osten? Das Thema ist mir zu groß, auch zu groß, jetzt glaube ich, für unser Gespräch hier, aber das war für mich in diesem Moment, weil auch im Publikum waren ja nicht nur Leute aus Dresden da, es waren ja nicht nur Fans da, die da aus Sachsen gekommen sind, sondern Dresden-Elbufer ist für uns wirklich ein absolutes Heimspiel, wo es wie ein Klassentreffen ist, wo die Fans wirklich aus so vielen Ländern und von so vielen unterschiedlichen Orten dahin gereist kommen, dass das wie eine Riesenumarmung war.

Matze Hielscher01:04:04

Ich konnte es nicht so ganz verstehen, warum jetzt zu der Wahl in Sachsen-Anhalt, warum da so viele Menschen so hingereist sind, auch er, also unter anderem. Und ich war so ein bisschen Mensch, also wie ich schon sagte, ja, ihr könnt ja auch alle mal nach Kaiserslautern fahren, wenn da Wahl ist, weil das ist auch scheiße.

Stefanie Kloß01:04:25

Das meinst du, ja.

Matze Hielscher01:04:26

Und diese Art von Zoo-Mentalität, bei uns im Dorf war dann auch irgendwann mal das Fernsehteam, weil es der rechteste Ort in Deutschland war und so, und läuft dann die Orte, aber nicht denkt so, ey Leute, also ja, es ist fürchterlich. Und ich habe das so ein bisschen, habe ich auch hier gesagt, glaube ich, ich fand das irgendwie, also mich triggert das dann noch mehr eigentlich. Und jetzt, deswegen habe ich das nicht so, ich konnte das nicht verstehen, dass Herbert Grönemeyer da jetzt hingegangen ist, aber mit dieser Bezugnahme, dass ihr das ja auch zusammen, ich wusste auch, dass ihr es zusammen gesungen habt, aber dass es da nochmal einen anderen Bezug gibt und deswegen verstehe ich jetzt auch nochmal mehr, warum er nach Sachsen-Anhalt gefahren ist.

Also weil er das auch als seinen Osten begreift und das ist nochmal was anderes als der Osten.

Stefanie Kloß01:05:21

Ich glaube, dass das ein guter Blick drauf ist.

Matze Hielscher01:05:23

Ja. Und deswegen, das habe ich jetzt dadurch nochmal neu verstanden. Vielen Dank. Wir haben uns kennengelernt. Ich habe kein Bild von uns gefunden, aber Johannes hat mir so geile Fotos geschickt. Aber ich glaube, wir haben uns in der Zeit kennengelernt, da sahst du ungefähr so aus oder ihr saht so aus. Das war die Zeit dann durch die Nacht. Und ich weiß nicht mehr genau, ich konnte es mir nicht mehr erklären, weil ich weiß, dass ich euch super nett fand, aber irgendetwas war, wo ich dachte, irgendwie sind die uncool musikalisch.

Stefanie Kloß01:05:58

Ja.

Matze Hielscher01:05:59

Und dieses Gefühl, das trägt sich ja so, man hat ja so ein, wie du erst erzählt hast, du hast die Jungs gesehen und du hast gemerkt, da stimmt etwas.

Stefanie Kloß01:06:06

Genau.

Matze Hielscher01:06:07

Und ich konnte mir all die Jahre nicht mehr so richtig erklären, warum war da irgendwie Musik, warum war das irgendwie so ein, der Geschmack von Uncoolness drin. Und ich habe es vorgestern rausgefunden.

Stefanie Kloß01:06:21

Oh, jetzt, oh, jetzt.

Matze Hielscher01:06:22

Mach es dir selbst.

Stefanie Kloß01:06:23

Oh, ja. Ich würde dir wahrscheinlich sofort recht geben.

Matze Hielscher01:06:27

Ja, und das war der erste, das war eure erste Single und ich glaube, wir haben ja damals auch Musik gemacht mit Virginia Jetz, dann kommt eine andere Band auch aus dem Osten, man kommt auch vom Dorf oder wie auch immer und dann kommt dieser Song und ich glaube, wir waren einfach so, holy, was ist das denn bitte?

Stefanie Kloß01:06:44

Wie kann man das machen?

Matze Hielscher01:06:47

Wie kann man das machen? Nimm mich mal mit in diese Anfangszeit. Ihr seid nach Berlin gezogen, ihr habt in einer kleinen WG gelebt, 35 Quadratmeter. Da habe ich mich auch schon gefragt, wie hat deine Mutter das irgendwie ausgehalten? Und wie kam es dann zu diesem, zum Plattenvertrag und auch zu diesem wirklich, Entschuldigung, fürchterlichen Song?

Stefanie Kloß01:07:11

Ja. Wo fange ich an, Matze? Ich fange an mal mit, ich war ja, ich wäre ja niemals aus Bautzen weggegangen, glaube ich.

Matze Hielscher01:07:23

Nein?

Stefanie Kloß01:07:23

Hätte ich die Jungs nicht getroffen, warum soll ich, also warum hätte ich da weggehen sollen? Ich bin eine totale, wenn ich irgendwo bin und meine Wurzeln geschlagen habe, dann lasse ich mich sehr schwer versetzen. Also mich kann man schlecht ausgraben und irgendwo anders dann hinpflanzen. Und dann war das aber irgendwie so, dass wir unsere Produzenten hier in Berlin kennengelernt hatten und dann eh immer hin und her gependelt sind. Wir hatten damals einen kleinen Nissan Micra, Baujahr '91.

Verdammt kleines Auto, aber wenn man will, passen vier Leute rein, plus Koffer, plus Gitarre und Bass. Und damit sind wir immer hin und her gefahren. 250 Kilometer hin und wieder zurück. Dazu, wenn wir hier produziert haben, dann brauchten wir auch was, wo wir übernachtet haben. Das hat Geld gekostet. Wir hatten ein kleines rotes Bandportemonnaie mit so drei tanzenden Figuren drauf. Gibt es heute immer noch, tatsächlich.

Matze Hielscher01:08:24

Ernsthaft?

Stefanie Kloß01:08:24

Ja, wir haben unser traditionelles Bandportemonnaie. Und dort ist alles drin gelandet, was bei kleinen Auftritten so rumkam. Und davon haben wir Sprit bezahlt, haben wir die Übernachtung hier bezahlt, uns abends einen Döner gekauft und sind dann wieder zurückgefahren. Und auf Dauer war das einfach nicht machbar. Deswegen haben wir entschieden, dann irgendwann hierher zu ziehen, einfach aus finanziellen Gründen, um es so billig wie möglich irgendwie hinzukriegen.

Matze Hielscher01:08:50

Guck mal, ich habe noch ein paar Fotos aus der WG.

Stefanie Kloß01:08:52

Ja. Und das Witzige ist wirklich, meine Mutter musste eine Bürgschaft für mich hinterlegen, damit ich diese Wohnung bekomme. Das ging relativ easy. Das war hier diese Einraumwohnung, in der wir gewohnt haben.

Matze Hielscher01:09:03

Wo war das in Berlin?

Stefanie Kloß01:09:04

Das ist in Pankow, U-Bahnhof Pankow, Borkumstraße hieß es.

Matze Hielscher01:09:08

Okay.

Stefanie Kloß01:09:09

Borkumstraße 6. Und das war im Hinterhof, unten, kleine Wohnung. Relativ dunkel, aber klein, hat mir gereicht. Und ich habe die bekommen. Es war kurz bevor die Platte veröffentlicht wurde. Das erste Album. Und die Jungs haben auch eine Wohnung gesucht und haben als Bürgschaft einfach die erste Seite vom Plattenvertrag gezeigt und haben gesagt, hier, die können wirklich sehen, also wir verdienen auch Geld, wir können uns das auch leisten. Aber ich meine, welcher Vermieter gibt sich zufrieden mit einer ersten Seite von irgendeinem Vertrag, der nichts sagt?

Und ein Bandname, der ihnen nichts sagt. Und dann war das aber so, wir waren wirklich ein paar Tage vor, dass irgendwie Promoreise losgeht und so. Und dann habe ich gesagt, okay, wenn ihr jetzt keine Bude kriegt, dann müssen wir da halt alle rein zusammen. Und wir stellen das meiste in den Keller alles und oben machen wir halt Matratzen. Was soll jetzt werden? So. Und dann war das so. Und dann die Schrankwand hier, das glaube ich noch aus dem Kinderzimmer von Thomas und Johannes. Dann haben wir so einen kleinen Umzug aus Bautzen gemacht und haben nur das Nötigste dann erstmal mitgenommen.

Und ja, und Novi musste in die Küche. Das tut mir auch leid, aber es war so eine Klappliege. Und ab und zu hast du es nachts so scheppern gehört. Und wir dachten, oh mein Gott, was ist denn jetzt passiert? Dann ist die Klappliege zusammengeklappt. Und Novi hat diese Bettwäsche auch nicht wirklich oft gewechselt, muss man sagen. Aber wir waren auch wirklich immer nur so lange wie nötig in dieser Bude. Wir haben meistens im Studio schon gefrühstückt und Abend gegessen auch. Und dann sind wir erst in die Wohnung wirklich nur zum Pennen, damit wir das aushalten.

So. Aber es war auch eine super, es war auch eine super Zeit, muss man sagen. Du warst aber, eigentlich hast du nach dem Song gefragt. Genau. Jedenfalls sind wir nach Berlin gezogen, nicht weil Berlin ist hip und geil, sondern aus einem gewissen Pragmatismus, würde ich sagen. So. Dann hatten wir nun schon Songs wie "Durch die Nacht" und "Sinfonie". Und dann kam Thomas Stein, an den du dich vielleicht noch erinnern kannst, der damals Plattenboss war von der BMG, kam ins Studio und saß da so an dem Mischpult und hat sich die Songs angehört und hat gesagt, ja, also das reicht noch nicht.

Nee, ihr müsstet noch ein bisschen weiterschreiben. Wir geben euch jetzt mal ein paar Songs auf einer, vielleicht war das sogar noch eine Kassette, ich weiß es nicht, oder eine CD.

Matze Hielscher01:11:34

Wird wahrscheinlich eine CD gewesen.

Stefanie Kloß01:11:35

Von irgendwelchen Songwritern und da sind Songs drauf und da guckt er mal jetzt, es muss was Zackigeres sein, was als erster Song hier rauskommt. Und dann war da so eine CD und da waren so Lieder drauf und da war ein Song, der ging so, "Blood type or is a rebel, jump in bed with a devil." Dann dachten wir so, okay, von der Mello, hm. Das Ding war, wir wussten, entweder wir lassen uns jetzt auf diesen Deal ein, dass wir jetzt noch an einem weiteren Song arbeiten, oder die droppen uns halt sofort und dann ist gar nichts.

Dann wären wir lost gewesen, dann wäre gar nichts losgegangen. Und dann haben wir uns zusammen da mit einem Kumpel, der damals auch da mit im Studio abhing, haben wir jetzt gesagt, okay, wir nehmen uns jetzt so einen Song, so einen englischsprachigen und machen da einen deutschen Text drauf. Und daraus wurde dann "Mach's dir selbst". Und dann hat der gesagt, ja, das ist top, das ist die erste Single, damit gehen wir raus. Und wir so, ach du Scheiße. Aber wir haben es gemacht, weil wir gesagt haben, okay, wir machen diese erste Single, aber dann dürfen wir die zweite entscheiden.

Matze Hielscher01:12:38

Und das war "Durch die Nacht".

Stefanie Kloß01:12:39

Und das war dann "Durch die Nacht".

Matze Hielscher01:12:41

Wow. Habt ihr darunter gelitten, als uncool zu gelten?

Stefanie Kloß01:12:51

Hat man sich da so Gedanken gemacht? Ich glaube, ich habe es nicht in dem Moment nicht wirklich so gesehen, dass wir uncool sind, sondern wir hatten ehrlich gesagt gar keine Zeit, darüber nachzudenken. Es ging ja alles so verdammt schnell und wir haben ja immer nur gemacht. Es war ja immer nur geil Album kommt raus, Promo, Autogrammstunden, Radiosender, Konzerte, Konzerte, Konzerte, immer wieder auf die Bühne und los. Wir haben das gar nicht so reflektiert, dass wir so super uncool waren.

Vielleicht. Aber ich glaube auch, dass vielleicht eben dieses fleißig sein und dieses, wir wollten halt immer gut vorbereitet sein. Wir wollten immer auch niemandem auf die Füße treten, dass das dann so gewirkt hat, das kann ich mir schon gut vorstellen.

Matze Hielscher01:13:41

Nee, kann ich, also Füße treten sowieso nicht, aber eher so dieses.

Stefanie Kloß01:13:44

Aber durch den Song auf jeden Fall, ey, wenn ich heute darauf zurückgucke, wir hatten ja auch die ersten Fotoshootings. Ja, ich sehe nämlich so schon, das war ja sehr zeitige, das war ja schon, ja. Wir wussten ja auch gar nicht, wie sollen wir uns denn vor so einer Kamera verhalten? Wir hatten auch keine Ahnung von nichts. Weißt du? Und so war es auch ähnlich im Studio zum Beispiel. Wir hatten ja keine Ahnung, wie wir es schaffen, den Sound, den wir live machen, auch auf eine Platte zu übertragen. Wir hatten ja null Erfahrung, wir waren super jung. Und so war das ja auch mit den Outfits.

Wir haben uns ja noch gar nicht gefunden gehabt. Und ich finde halt wirklich dann, bei "Durch die Nacht" hat man wirklich gemerkt und dann auch bei "Sinfonie", ah, da waren wir dann so ein bisschen in diesem ganzen Ding angekommen. Das war dann unser, das war wirklich unser Song.

Matze Hielscher01:14:31

Wie war das für dich als ja doch sehr junge Frau, du hast gerade schon den Thomas Stein kurz nachgemacht, in so einer, das war ja damals noch wirklich krass männerdominiert alles. Also überall saßen eigentlich Männer, die entschieden haben, wer auf dem Festival spielt, wessen Video irgendwo läuft, was auf dem Plattenvertrag draufsteht, welche Songs, was man und so weiter. Also es waren ja überall Männer, Männer, Männer, Männer, Männer.

Hast du das auch so wahrgenommen?

Stefanie Kloß01:15:03

Also wenn ich heute drauf gucke, denke ich so, ja, genau das, was du sagst, habe ich damals in dem Moment nicht so wahrgenommen. Gar nicht. Vielleicht aber auch, weil wir ja zusammen mit Wiesenthelden, mit mir, mit Juli, da waren auch überall Frauen an der Front. Und dazu hatte ich ja auch drei Typen an der Seite, die der absolute Hammer sind. Also weißt du, wo ich ja gar nicht auf die Idee komme, dass ich entweder irgendwie untergebuttert werde oder nicht ernst genommen werde oder irgendwie weniger wert bin oder so, sondern jeder ist ein Viertel, ob Mann oder Frau bei uns.

Und deswegen habe ich das nicht, habe ich das nicht wahrgenommen. Und wenn ich heute drauf gucke oder auch heute noch allgemein auf die Situation gucke, dann denke ich natürlich, ey, wir sind da noch nicht längst nicht angekommen dabei, dass wir keine Unterschiede mehr machen.

Matze Hielscher01:16:00

Wo merkst du, dass es da Unterschiede gibt? Heute?

Stefanie Kloß01:16:06

Ja, ich glaube, es ist ja immer noch so, dass das Lohngefälle schon alleine, dass Frauen weniger bezahlt werden als Männer.

Matze Hielscher01:16:13

Ich meine auch in deiner Welt.

Stefanie Kloß01:16:15

Ach, in meiner Welt. Ich persönlich fühle mich ja immer noch sehr wohl auch in unserem Umfeld und dass die sehr empathisch sind und auf viele Dinge achten, eben auch was das angeht. Aber nur weil ich es nicht direkt spüre, heißt das ja nicht, dass es nicht da ist. Ich habe das doll gemerkt, als wir bei "Sing meinen Song" waren, zusammen mit Lea und Ali Neumann und habe gemerkt, ey krass, in was für einem privilegierten Umfeld bin ich da eigentlich gelandet.

Was für tolle Menschen habe ich da eigentlich kennengelernt, dass ich das nicht so ellenbogenmäßig erfahren habe, wie zum Beispiel Lea und Ali, die da wirklich für sich selber kämpfen müssen oder mussten und sich durchboxen mussten. Ich finde aber auch den Aspekt interessant, eine Freundin hat zu mir gesagt, Steff, vielleicht glaubst du auch nur, dass du gleichberechtigt behandelt wirst. Vielleicht behandeln dich die Leute auch nur so, weil du die Stefanie von Silbermond bist und mit einem gewissen Erfolg oder Standing um die Ecke kommst.

Und vielleicht würden sie dich, wenn du das nicht wärst, vielleicht würden sie dann doch eher den Jungs die größere Garderobe geben als dir oder so. Weißt du, wie ich das meine? Ich fand diesen Gedanken interessant, habe ich noch nie so darüber nachgedacht. Und ich bin, wie gesagt, ich kann mich da echt nur glücklich schätzen, dass ich da an einer Stelle gelandet bin, wo ich sage, da muss ich mir hier erstmal keine Sorgen machen. Und trotzdem finde ich, dass, wenn wir uns darüber unterhalten, wie gesagt, ob Frauen noch irgendwo ungleichberechtigt behandelt werden, weil sie Frauen sind, dann sage ich auf jeden Fall.

Und das stelle ich auch gerade fest, wenn es um das Thema Mutterschaft geht und um, wer bleibt zu Hause, wie ist das gestaltet, wie Erwartungshaltungen, was sollen Frauen, weißt du, die Erwartungshaltung gegenüber Männern und gegenüber Frauen, finde ich, ist wahnsinnig unterschiedlich. Vielleicht sehe ich das auch nur so. Musst du mal deinen Eindruck sagen, aber ich habe da schon das Gefühl, dass wir da noch nicht auf einem gleichberechtigten Level sind.

Matze Hielscher01:18:30

Ich glaube, das Problem ist gerade eher, dass diese Erwartungshaltung generell, es gibt, also ich habe das Gefühl, dass alle nur noch Erwartungen haben. Also an irgendjemand, also ob das die Kinder, die in die Schule gehen, was die alles leisten müssen. Ich denke mal, Wahnsinn, an die Lehrer, was die leisten müssen, an die Krankenpfleger, Pflegerinnen, an die Männer, an die Frauen, an die Politiker. Also es ist, alles ist voller Erwartung. Und ich kann da gar nicht mehr unterscheiden zwischen, haben jetzt die einen mehr als die anderen, sondern ich denke einfach, Leute, geht mal ein bisschen, chillt mal eine Runde.

Also klar, wir müssen auch viel machen, ist auch keine Frage, aber so dieser Druck, also du hast ganz am Anfang von dem Druck gesprochen, den du dir selbst machst, aber es ist auch ganz schön viel Druck die ganze Zeit um uns herum. Und das denke ich so, das kann doch auf Dauer, das ist nicht gesund, so unter Druck zu stehen. Und zu diesem Druck kommt auch noch, habe ich jetzt mehr oder weniger als der oder die andere. Ich glaube, wir müssten vielleicht eher darauf gucken, zu sagen, ey, wir haben alle gerade ein bisschen zu viel im Rucksack. Und es hilft auch nicht zu sagen, ja, aber die haben es jetzt leichter als die anderen, sondern alle haben es gerade irgendwie, ist für alle gerade ein bisschen doll.

Und ich unterscheide das gerade nicht so sehr. Vielleicht doof, keine Ahnung.

Stefanie Kloß01:19:46

Nö, ich finde das, du hast es eigentlich schön gesagt, jeder hat seinen Rucksack zu tragen und jeder hat mit Dingen zu tun und zu kämpfen. Und es wäre halt schöner, wenn wir einfach uns gegenseitig da ein bisschen mehr supporten würden. Ich bin gestern auch wieder am Park gelaufen, es war sehr früh. Und vielleicht sah ich auch ein bisschen müde aus. Und mich hat einfach ein junger Mann hat mich einfach angelächelt. Weißt du, diese kleinen Momente einfach, dieses, das fand ich schön.

So. Und vielleicht brauchen wir einfach hier und da mal dieses kleine Lächeln, was uns da verbindet.

Matze Hielscher01:20:24

Ist ja auch das Schönste, finde ich, also wenn wir von Rucksack sprechen, wenn du so einen schweren Rucksack hast und jemand neben dir so ganz kurz diesen Rucksack mit so an, also so einfach nur so eine Hand runter macht und das so ein bisschen, man ist sofort, ach.

Stefanie Kloß01:20:37

Guck, ne?

Matze Hielscher01:20:38

Ja. Und man merkt es auch sofort. Und das, ich glaube, das fehlt gerade so ein bisschen. Ja. Aber das ist auch schön zu hören, dass du, weil es gibt viele Frauen, auch in der Musikwelt, also gerade wenn du über Lea oder Ali sprichst und die eben nicht so viel dann auch Glück hatten. Also die nicht so ein tolles Umfeld haben, wie ihr das habt. Also das ist schon auch das wieder ein großes Wunder, dass die drei Herren an deiner Seite, dass die so aware sind, habe ich das Gefühl, immer gewesen.

Stefanie Kloß01:21:13

Ja, und ich wünsche das allen, ob das jetzt junge Männer sind oder junge Frauen, die jetzt aufwachsen und heranwachsen, dass sie sich nicht mehr oder weniger beweisen müssen, weil sie Mann oder Frau sind, weißt du?

Matze Hielscher01:21:24

Ja.

Stefanie Kloß01:21:25

Weil es ist, wie du gesagt hast, man wächst schon mit so einem immensen Druck und mit so einer Erwartungshaltung auf und manchmal fragt man sich, wo ist dabei der Spielraum? Dass jeder selber für sich entscheiden kann, wo gehe ich hin, wer will ich sein, was will ich machen?

Matze Hielscher01:21:44

Ja, dass du diesen Spielraum, den ihr ja auch hattet, so nach Berlin zu gehen und da zu spielen so ein bisschen.

Stefanie Kloß01:21:50

Ja.

Matze Hielscher01:21:51

Hast du, wenn du jetzt so in deiner Pause auf die, ich nehme stark an, dass es viel auch mit reflektieren und gerade wenn man ein Baby hat, dann kann man ja viel nachdenken und rumlaufen. Bei Erfolg stehen ja ganz oft Zahlen dahinter. Platinplatten, Riesenkonzerte oder Zahlen, Zahlen, Zahlen. Was ist für dich, außer dass ihr noch zusammen seid, der größte Erfolg?

Stefanie Kloß01:22:18

Für mich persönlich als Stefanie der größte Erfolg? Das sind meine Kids, das ist meine Familie, das ist mein Umfeld. Der größte Erfolg ist, das zu spüren, dass Menschen tragen können. Dass ein Umfeld trägt, dass Freundschaften tragen, dass eine Band trägt, so eine Bandverbundenheit.

Das finde ich schön. Und Erfolg ist natürlich immer relativ so. Du kannst dir einen Haufen Platinplatten an die Wand hängen und dir den Bambi daneben stellen und dann hast du noch den Echo und dann hast du noch den Bravo Otto und dann hast du noch die 1LovKrone und wie die ganzen Preise heißen, die heute keiner mehr kennt. Und was ist dann? Dann stehst du mit 42 hier und was bringt dir das? Der größte Erfolg ist doch eigentlich, dass du dich selber als Mensch vielleicht gut leiden kannst und dass du vielleicht selber irgendwann mal über dich sagen kannst, wenn du nicht mehr bist, dann habe ich mir auch viel Gedanken darüber gemacht, weil ich auch Trauerfälle in der Familie hatte, wo ich mir gedacht habe, was will ich denn, was von mir bleibt, wenn ich mal nicht mehr da bin.

Und dann habe ich einen guten Satz gelesen von Albert Schweitzer, der da heißt, das Wichtigste sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen. Und der Satz hat was Schönes. Wenn wir irgendwas hinterlassen, was ein großes Herz hat und was Liebe trägt, dann ist das doch ein sehr großer Erfolg.

Matze Hielscher01:24:04

Ich habe schon kurz über diesen Fleiß gesprochen und dieses Permanente. Und ich habe neulich eine erfolgreiche Frau getroffen und die hat sich getrennt von ihrem Mann, weil der sagte, und er hatte natürlich recht, ja, ich bin immer die Nummer zwei. Und sie sagte, ja, that's true.

Und in diesem Motor, du hast auch gerade schon von der Trauer gesprochen, fallen ja auch Sachen hinten runter. Also man hat einen Termin bei Rock am Ring oder, also man sagt ja auch nichts ab, wenn man Silbermond ist und vor allen Dingen nicht, wenn man Stefanie Kloß ist. Was sind die Momente gewesen, wo du nicht da sein konntest? Also wo der Erfolg und diese Bahn, auf der du warst oder ihr wart, die ganze Zeit nicht die Möglichkeit gegeben hat, ich halte mal an und jetzt muss ich irgendwie bei der Hochzeit oder wo auch immer da sein.

Stefanie Kloß01:25:11

Also wenn es wirklich darauf ankam, dann haben wir uns das auch freigeboxt. Wenn es ging. Und natürlich ist es aber so, dass wir nie, fast nie einen normalen Sommer hatten. Es gibt keinen Sommer, wo wir in Sommerurlaub gefahren sind. Wir standen auf Festivalbühnen oder bei anderen Konzerten, Open Airs. Ferienzeit wird jetzt erst so, dass wir das blocken für uns. Krass, im Kalender haben wir auch gelernt, das zu machen.

Und dass es auch wichtig ist, aber das habe ich in der Pause auch gemerkt oder wollte ich auch mal, dass wir jetzt auch mal diesen normalen Sommer haben. Ganz wie jeder andere. Und das haben wir natürlich verpasst. Wir waren nicht da, wenn Freunde Geburtstag hatten, wenn eine Gartenparty war, wo wir dann gesagt haben, sorry, da können wir leider nicht dabei sein. Und sowas lässt sich nicht nachholen. Und ich glaube, das ist schwer nachzuvollziehen, was wir da für einen Beruf haben, aber ich glaube, für alle war es nachvollziehbar in der Corona-Zeit, wo wir ja alle nicht beieinander sein konnten.

Und da ging es jemandem einmal richtig schlecht. Und ich konnte da nicht bei ihr sein. Obwohl ich es gerne wollte. Und das hat mir sehr weh getan.

Matze Hielscher01:26:42

Warum konntest du nicht da sein?

Stefanie Kloß01:26:46

Wir mussten ja alle auf Abstand gehen. Wir mussten alle, durften ja nicht in großen Gruppen beieinander sein. Und in dem Moment, wo sie diesen Verlust hatte, konnte ich nicht da sein. Konnten wir da nicht hin. Und das war schwer für mich. Und ich konnte das im Nachhinein natürlich irgendwie ein bisschen nachholen, aber es ging dann auch viel um die Frage, wie kann ich in so einer Situation dann bei ihr sein?

Über das Telefon, soll ich dann sie anrufen und sollen wir dann drüber quatschen oder wie sollen wir das jetzt irgendwie, wie schaffe ich das, diese Nähe herzustellen, obwohl ich keine Nähe haben darf? Weißt du, wie ich das meine? Und das war schwierig.

Matze Hielscher01:27:43

Warum ist es immer noch schwierig? Also weil du bist emotional angefasst, das sehe ich und ich sehe auch, aber ich weiß auch, dass ihr, du hast ein Lied darüber geschrieben.

Stefanie Kloß01:27:53

Genau.

Matze Hielscher01:27:54

Dann denke ich auch an die Kraft der Verarbeitung und an die Kraft des Singens und all das. Und ich sehe dir aber auch an, dass dich das immer noch berührt, dass du da nicht da sein konntest. Also wenn du das erzählen magst oder kannst, ich weiß es nicht. Warum geht dir das noch so nah, dass du da nicht da sein konntest?

Stefanie Kloß01:28:10

Ich habe sie nie in so einer Situation erlebt. Und das hat mich total angefasst. Und ich hätte gerne so ein Handbuch gehabt. Und ich habe dann aber gemerkt, dass es schön ist, man muss ja auch nicht immer reden, weißt du? Sie hat mir das dann so in einem Moment erzählt, wo sie es erzählen wollte. Und das ist schwierig. Ich möchte nicht genau erzählen, worum es geht, weil es eine Sache ist, die ihr gehört, weißt du?

Matze Hielscher01:28:41

Mir ging es nur um dieses Gefühl, dass es bei dir bleibt. Also das ist so ein, also dieser, also und wenn es.

Stefanie Kloß01:28:48

Nee, in einem Lied, wenn man das Lied hört, es ist dieses, weißt du, wir haben über Beiläufige, genau, wir haben über Beiläufige Sachen geredet und dann hat sie das so erzählt. Und dann dachte ich so, Gott, ich würde gerne irgendwas tun, aber wenn jemand nicht mehr da ist, weißt du, dann kann man nichts tun. Und diese Hilflosigkeit, dass du eigentlich nur in Anführungsstrichen nur da sein kannst, das hat mich lange total beschäftigt.

Und heute habe ich aber vielleicht die Erkenntnis, dass genau das das Beste ist, was du tun kannst. Einfach auch nur da zu sein. Und dass der andere das eben auch weiß. Dass er jederzeit anrufen kann, dass er jederzeit vorbeikommen kann. Und das hat die Zeit aber damals natürlich komplizierter gemacht. Das kam eben auch noch dazu.

Matze Hielscher01:29:42

Eigentlich ist es sogar was Schönes, dass manche Dinge auch in der Trauer bleiben, denke ich gerade. Also obwohl man, also man muss ja Trauer nicht immer wegschieben. Du hast das erst erzählt, dass du, wenn euer Ältester, wenn der wütend ist, dass du ihm die Wut nicht nehmen willst und dass du ihn lässt, dass er wütend sein darf. Also und so viel wird unterdrückt und ich habe, irgendwie habe ich so gedacht, als ich das Lied auch gehört habe, das ist ja ein Weg, es ist zu verarbeiten und man denkt bei verarbeiten immer, dann singt man es oder man schreibt es nieder, dass es dann irgendwie weggeht.

Aber auch eine Trauer oder auch ein, was es auch immer zu betrauern gibt, das darf ja bleiben. Also ich habe mich nur, als ich dich gerade gesehen habe, gesehen habe, wie dir die Tränen kommen, habe ich gedacht, warum kommen jetzt noch immer die Tränen? Aber Trauer darf ja genauso bleiben wie die Freude über ein, also du darfst dich ja heute auch, also du hast ja, ich habe dich erst nicht gefragt, als du gelacht hast über eine Situation, die vor 20 Jahren war, habe ich die, warum lachst du denn jetzt?

Stefanie Kloß01:30:55

Ja, genau.

Matze Hielscher01:30:56

Warum freust du dich denn jetzt? Und das ist gerade, das ist, ja, das habe ich gerade so nochmal so begriffen.

Stefanie Kloß01:31:02

Ja, das Thema Trauer begleitet mich ja eigentlich schon auch länger. Mein Vater ist gestorben, als ich 18 war.

Matze Hielscher01:31:10

An Krebs, habe ich gelesen.

Stefanie Kloß01:31:12

Genau. Und meine Schwester und ich waren damals schon, wir mussten da, glaube ich, sehr früh erwachsen werden auf eine komische Art und Weise, weil wir Beerdigung organisieren, alles drumherum. Es war eine verrückte Zeit. Meine Schwester war 22 und hat entschieden, dass sie dieses Riesenhaus übernimmt. Ich habe gesagt, bist du dir sicher?

Matze Hielscher01:31:35

Diesen Dreiseitenhof, ja.

Stefanie Kloß01:31:36

Genau. Und sie hat gesagt, ja, ich möchte das nicht aufgeben, unser Haus, wo wir aufgewachsen sind. Und ich bin ihr heute so dankbar dafür, weil es so schön ist, immer wieder da hinzukommen. Und bevor wir jetzt in unsere Pause gegangen sind, ist mein Stiefvater gestorben. Und es war schön im Sinne, ihn zu begleiten dabei, im Sinne, dass ich da sein konnte. Und das war eine wahnsinnig intensive Zeit, weil das war noch während der letzten Konzerte, die wir gespielt haben, vor dieser großen Pause.

Ich bin in der Zeit sehr oft nach Bautzen hin und her gependelt, immer wieder hin und her gefahren. Ich habe an seinem Bett gesessen, wir haben uns abgewechselt. Er hat noch zwei andere Kinder aus erster Ehe gehabt. Meine Mutter, meine Schwester, ich, die anderen beiden Kinder, wir sind immer, ich habe an seinem Bett gesessen und wir haben, ich habe ihm Dinge erzählt, wir haben zusammen Musik gehört. Und.

Matze Hielscher01:32:39

Habt ihr Joe Cocker gehört?

Stefanie Kloß01:32:40

Ja, wir haben Joe Cocker gehört. Mein Stiefpapa kam ja sehr früh zu uns, weil sich meine Eltern ja sehr zeitig getrennt haben und er war eigentlich fast länger an meiner Seite als mein richtiger Vater.

Matze Hielscher01:32:55

Und er hat dich mit auf ein Joe-Cocker-Konzert geholt?

Stefanie Kloß01:32:57

Und mein allererstes Konzert war Joe Cocker in Dresden. Und ich habe dieses Konzert damals gesehen und dachte, boah, das ist ein toller Background-Sänger. Ich will unbedingt Background-Sängerin werden.

Matze Hielscher01:33:10

Ach Mann.

Stefanie Kloß01:33:11

Hat nicht funktioniert. Und als ich bei ihm am Bett saß, haben wir Joe Cocker gehört. Und dann habe ich ihm gesagt, als er aber auch schon viel Morphin bekommen hatte, habe ich ihm gesagt, dass ich hoffe, dass er weiß, dass ich durch ihn Sängerin geworden bin. Ich fand das einen guten Moment, das ihm zu sagen.

Und weißt du, wir stecken alle so krass im Leben und wir priorisieren jeden Tag so viele Dinge, von denen wir glauben, dass sie wichtig sind. Und sowohl bei meinem Vater als auch bei meinem Stiefvater habe ich gespürt, sie tragen noch Sachen in sich, die sie nicht loslassen können. Deswegen gehen sie nicht. Und als ich das letzte Mal meinen Vater besucht habe im Krankenhaus, habe ich ihm nochmal liebe Grüße von meiner Mutter ausgerichtet.

Und die waren ja nicht unbedingt im Guten, haben sich ja nicht unbedingt im Guten getrennt. Aber ich habe ihm nochmal liebe Grüße von meiner Mutter gesagt. Und danach bin ich nach Hause gefahren und dann kam der Anruf, dass er gestorben ist. Und bei meinem Stiefvater war es so, er war auf der Palliativstation und er hat ein Zimmer, wo die Sonne schön reingeschienen hat.

Und da war eine Pinnwand. Und wir dachten uns, dass es schön wäre, wenn wir alle Fotos von uns da dran pinnen. Von seinen Kindern, von seiner Frau, von seinen Enkelkindern. Und es fehlte noch ein Foto. Und seine Tochter ist an diesem einen Abend hin dieses letzte Foto an die Pinnwand gemacht. Und zehn Minuten später ist er eingeschlafen.

Den Spruch, den ich dir gesagt habe, mit dem Albert-Schweitzer-Spruch, das stand, dieser Spruch stand über dem Zimmer, wo wir dann Abschied von ihm genommen haben. Und das ist so ein Moment, wo man, ich finde es schade, dass erst solche Momente kommen müssen, wo man es schafft, innezuhalten und sich mal kurz wieder klarzumachen. Okay, wir können alle auch mal wieder Luft holen. Das Leben passiert. Und das Leben fragt uns nicht vorher, ob es das jetzt machen darf.

Und wir haben jetzt alle noch die Chance, was zu hinterlassen, worauf wir stolz sind. Wir haben jetzt noch die Chance, Dinge zu bewegen, die wir bewegen wollen. Und wir haben jetzt noch die Chance zu entscheiden, ob wir das mit Wut oder Hass machen oder ob wir das einfach mit einer Art machen, die der Welt hilft. Vielleicht. Ja, das hat natürlich in dieser Pause mich dann sehr bewegt und hat vielleicht auch geholfen, diesen Fragen über mich selbst, denen noch ein bisschen näher zu kommen.

Weißt du, was ich für ein Mensch bin, was ich für einer sein will und dass man sich vielleicht nicht nur definieren sollte über das, was man tut, sondern über das, was man auch geben kann oder so.

Matze Hielscher01:36:50

Würdest du auch sagen, dass man sich dadurch definieren kann, was man nehmen kann, was man annehmen kann?

Stefanie Kloß01:36:56

Ich glaube, dass das was ganz Wichtiges ist, auch für sich zu sehen, dass Hilfe anzunehmen, Menschen an sich ranzulassen, dass das keine Schwäche ist. Sondern dass das eher eine Stärke ist, zu sagen, ich brauche deine Hilfe jetzt. Können wir das zusammen machen? Kannst du mir da deine Hand reichen? Ich glaube, viele denken, dass es, viele sind da zu stolz vielleicht oder denken, sie müssen durch Dinge selber durch und ich bin da prädestiniert dafür. Alles, was ich dir jetzt sage, was man tun sollte, ich mache es alles selbst.

Einfach Hilfe anzunehmen und nicht so stur zu sein und zu sagen, ey, ich kriege das schon alles selber hin.

Matze Hielscher01:37:34

Was ist es, was dir da fehlt?

Stefanie Kloß01:37:37

Ich glaube, will nicht jeder von uns auch immer so ein bisschen selber beweisen, dass man es selber hinkriegt. Das ist jetzt ein total, wir kommen jetzt, das ist jetzt ein starker Themensprung, Matze, wo ich jetzt hinkomme.

Matze Hielscher01:37:48

Ich finde es schön, dass du ins Sächsische wechselst.

Stefanie Kloß01:37:51

Das tue ich, das mache ich immer, wenn ich denke, dass wir mal schnell die Stimmung mal kurz ändern sollten.

Matze Hielscher01:37:58

Das ist so witzig, weil ich habe gestern einen Freund aufs Band gesprochen und der sagte mir genau das Gleiche. Also wenn ich, der meinte, ich fange sofort an, in einen Dialekt zu verfallen, wenn ich irgendwie was absage oder wenn ich sage, ich kann nicht.

Stefanie Kloß01:38:13

Ja, wenn man.

Matze Hielscher01:38:14

Wenn man so, na du, das passt gerade nicht.

Stefanie Kloß01:38:17

Das geht gerade, heute geht es gar nicht. Nee, gar nicht. Heute geht es gar nicht.

Matze Hielscher01:38:21

Bring ihn rein, den Themenwechsel.

Stefanie Kloß01:38:22

Also manchmal habe ich ja so ein bisschen das Gefühl, ich habe dieses Hochstapler-Syndrom, dass alle denken, ich kann total viel und irgendwann macht jemand so den Scheinwerfer an und ich bin entlarvt. So, zack. Da ist sie ja, die kann ja gar nichts.

Matze Hielscher01:38:37

Das hast du noch immer.

Stefanie Kloß01:38:38

Das habe ich tatsächlich noch immer, ja. Und ein Beispiel dafür ist, ich war elfte Klasse. Wir haben mit der Band erfolgreich gecovert. Und es ging ganz oft um, als wir dann angefangen haben, die ersten Lieder zu schreiben, um Zweistimmigkeiten und um einfach um Musikalität im Großen und Ganzen. Und ich wusste gar nicht, wie das funktioniert. Ich wusste noch nicht mal, was ein Dreiklang ist.

Ich wusste ja noch nicht mal, wie eine zweite Stimme, was das überhaupt, wie das funktioniert, wie Harmonien, wovon das lebt. Und weil mir das so unangenehm war, den Jungs gegenüber, habe ich mich heimlich in der Musikschule in Bautzen angemeldet und habe da mit Zweit- und Drittklässlern in so einer Theoriestunde gesessen, einmal die Woche, und habe Musiktheorie gemacht. Und das wussten die Jungs aber nicht. Weil es war mir peinlich. Es war mir unangenehm, denen zu sagen, passt auf, ich habe da so eine Scham vor euch, mir ist das so unangenehm, ich fühle mich da so minderwertig, dass ich da keine Ahnung habe davon, dass ich mir das jetzt aneignen möchte, ohne dass ihr das wisst.

Und das ist aufgeflogen.

Matze Hielscher01:39:54

Ich wollte gerade sagen, ich erzähle es jetzt zum ersten Mal.

Stefanie Kloß01:39:58

Ja, und es ist aufgeflogen, weil die Schwester von Thomas und Johannes auch irgendwie zufällig an dem Tag in der Musikschule war, wo ich da raus bin. Und sie meinte dann, ach krass, ich habe heute die Stefanie in der Musikschule gesehen. Die Jungs so, hä, wir hatten doch an dem Tag Bandprobe, das kann gar nicht sein. Und so, und die so, nee, nee, ich hatte die da gesehen. Ja, und dann musste ich das den Jungs sagen. Und das war eine Zeit, wo ich dann, ich war in der elften Klasse, ich musste für Haufen Klausuren lernen und dann musste ich mich da in die Theorieprüfung setzen neben so einem Zweit- und Drittklässlern und wollte, war zum Beispiel so eine Prüfung, schreibt einen Dreiklang auf in G-Dur mit den Vorzeichen hier, den ganzen Krams.

Und dann wollte ich abgucken und dann hat er mich nicht abgucken lassen, der Junge neben mir. Glaubst du das? Und dann dachte ich so, was mache ich hier eigentlich, Mann? Ich bin, weiß ich nicht, 16 und bin hier in der Musikschule und mache Musiktheorie. Und ich habe schon einen sehr doll stark ausgeprägten Drang, mich alleine durchboxen zu wollen. Vielleicht auch, weil meine Mutter das auch dann als Alleinerziehende gemacht hat. Vielleicht, weil ich durch sie auch, ich wollte schon immer unabhängig sein. Ich wollte mein eigenes Geld haben, ich wollte nie auf jemanden angewiesen sein.

Ich wollte immer so mein eigenes Ding machen. Und es war ein langer Prozess, mich erstens auch den Jungs gegenüber zu öffnen und denen auch zu sagen, du passt auf, ich habe jetzt hier gerade das und das Problem. Ich glaube, dass ich das und das mir nicht zutraue oder vielleicht nicht schaffe. Oder dass ich da eure Hilfe brauche. Und heute denke ich, Gott, wieso habe ich das nicht eher gemacht? Ich finde das so kostbar im Leben, dass man das kann.

Weil ich auch merke, wie viel mir es zum Beispiel auch gibt, wenn ich helfen kann. Wenn jemand meine Hilfe annimmt. Wenn meine Mutter sagt, stimmt, du hast recht, komm mal vorbei. Vielleicht brauche ich dich doch.

Matze Hielscher01:41:53

Ja, ich glaube auch, also man muss, also was heißt muss, aber ich glaube, stimmig ist es erst, wenn man genauso viel nehmen kann, wie man geben kann.

Stefanie Kloß01:42:03

Ja.

Matze Hielscher01:42:05

Und die meisten, ich fand es deswegen, weil du das erst sagtest, mit dem in die Welt stellen, etwas geben. Und natürlich ist das wichtig, aber ich glaube, es ist genauso wichtig, dass man auch sich hinsetzt und sagt, so, jetzt brauche ich mal was. Dass das so der Kunst dazugehört. Ich habe ja ein großes Privileg hier. Mein Privileg, ich darf ja einfach alles fragen, was ich so fragen will.

Stefanie Kloß01:42:31

Das geht schon sehr spannend los, Matze.

Matze Hielscher01:42:33

Ja. Weil wir uns so lange kennen und es geht ja mit allen Leuten so, die man schon lange kennt, dass dann so ein paar Sachen, die sind so vollkommen, die sind so normal. Also die ist dann so, da fragt man nicht nochmal nach und das ist irgendwie auch awkward. Aber ich habe natürlich auch bei diesen Bildern, habe ich ein Bild bekommen, das ist dieses wunderschöne Foto. Also man sieht drei der Silbermonde auf diesem Bild.

Stefanie Kloß01:43:01

Ja.

Matze Hielscher01:43:02

Man sieht dich, Thomas und Johannes.

Stefanie Kloß01:43:05

Ja.

Matze Hielscher01:43:06

Und man sieht deinen Kopf an der Schulter von Thomas.

Stefanie Kloß01:43:11

Oh, na das ist jetzt aber hier weit. Ja, weiter?

Matze Hielscher01:43:15

Na ja, und ich habe mich gefragt, also es war damals schon relativ schnell klar, du bist mit dem zusammen. Also ich weiß nicht, an welcher Stelle ich das erfahren habe, aber dieses, es gab es bei Wir sind Helden, es gab es bei wem war es, Wir sind Helden, bei Juli und bei euch. Es war immer klar, die Sängerin ist mit einem aus der Band zusammen. Und es waren aber alles immer Geheimnisse. Also alle wussten es, aber es war ein Geheimnis. Und es war immer so, okay, ja gut, also ja.

Und ich habe das nie erfahren und deswegen, ich darf jetzt alles fragen, wann seid ihr zusammengekommen?

Stefanie Kloß01:43:54

Das weiß ich tatsächlich wirklich nicht. Es ist Zeit verschwimmt, ernsthaft. Also klar, wir mochten uns. Und ich denke auch, dass als wir es dann Johannes und Novi gesagt haben, sagten die nur, endlich. Mein Gott. So. Also klar merkt man wahrscheinlich, dass es da gewisse Verbindungen gibt.

Matze Hielscher01:44:20

Ja.

Stefanie Kloß01:44:21

Ich glaube aber, dass wir eine große Verantwortung gespürt haben gegenüber der Band. Angenommen, es klappt nicht und wir entscheiden doch, das ist irgendwie jetzt, da haben wir uns irgendwie was vorgestellt, was jetzt doch nicht so ist. Und ich sage dann halt, du, die Band ist doch immer die Nummer eins für dich, ich bin immer die Nummer zwei, das funktioniert nicht. Dass das dann vielleicht der Band schaden könnte. Und deswegen haben wir uns doch auch eine ganz schöne Zeit genommen, um rauszufinden, ob das klar geht und ob das Substanz hat, sage ich mal.

Und als wir uns dann sicher waren, haben wir es den anderen beiden gesagt, die uns natürlich irgendwie gesagt haben, ja, ist klar, jetzt komm. Gut, habt das jetzt schön erledigt. Und dann war gut. Aber wir haben uns wirklich sehr viel Gedanken darüber gemacht, ob es alles anhat und es nicht interessiert, tatsächlich. Aber wir haben uns Gedanken gemacht um Novi und Johannes, ob das okay für die ist, ob das klar geht und ob das gut ist. So. Und war gut.

Matze Hielscher01:45:20

Ich meine, es gibt ja immer etwas, worin man sich verliebt. Also immer etwas so, also so ein Kern.

Stefanie Kloß01:45:27

Ich bin, was sowas angeht, wirklich tatsächlich sowas von unromantisch. Ich meine das wirklich ganz ernsthaft, weil ich nie über unsere Beziehung rede. Du nutzt jetzt unseren Freundschaftsbonus aus, damit ich darüber rede. Ach, Quatsch, hör auf. Also ich weiß es nicht, ich glaube, es ist, wir haben natürlich wahnsinnig viel Zeit zusammen verbracht und mit niemand anderem habe ich so viel Zeit verbracht wie mit den Jungs. Jetzt könntest du natürlich fragen, warum hast du dich dann nicht in Johannes verliebt und warum nicht in Novi?

Matze Hielscher01:45:53

Das haben die sich auch gefragt.

Stefanie Kloß01:45:54

Das haben die, warum bin ich es nicht? Guck mal, wir haben uns kennengelernt, da waren wir in der Pubertät. Und Durch die Nacht und Symphonie zum Beispiel, das haben Novi und Thomas zusammengeschrieben. In der Zeit, wo wir gleichermaßen unseren ersten Liebeskummer alle hatten. Deswegen konnte ich das dann auch so singen, weil ich das auch alles genauso gefühlt habe. Mich hat das sehr beeindruckt, dass Thomas das so konnte, dass er so eine Emotion in Musik übersetzen konnte. Ich fand das cool. Ich finde ihn auch, sieht gut aus an der Gitarre.

Matze Hielscher01:46:23

Ja, das ist alles.

Stefanie Kloß01:46:24

Und sowas.

Matze Hielscher01:46:26

Ja, ja. Wie schafft ihr das? Weil es ist natürlich die Band auch bei euch ganz lange auf Nummer eins gewesen, würde ich behaupten.

Stefanie Kloß01:46:35

Ja.

Matze Hielscher01:46:35

Und aber es gibt ja völlig unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche, man möchte als Paar etwas anderes, auch als Band, man möchte auch als Einzelperson was anderes als alle anderen. Also es sind ja so viele Bedürfnisse, die da zusammenkommen. Und es gelingt ganz, ganz wenigen Menschen das, was euch gelingt. Was ist das Geheimnis? Also was macht ihr anders als, also weißt ja nicht, was alle anderen machen, ich auch nicht, aber irgendwas macht ihr ja komplett richtig, dass das so funktioniert.

Stefanie Kloß01:47:13

Ich glaube, um mal das perfekte Bild hier ein bisschen zu entschärfen, würde ich eher sagen, es gelingt uns mal besser und mal schlechter. Ich finde immer, es ist alles noch leicht, wenn keine Kids im Spiel sind, weil dann zählst nur du. Wenn heute jemand, der keine Kinder hat, zu mir sagt, ich habe mir heute mal richtig Zeit für mich genommen, dann schmunzle ich so ein bisschen. Ich finde das völlig okay. So, aber dann schmunzle ich und denke so, du hast doch immer Zeit eigentlich für dich. Aber ich verstehe das natürlich.

Aber wenn du Kids hast, es wurde irgendwann immer wichtiger, dass, wenn, so habe ich es empfunden, dass wenn du nach Hause kommst, dass du dann die Band mal kurz vor der Tür lässt und dann wirklich da bist. Da bist für ein hochspringendes, lautes Etwas, was dir entgegenkommt und was es verdient hat, dass du da bist. Dass du anwesend bist und zwar nicht nur körperlich, sondern auch mit deinen Gedanken und mit deinem Kopf. Und ich habe das, ich kann das ganz gut mittlerweile, da bin ich auch froh drüber.

Ich meine, wir haben nun zwei Kids, Johannes hat zwei Kids, Novi ist der coolste Onkel der Welt. Und es ist auch, es lebt auch viel von dem Verständnis, was wir gegenseitig füreinander haben. Novi ist super cool, wenn wir sagen, du, heute Termin, es ist heute echt, und du, ich habe heute hier aus der Kita und dann aus der Schule und pass mal auf, da ist, oh, hier. Und wiederum verstehen wir es total gut, wenn er sagt, du, ich bin jetzt die ganze Woche leider noch.

Matze Hielscher01:48:48

In Japan.

Stefanie Kloß01:48:49

Ja, oder so. Weißt du, wie ich das meine? Ich glaube, das Verständnis füreinander ist wahnsinnig wichtig, damit sowas funktioniert. Und deine Frage zielte natürlich auf die Beziehung ab, wie sowas gut funktioniert innerhalb der Band. Es ist dann natürlich auch noch die familiäre Verbindung, dass Johannes der Bruder von Thomas ist und wir da eh auch viel miteinander zu tun haben und viele Parallelen haben.

Matze Hielscher01:49:15

Man sieht euch auch ganz oft zusammen. Also es ist auch, wenn man euch, also wir treffen uns ja in verschiedenen.

Stefanie Kloß01:49:22

Settings.

Matze Hielscher01:49:22

Settings und diese Settings sind eigentlich, also ihr drei.

Stefanie Kloß01:49:26

Sehr oft.

Matze Hielscher01:49:27

Ja, ob das Konzert ist oder wo auch immer. Es ist irgendwie total schön auch, also weil sich, glaube ich, auch viele Menschen genau das wünschen, irgendwie so eine Gang zu haben.

Stefanie Kloß01:49:35

Ja.

Matze Hielscher01:49:36

Das ist ja Familie und Gang, das ist Kollege, das ist Liebe, das ist ja ganz viel so zusammen. Und dass sich zwei Brüder so gut verstehen und dass sich, also ja, ihr seid ja irgendwie so ein Haufen.

Stefanie Kloß01:49:50

Ja, also es ist.

Matze Hielscher01:49:51

Schöner Haufen, also hört sich so komisch an.

Stefanie Kloß01:49:53

Total schön und das Wort Gang ist eigentlich das, was es trifft. Man ist so ein natürlicher Lebensraum, der sich einfach sein lässt, sich gegenseitig sein lässt, wie er ist.

Matze Hielscher01:50:06

Das heißt, ihr doktert nicht ineinander rum.

Stefanie Kloß01:50:08

Ich bin auf dem guten Weg dahin, nicht an irgendetwas rumzudoktern. Aber ich habe ja für mich selber mir den Freiraum gelassen zu sagen, ich muss noch nicht bei all meinen Fragen, die ich mir jetzt gestellt habe in den letzten zwei Jahren, ich muss noch nicht überall ankommen. Aber ich finde, es ist ja schon mal gut, das zu sehen, dass zum Beispiel ein Punkt ist und wichtig ist, den anderen so sein zu lassen. Und dass, wenn ich zum Beispiel jetzt ein Problem mit Novi habe, dann ist das ja nicht, weil Novi doof ist, sondern weil ich gerade, ich muss mich dann in dem Moment ändern und muss gucken, warum ist das denn so?

Bin ich gerade vielleicht unzufrieden mit mir und deswegen fühle ich mich getriggert durch irgendwas? Und das lässt dann den anderen auch nochmal in einem ganz anderen Licht vor einem selber erscheinen und nimmt einen selber auch noch ein bisschen mehr in die Pflicht. Und es ist so schön gesagt, bei euch funktioniert das alles, aber es ist auch harte Arbeit von jedem von uns, immer wieder auch ehrlich miteinander zu sein, wenn was nicht funktioniert. Und ich bin Königin darin, Sachen nicht anzusprechen.

Matze Hielscher01:51:13

Du bist Königin darin, Sachen nicht anzusprechen.

Stefanie Kloß01:51:15

Ja, und mir die rosarote Brille aufzusetzen. Und wenn es nicht sein muss.

Matze Hielscher01:51:20

Aber man sieht es dir doch an.

Stefanie Kloß01:51:22

Ja, also wenn was unvermeidlich ist, dann ist es natürlich, dann wird es natürlich rausgehauen, ist klar. Aber wenn Dinge, weißt du, wenn das so ein bisschen so ein Mittelding ist zwischen, ich müsste eigentlich mal, mich stört es eigentlich schon lange, dann rege ich mich erstmal innerlich ein paar Monate darüber auf, bevor ich das dann, aber ich bin, wie gesagt, schon besser geworden. Gerade bei so einem intensiven Ding, wie wir es als Band haben und was jetzt auch schon so lange so läuft, ist es umso wichtiger, dass man gegenseitig auf den Tisch legt, pass auf, ich habe die und die Wünsche, das und das wollte ich schon immer mal machen oder pass auf, das und das, das liegt mir eigentlich ganz schön auf dem Herzen.

Das verletzt mich jedes Mal wieder, wenn du das sagst oder machst, weil sonst kommst du in so einen Zirkel rein, wo du dann am Ende halt doch sagst, ey, sorry, lass uns das mal lieber lassen. Und ich glaube, das zu erkennen, vielleicht ist das Geheimnis, ist auch Quatsch und Rezept gibt es ja jetzt auch nicht. Aber vielleicht ist das aber ein guter Ratschlag an uns selbst, da versuch so offen zu sein, wie es geht und dem anderen die Chance zu geben, darauf zu reagieren oder das mit dir zusammen anzugehen.

Matze Hielscher01:52:37

Was musstet ihr neu verhandeln intern, auch mit dem, mit Mutter werden, mit, also das verändert ja das Gefühl in so einer Band komplett auch.

Stefanie Kloß01:52:51

Ja.

Matze Hielscher01:52:53

Vielleicht auch sogar als Paar. Also es ist ja eigentlich, geht ja alles ineinander über.

Stefanie Kloß01:52:57

Also es ist viel Orga-Kram tatsächlich und einfach ein bisschen Koordination. So zum Leidwesen von Novi, glaube ich, weil man muss ein bisschen mehr dann doch auf den Kalender gucken und dann vielleicht doch ein paar mehr Termine eintragen, einfach um freie Zeiträume klar abzustecken. Wir haben uns irgendwann, glaube ich, ausgemacht, dass wir wirklich Sperrtermine eintragen, einfach, wo jeder nicht kann. So das ist dann sowas wie die Kindergeburtstage, Einschulung, möchte man ja da sein.

Matze Hielscher01:53:26

Wäre schon besser, ja.

Stefanie Kloß01:53:29

Sowas, dass man wirklich Sachen reinschreibt, wo man einfach nicht da ist. Und auch vielleicht mal Zeiträume sich reinschreibt, du, das Wochenende, sorry. Und haben uns aber ausgemacht, wenn dann halt jetzt die krasseste Anfrage reinkommt deines Lebens.

Matze Hielscher01:53:46

Welche wäre das?

Stefanie Kloß01:53:48

Micha doch mal sagt, wollen wir das nicht mal besprechen, kurz.

Matze Hielscher01:53:51

Welche wäre das?

Stefanie Kloß01:53:53

Podcast bei Marce Hilscher zum Beispiel. Das wir das dann wenigstens mal kurz besprechen, bevor wir das komplett weghauen.

Matze Hielscher01:53:59

Ja. Welche wäre das sonst noch? Naja, ich frage das auch, ich meine das ganz ernst, weil das so, man könnte ja jetzt so meinen, ja, was soll denn da bei euch jetzt noch für eine Anfrage kommen, wo ihr denkt, naja, okay, das muss jetzt sein.

Stefanie Kloß01:54:16

Naja, also zum Beispiel schon alleine die Entscheidung, machen wir 25 Jahre Silbermond? Wollen wir da was machen? Und da war ich gerade schwanger und wir wussten ja, okay, wir können an diesem Datum, können wir jetzt nicht rumdoktern, wir können das jetzt ja nicht mal, komm, können wir da nicht noch die Bandgeschichte mal noch ein Jahr nach hinten schieben? Geht ja nicht. Und dann saßen wir zusammen und ich habe gesagt, ey, es sind 25 Jahre Bandgeschichte.

Es hat so viel Leidenschaft und so viel Herzblut, so viel Kraft, auch Kämpfe gekostet, dass wir jetzt hier trotzdem noch stehen und diese Band sind und dass immer noch Leute kommen, mit uns diese Musik hören und machen und feiern. Das ist so kostbar. Habe ich dann auch so zu mir in diesem Zustand gesagt, ich möchte nicht, dass wir das verpassen.

Matze Hielscher01:55:15

Ja.

Stefanie Kloß01:55:16

So. Ich möchte, dass wir uns dafür Zeit nehmen und dass wir das feiern. Und das war schon auch eine große Orga-Kiste, weil man ja da auch in was reingeplant hat, wo man ja nicht wusste, wie wird das jetzt alles werden. Wie geht es mir jetzt zum Beispiel? Schon, geht es mir jetzt gut oder brauche ich ein bisschen länger vielleicht für mich oder für die neue Familienkonstellation oder so. Und ich habe da aber intuitiv darauf vertraut und die anderen auch.

Und da verändern sich aber schon auch Prozesse und Absprachen zwischen uns und jetzt auch die neue Probensituation, wenn wir uns dann darauf vorbereiten. Das wird schon noch eine andere Kiste. So, wann möchte ich zu Hause sein? Wann ist hier, wo, was, wie? Kind eins, Kind zwei, dann noch die anderen, Johannes auch noch und hier, weißt du? Und Novi mittendrin.

Matze Hielscher01:56:10

Wie wollt ihr, dass eure Kinder mal darauf zurückschauen, auf diese Zeit? Also die sind ja, also von einem weiß ich ja, das muss ja auch mitkommen.

Stefanie Kloß01:56:21

Ja.

Matze Hielscher01:56:21

Schon so. Und welche Gedanken macht ihr euch darüber? Das ist ja auch ein ganz anderes Leben als du und ich, wie wir aufgewachsen sind. Also auch eine ganz andere Art von, was bedeutet es, Abendbrot zu essen, wo man ist und so. Also sind ja alles völlig, ist ja was anderes.

Stefanie Kloß01:56:41

Da kam jetzt mal nach Hause, meinte, wir mussten heute in der Schule sagen, was unsere Eltern arbeiten. Da habe ich gesagt, was hast du denn gesagt? Da hat er gesagt, naja, Gitarrist und Sängerin. Und dann habe ich gesagt, ja, ist okay. Das ist super. Das ist gut. Und wir reden auch sehr, sehr viel darüber, dass das nichts Besonderes ist. Der wird natürlich konfrontiert auch damit, dass vielleicht der eine oder andere mich schon mal im Fernsehen gesehen hat oder bei The Voice Kids und ich habe deine Mama da gesehen und hier und da.

Und einmal war ich auch im Schulhof, da hat mich ein Mädchen gefragt, bist du berühmt? Und ich war so überfordert. Ich so, naja, das kommt darauf an, wie man es sieht. Also sowas von unsouverän geantwortet. Das war eine ganz normale Frage. Ich hätte ja irgendwas ganz Normales antworten können. Und ich war total überfordert damit. Und ich fände es einfach schön, wenn bei unseren Kids am Ende bleibt, dass wir genug da waren für sie und dass sie immer das Gefühl hatten, dass sie alles sagen konnten, dass sie alles fragen konnten, dass sie eine schöne Kindheit hatten.

Das fände ich schön, wenn sie das irgendwann sagen, wenn sie so alt sind wie ich.

Matze Hielscher01:57:55

Dass sie sagen, befriedigend.

Stefanie Kloß01:57:57

Dass sie sagen, gutes Mittelfeld.

Matze Hielscher01:58:00

Gutes Mittelfeld.

Stefanie Kloß01:58:02

Jeder braucht ein gutes Mittelfeld.

Matze Hielscher01:58:04

Befriedigend. Oh Gott. Und dass die Therapiekosten nicht so hoch sein werden.

Stefanie Kloß01:58:10

Genau.

Matze Hielscher01:58:10

Ja, das wäre schon.

Stefanie Kloß01:58:12

Das wäre toll.

Matze Hielscher01:58:12

Das wäre wirklich toll. Wir haben uns mal nach Aki Bosse, der hat gespielt, da haben wir uns länger unterhalten. Und dann hast du etwas so fallen lassen, was mir seitdem irgendwie auch immer wieder im Kopf geblieben ist. Du sagtest, dass du anders angeguckt wirst. Dass du, seitdem du älter wirst, dass die Leute, dass du merkst, dass, wenn es so in Fernsehsituationen sind, dass du einfach anders angeguckt wirst und dass du das merkst, dass du anders angeguckt wirst.

Und das fand ich insofern bemerkenswert, weil ich diese Erfahrung, ich bin ein Ticken älter als du, ich bin nicht so oft im Fernsehen wie du, um Gottes Willen, aber ich merke kein anderes Ansehen, keinen anderen Blick. Ich kenne das nicht. Ich kenne es natürlich von Stefanie auch, meiner Frau, so ein bisschen. Also an welchem Moment merkt man, dass sich da was verändert? Weil auch als Sängerin einer Band, du bist Projektionsfläche, du wirst angehimmelt, du wirst auch für Dinge angehimmelt, die du gar nicht bist.

Du wirst aber auch genau das Gegenteil für Dinge, die du gar nicht bist oder bist. Also es sind ja, man hat ja sowieso die ganze Zeit mit Blicken von außen zu tun in so einer exponierten Position. Aber meistens ist es ja dann doch so, dass in dieser Branche einen alle so lange, ziemlich lange so das Gefühl ist, super, ist ganz toll, siehst toll aus. Und ich habe mich dann, deswegen ist mir das auch so hängen geblieben, glaube ich, also das ist ja dann schon schräg, wenn du dann merkst, dass die eigentlich, die dann auch gerne, oh toll, super.

Wenn du merkst, es verändert sich da irgendwas. Wie verändert sich dann auch der eigene Blick?

Stefanie Kloß02:00:00

Ich werde ja immer die Jüngste in der Band bleiben.

Matze Hielscher02:00:03

Glückwunsch.

Stefanie Kloß02:00:04

Das ist super, ne? Das ist Erkenntnis Nummer eins, was mir wahnsinnig hilft beim Älterwerden.

Matze Hielscher02:00:09

Die anderen sind älter.

Stefanie Kloß02:00:10

Ich bin immer das Küken in der Band. Das finde ich gut. Und bei uns zu Hause am Kühlschrank hängt ein Bild, das hat mir ein Fan geschenkt und das habe ich mitgenommen, das Foto und habe es an den Kühlschrank gehangen. Sehr selten mache ich sowas. Und da ist oben ein Bild von uns, das eine, was du auch hier hattest, wo ich dieses rote Oberteil an habe, wo du gesagt hast, dieser Seitenscheitel, die braunen Haare. Und dann, 20 Jahre später, wir. Aber auch dieselbe Aufstellung, dieselbe Konstellation, so irgendwie ganz witzig.

Und ich gucke jeden Tag auf dieses Bild und denke so, da liegen 20 Jahre dazwischen, aber ich fühle mich immer noch genauso wie auf diesem Bild. Ich habe das Gefühl, ich bin gar nicht, ich bin immer noch die Steff so. Da liegt gar nichts dazwischen. Das ist ganz komisch. In unserem Kosmos-Band bin ich immer noch genau die Gleiche. Was total verrückt ist. Aber weil du SB96 angesprochen hast, Novi hat dazu ja ein ganz tolles Video gemacht. Es gibt ja zwei Videos von B96 und das eine hat Novi gedreht.

Da bin nur ich zu sehen, nur mein Gesicht zu sehen. Und das war das erste Mal, wo ich dann auch wieder nach einer langen Phase und nach einer auch nicht so leichten Zeit, die wir da hatten, mich wieder sehr nah gesehen habe. Und habe so die ersten Falten gesehen, so um die Augen. So Lachfalten. Und sage so zu Novi, du guck mal, man sieht doch da die Falten. Und dann sagt er, ja und? Ich so, naja, sieht das nicht? Aber er meinte so, ja und?

Sag ich so, ja, eigentlich hat er recht. So, gut. Das war der erste kleine Moment, wo ich das nur realisiert habe. So, okay, wir haben jetzt so die erste schwierige Phase auch in der Bandgeschichte gehabt, deswegen wir dann auch leichtes Gepäck geschrieben haben. Wir hatten uns da zu der Zeit von unserem Umfeld getrennt. Dann dachte ich so, okay, vielleicht ist das auch wirklich okay, dass man das Leben im Gesicht auch sieht. Sowohl die Lachfalten als vielleicht auch die Falten, die kamen, als es ernster wurde.

Und dann war eine witzige Situation bei The Voice of Germany, macht man ja oft Aufsager und so. Und dann hat mir unser Make-up-Artist gesagt, weil er stand hinter einer Kamera ein bisschen weiter weg und hat gehört, wie jemand gesagt hat, mich in der Kamera wohl sehend, weit von mir weg, gesagt hat, boah, guck dir mal das Gesicht an, was ist dort wohl gemacht? Und ich musste so lachen in dem Moment darüber, weil, also du würdest schmunzeln über mich. Es gibt ja so einfach nur Gesichtsbehandlungen, wo man einfach nur cremt und eincremt und massiert und selbst das mache ich ungern, weil ich dann denke, es könnte sich irgendwas verändern.

Also ich bin ja sowas von, hätte so Schiss vor sowas irgendwas machen zu lassen, dass ich den Spruch so geil fand. Was hat sie denn wohl machen lassen? Und ich finde diese Entwicklung dahin, wie sehr Aussehen auch von Frauen bewertet wird, wie das Älterwerden bewertet wird. Und ich nehme da nicht aus, dass auch Männer bewertet werden. Und ich glaube auch, dass vielleicht Novi, Thomas und Johannes da auch ihre Themen haben und vielleicht auch das Gefühl haben, dass sie bewertet werden. Oder kriegst du jetzt graue Haare oder hast dies oder das.

Aber ich verspüre, dass auf uns Frauen schon ein immenser Druck herrscht. Wenn Männer älter werden, ist es eher der George-Clooney-Effekt. Wenn Frauen älter werden, ist es so.

Matze Hielscher02:03:40

Eine Bekannte sagte neulich, es wird nicht darüber geredet, wenn Männer Glatzen haben.

Stefanie Kloß02:03:45

Ja.

Matze Hielscher02:03:46

Oder schönes Haar, aber weniger.

Stefanie Kloß02:03:48

Ja, weniger. Aber weißt du, auch so ein Spruch ist, wie lange wirst du das mit dem Stage Diving noch machen? Ich so, was genau willst du mir sagen, weil ich jetzt schwer, also gewichtstechnisch jetzt oder weil man das jetzt nicht mehr macht, wenn man 40 geworden ist. Solche Sachen, wo ich mich dann frage, okay, wie kannst du auf eine Art und Weise in diesem Business älter werden, ohne dass es peinlich ist? Und wie kannst du das einfach so werden, dass du selber irgendwie cool damit bist?

Und dann habe ich versucht, so ein Role Model zu finden oder irgendjemand, an dem ich mich festhalten kann, wo ich sagen kann, ah, das ist irgendwie nice. Und dann war ich letztes Jahr auf dem Elenis Morissette Konzert. Mein großes Idol, seitdem ich 14 war, war das so mein Orientierungspunkt. Und dann waren wir da beim Konzert und ich sag so, guck doch, das ist doch genau, guck mal, die ist über 50 und die ist immer noch auf der Bühne genauso cool wie immer. Und dann fahren wir nach Hause und unser Freund Alex, den kennst du bestimmt auch, der hat dann so, du, Steffen, du siehst schon auch, dass das Gesicht und so hier, dass da keine Falten sind und das und so und hier.

Und ich so, nein, da habe ich es nicht gesehen, das ist nicht, das stimmt nicht. So, und wollte das total überhaupt gar nicht wahrhaben, weil ich dachte, es muss doch, nee, wieso? Und dann gucke ich aber auf so jemanden wie Anke Engelte, wo ich denke, Anke ist cool, die ist so, wie sie ist und die wird auch älter, aber was nicht wichtig ist, ist das Älterwerden, sondern wichtig ist doch, wer du dabei bist und wer du wirst.

Und Aussehen ist doch natürlich in unserer Branche auch was, was, ich will nicht sagen wichtig ist, aber es ist ja ein Bestandteil, der da ist. Oder ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. Aber ich würde mir da ein bisschen mehr Gelassenheit wünschen, dass das einfach seinen Gang gehen kann. So würde mein Opa jetzt sagen, lass es doch seinen Gang gehen.

Matze Hielscher02:06:02

Und bist du schon gut darin, das seinen Gang gehen zu lassen?

Stefanie Kloß02:06:05

Ich versuche mich davon zu befreien, mich die ganze Zeit zu fragen, was wird von mir erwartet? Wie soll ich denn jetzt eigentlich sein als 42-Jährige? Was darf ich denn, was darf ich nicht? Welche Hose ist zu jugendlich? Welches Cap ist zu, weiß ich nicht. Oder was ist zu oldschool? Ich versuche, einen Weg zu finden, da bei mir zu bleiben, aber merke, dass ich immer mal wieder von meiner Matte runterrutsche und das große Problem habe, mich immer zu vergleichen.

Und da versuche ich, von wegzukommen, weniger Instagram.

Matze Hielscher02:06:45

Mit wem vergleichst du dich dann?

Stefanie Kloß02:06:49

Natürlich hauptsächlich mit anderen Frauen. Eigentlich vergleiche ich mich mit allem und jedem. Keine Ahnung. Also dieses, was kann der, was ich nicht kann. Selbst wenn ich Sport mache, frage ich meinen Trainer. Also hast du auch andere Frauen, mit denen du trainierst und können die auch so viele Liegestütze? Und das ist so absurd, weil es bringt dir ja gar nichts, dich mit etwas zu vergleichen, weil das bringt dich ja gar nicht weiter. Was würde mir das jetzt bringen, wenn du mir jetzt erzählst, dass deine Frau 15 Liegestütze kann?

Matze Hielscher02:07:23

Nein, die kann 16.

Stefanie Kloß02:07:24

Die kann 16, genau. Und ich würde jetzt feststellen, ich kann aber nur 14. Weißt du, ich kenne zum Beispiel ihre körperliche Geschichte nicht, ich kenne ihre Krankheitsgeschichte nicht, ich kenne ihre Körperlichkeit nicht. Vielleicht, weißt du, jeder hat doch unterschiedliche Parameter, warum er Dinge kann oder nicht kann. Das ist ja kein Gradmesser für dich, ob du gut oder schlecht bist. Weißt du?

Matze Hielscher02:07:44

Aber diese Information hilft uns trotzdem nicht. Es ist so interessant. Also man weiß, es ist ja völlig, also alle, die das jetzt hören, sagen, ja, ja, ja, stimmt, stimmt, stimmt, stimmt. Und trotzdem ist es genau dann Abend oder wann auch immer, guckt man wieder nach und vergisst eigentlich auch, das hilft mir immer, dass ich denke, also wenn ich mich vergleiche, dann aber bitte mit allem. Allem, was die Person hat. Und dann kommt ja ganz schnell, ja gut, aber nee, das will ich ja überhaupt nicht.

Also weil man sich ja dann immer nur die Liegestütze raussucht, aber vergisst, dass die Person einfach nichts anderes macht, außer Sport und gar keine Freunde hat oder sowas.

Stefanie Kloß02:08:24

Ja, oder hat der jetzt graue Haare oder nicht? Oder ich weiß nicht. Und die einzige Feststellung ist, einem geht es immer danach schlechter. Und warum sollte man das machen? Es bringt dich ja null weiter. Und ich habe irgendwann mal, das ist auch schon lange her, das war bevor wir leichtes Gepäck geschrieben haben, war ich bei so einem Retreat. Hat mich eine Freundin, hat gesagt, komm, wir fahren mal so ein, da war ich noch gar nicht so auf Yoga und irgendwas. Und meine Koffer waren weg am Flughafen und ich saß da in diesem Frauenretreat ohne Klamotten, ohne nix.

Ich hatte nur meine Brille, ich hatte noch nicht mal meine Kontaktlinsen dabei. Da saß ich da jetzt in diesem Retreat und habe festgestellt, gut, ich habe jetzt eh nix, wo ich mich jetzt, bin jetzt praktisch auf null hier, so reset. Und da hat mir eine Lehrerin gesagt, weil ich während der Übung habe ich immer auf die anderen geguckt, wie die das so machen und so. Und sie meinte so, Steff, bleib auf deiner Matte. Es ist dein Leben, es ist deine Geschichte. Bleib bei dir.

Und je mehr du bei dir bleibst, desto mehr kannst du deine Ruhe auch finden. Und ich glaube, uns alle macht es wahnsinnig unruhig, auf Instagram zu sein und zu scrollen und zum nächsten. Und der sieht so aus und der hat die Klamotte und der hat gerade den Auftritt und der macht das gerade so und der macht die Veröffentlichung und der hat jetzt wieder das. Bringt uns nicht weiter. Aber die Erkenntnis zu haben, ist gut, das umzusetzen.

Ich arbeite daran.

Matze Hielscher02:10:04

Welche Erwartung willst du nicht mehr erfüllen?

Stefanie Kloß02:10:06

Ich will immer gerne allen gefallen. Ich fände es super, wenn alle sagen, boah, Silbermond, das ist eine Top-Band, du. Die, guck mal, die ohne lange Geschichte, krass, haben wir Respekt vor. Oder die Stefanie, die, toll, was die immer so sagt. Ich habe mal gelesen, das fand ich eigentlich ganz witzig, hör auf zu versuchen, dass dich jeder leiden kann, weil du kannst ja auch nicht jeden leiden.

Und ein bisschen Wahrheit ist da ja auch drin. Es ist völlig okay. Weißt du, das ist ein bisschen wie mit Bildern an der Wand, weil wir hier über dein Bild geredet haben, was hier hängt. Die einen mögen sowas und die anderen hängen sich halt ein Stillleben mit einer Vase und einer Blume drin hin, weil sie das beruhigend und schön finden. Und nur weil es unterschiedlich ist, muss es ja nicht heißen, dass das besser oder schlechter ist. Und die Erwartungen von anderen zu erfüllen, ist irgendwie so ein Fass ohne Boden.

Und ich habe zumindest jetzt in den letzten zwei Jahren so für mich versucht, mir immer den Satz zu sagen, guck doch erst mal, was wichtig ist und wer und was dich wirklich braucht und was von diesen Dingen, auch von den Erwartungen oder so, was entspannt in den Lücken Platz hat. Und so versuche ich mich irgendwie von dem Wichtigsten, mich auf das Wichtigste zu konzentrieren und dann erst das zuzulassen, was mich vielleicht sonst mehr beschäftigt hätte.

Matze Hielscher02:11:44

Was meinst du mit den Lücken?

Stefanie Kloß02:11:46

Wenn ich zum Beispiel sage, du pass auf, meine Priorität ist heute, dass ich hier bei dir im Interview sitze. Und dann brauche ich mich aber heute nicht noch mit dem kleinen Kram dazwischen beschäftigen. Das schiebe ich jetzt erst mal zur Seite und das kann irgendwo beiläufig passieren. Oder auf die Familie übersetzt, das Wichtigste ist gerade, dass ich meine neue Familienkonstellation, dass ich da gut reinkomme, dass es mir dabei gut geht. Und dann gucke ich, bei der Restenergie, die dann übrig bleibt, gucke ich, was ich dann noch, was ich entspannt dazwischen entwickeln kann, was ich vielleicht schon mal für Termine machen kann oder nicht, ob wir vielleicht schon mal einen Proberaum fahren oder nicht, ob wir vielleicht schon mal ein Lied schreiben oder nicht.

Aber klar ist die Prio und der Rest ordnet sich so ein bisschen unter.

Matze Hielscher02:12:36

Und gibt es eine bestimmte Erwartung, die dir dein ganzes Leben immer wieder begegnet ist, wo du sagst, nee, da ist jetzt immerhin nicht mehr mit?

Stefanie Kloß02:12:47

Ich versuche mich ein bisschen davon frei zu machen, dass ich die Verantwortung für die ganze Band habe. Das ist ja auch der Grund, warum ich so wenige Dinge alleine mache, weil ich das Gefühl habe, wenn ich das Interview jetzt zum Beispiel mit dir, sowas von verrocke. Und jetzt hier irgendwas, es fällt ja alles auf die Jungs zurück, gefühlt. Auch wenn ich ja jetzt hier sitze und nur für mich spreche, aber ich habe immer das Gefühl, dass ich auch für uns spreche, weil ich natürlich Teil dieser Band bin und ja eigentlich auch nur hier sitze durch Silbermond. Es ist schön, dass auch dein Johannes sagt, ey komm, freu dich doch einfach, ey wir kennen Matze schon so lange, geh doch dahin und unterhaltet euch, quatscht einfach so, wie ihr euch sonst ja auch auf der Straße trefft.

Und sprecht doch für dich. Und es gibt nichts, wo wir dann danach sagen, Gott des Willen, was hast du denn da erzählt? Sondern wir kennen dich doch, wir wissen, wie du bist. Sei einfach, wie du bist und was soll da passieren? Und haben eben mir auch den Druck genommen, auch gesagt, du musst nicht für uns sprechen, wir können schon für uns alleine reden. Sondern sei doch einfach nur du. Sprich für dich und das ist gut. Du musst dir nicht noch auch den Druck aufladen, was wir dann eventuell sagen, wenn du das und das erzählst.

Und diese Verantwortung und diesen Druck habe ich sehr viele Jahre sehr doll mit mir getragen. Und das hat mich auch hier und da manchmal mehr unruhig gemacht. Cool. Hauptsache, dass bei "The Voice of Job" oder bei "Sing meinen Song" bin ich ja auch die Vertreterin der Band gewesen. Dann will ich meine Sache immer besonders gut machen. Und manchmal verliere ich dann dabei aber auch meine Lockerheit und diese innere Entspanntheit, weil ich vielleicht Angst habe, was falsch zu machen oder die Jungs zu enttäuschen.

Und da versuche ich einfach, ja, du merkst bei allem, was ich heute sage, das Leben ist ein ewiges Werden. Älter werden, schlauer werden, erwachsen werden.

Matze Hielscher02:14:51

Bist du erwachsen?

Stefanie Kloß02:14:54

Ach, wir sind doch alle noch nicht richtig erwachsen, oder? Irgendwas. Also schon erwachsen, aber es gibt doch so viel in uns, wo wir davor wegrennen, erwachsen sein zu wollen. Klar bin ich erwachsen. Ich bin Mutter, ich muss ja irgendwie hier das Ding zusammenhalten. Aber nee, ich hoffe sehr, dass wir alle das Kind noch in uns haben, was wir nicht verlieren. Und dass wir immer noch fähig sind, uns auch in die Augen der Kinder zurückzuversetzen.

Wie ist das jetzt? Wie ist das jetzt für die und wie schön ist es, die Welt zu entdecken, wie ehrlich Kids auch sind und so. Ich glaube, die lernen da jeden Tag immer wieder aufs Neue, auch unvoreingenommen, in die Welt zu gucken. Das kommt uns, glaube ich, echt oft abhanden durch unsere Erfahrungen, durch die Guten, durch die Schlechten, dass wir Dinge immer sofort bewerten. Und es ist auch schwer, es ist auch okay. Aber wenn man es hier und da schafft, dass einem das nicht passiert, finde ich gut.

Matze Hielscher02:16:01

Wann werdet ihr nächstes Jahr auftreten? Weißt du das?

Stefanie Kloß02:16:05

Im Juni. Das sind die einzigen Termine, deswegen. Es sind nur zwei Termine. Nur zwei, ey. Das ist absurd.

Matze Hielscher02:16:12

Das sind super große Konzerte.

Stefanie Kloß02:16:14

Am 19. Juni und am 20., ja.

Matze Hielscher02:16:16

In Dresden.

Stefanie Kloß02:16:16

Ja.

Matze Hielscher02:16:17

Ich habe noch ein letztes Foto. Guck mal. Das ist ein Foto von eurem letzten Konzert. Und ich finde das so ein schönes Bild, weil du strahlst über, also wirklich alles, was strahlen kann an einem Menschen, strahlt auf diesem Bild. Und jetzt hast du ja aber diese Pause. Gibt es etwas, was du sagst, wenn du dann wieder auf die Bühne gehst im Juni, das nehme ich nicht mehr mit? Also nicht im Sinne von, das war schlecht oder so, sondern einfach, dem bin ich entwachsen.

Stefanie Kloß02:16:46

Ich weiß nicht, ob ich dir da jetzt schon eine Antwort darauf geben kann. Aber wenn ich das Bild hier sehe, dann strahle ich sofort, genauso wie ich auf dem Bild strahle, weil ich das natürlich vermisst habe auch. Und weil es, auch wenn es nicht die komplette Essenz von mir ist und da noch ganz, ganz viele andere Facetten von mir sind, ist aber die Person auf der Bühne und der Teil von mir natürlich einer, der mir natürlich gefehlt hat.

Und gerade nächstes Jahr, weißt du, es ist so verrückt, vor 25 Jahren standen noch nicht mal 25 Leute vor der Bühne, als wir in Dresden gespielt haben. Jetzt sind es 25.000 und das sogar zweimal. Und es ist, das ist einfach nicht zu glauben, dass nach so vielen Jahren da wirklich Leute kommen, die mit uns diese Zeitreise antreten und da auf diese Jahre zurückgucken.

Denn genau die Menschen, die uns da begleitet haben, die bringen ja ihre Geschichten mit und gucken da mit uns zusammen zurück. Und du hast es schon gesagt, so viele Bands haben es nicht geschafft. Und die gibt es heute nicht mehr.

Matze Hielscher02:18:02

Es gibt im Grunde, also kurze Pause, es gibt kaum noch eine. Also von denen damals, als wir so zusammen Musik gemacht haben, die meisten haben aufgehört oder spielen jetzt auch wirklich, und das ist ja auch nicht schlimm, von 25.000 kann da gar nicht die Rede sein.

Stefanie Kloß02:18:20

Ja, und deswegen, ich habe da einen großen Respekt davor, nächstes Jahr da auf diese Bühne zu gehen. Immer mit diesem bisschen so, Gott, können wir das eigentlich noch? Und auf der anderen Seite so, ey komm, lass uns den Spaß unseres Lebens haben. Und lass uns alle Leute umarmen und mitnehmen, die uns die letzten 25 Jahre begleitet haben. Oder selbst wenn sie jetzt auch erst dazu kommen und einfach vorbeikommen wollen, dann kommt vorbei, weil das wird nur einmal aller 25 Jahre passieren.

Und wir sind einfach wirklich aus tiefstem Herzen dankbar, dass wir das in diesen Zeiten noch, nach all den Jahren, dass da noch Leute so mit uns sind und uns auch so viele Leute bis hierher geholfen haben in unserem Team, in unserem engsten Umfeld, in unserer Familie, von unseren Freunden. Da kann sich das Dresdner Stadion warm anziehen.

Matze Hielscher02:19:16

Und du dich auch.

Stefanie Kloß02:19:17

Und ich mich auch, genau.

Matze Hielscher02:19:19

Man merkt, dass du wirklich in so einem Prozess, also dass du so mittendrin steckst. Was passiert hier eigentlich gerade? So richtig, das ist spannend.

Stefanie Kloß02:19:27

Ja, ich merke halt jetzt, wie viele Fragen ich mir vorher noch nicht gestellt habe. Weil wir immer zu tun hatten. Immer unterwegs waren und die Band immer da war. Und jetzt fange ich an, mir diese Fragen zu stellen. Und mir geht es nicht unbedingt schlecht damit. Weil die Erkenntnis, dass man da immer auf dem Weg ist, sich diese Fragen zu stellen und sich auch selber die Freiheit zu geben, die auch zu justieren, weißt du?

Ich finde es auch okay, wenn ich heute im Gespräch zu dir das sage und dann nächstes Jahr aber sage, du, letztes Jahr habe ich das noch so und so gesehen. Jetzt habe ich aber nochmal, das war ein Prozess und jetzt habe ich das nochmal justiert und jetzt sehe ich das eher so. Und das finde ich schön. Ich hatte Angst davor, mich diesem Ding zu stellen, weil ich dachte, da bleibt nichts, wenn ich da ohne Band bin. Aber bin jetzt froh und wechsle vielleicht nach dem heutigen Tag nicht mehr die Straßenseite, wenn ich mich irgendwie unsicher fühle.

Matze Hielscher02:20:36

Man kann manchmal die Straßenseite wechseln. Das ist auch eine gute Idee, finde ich. Also auf jeden Fall auch gerade in Berlin. Aber ich finde es auch schön, wenn man, und auch selbst wenn man Angst hat, trotzdem dann durchgeht, wie diese andere Band aus dem Osten durch den Monsun.

Stefanie Kloß02:20:56

Richtig.

Matze Hielscher02:20:58

Sozusagen ein bisschen. Ich habe mich gerade gefragt, ob du diejenige vielleicht sogar sein wirst, die sagt, nee, lass uns die Pause noch einen Ticken länger machen. Ich brauche noch einen Moment. Ich habe die, ich will noch ein paar Fragen. So richtig fertig bin ich noch nicht. Ich habe gerade gedacht, es könnte das erste Mal sein, dass das möglich wäre. Das wäre schon ungewöhnlich.

Stefanie Kloß02:21:21

Das wäre tatsächlich ungewöhnlich, dass ich die bin. Aber vielleicht kann es ja auch gleichzeitig stattfinden. Und vielleicht darf ja auch die Bandgeschichte weiter passieren, während Stefanie weiter passiert. Weißt du? Ich glaube, eine gewisse Gleichzeitigkeit von Dingen, das ist eh, glaube ich, die neue Welt. Und vielleicht ist das auch okay.

Aber ich glaube, dass es in Zukunft auf jeden Fall öfter passiert oder dass ich mir zumindest vorgenommen habe, dass es muss ja nicht immer gleich eine große Pause sein. Sondern vielleicht tun wir auch alle gut daran, uns immer mal wieder kleine Inseln, so wie du das jedes Mal im Januar machst. Dass man sich diese kleinen Inseln sucht, um sich kurz zu resetten, damit man eben nicht irgendwann zwei, drei Jahre braucht oder zehn. Sondern vielleicht ist es gut, sich die kleinen Inseln zu suchen.

Matze Hielscher02:22:21

Die Mini-Rente nenne ich es immer.

Stefanie Kloß02:22:23

Die Mini-Rente?

Matze Hielscher02:22:23

Ja.

Stefanie Kloß02:22:25

Ist auch gut.

Matze Hielscher02:22:26

Wenn man dann so, man denkt immer so, also wir sind ja aufgewachsen mit so einem Rentenversprechen. Also was für uns natürlich völlig, aber ich kenne das auch von meinen Eltern, man schiebt dann alles auf irgendein Rentenalter. Und das Privileg ist dann ja aber zu sagen, komm, wir versuchen mal so eine Mini-Rente jetzt im Januar oder wann auch immer zu machen. Und ihr macht ja jetzt auch gerade eine Mini-Rente im Grunde eigentlich.

Stefanie Kloß02:22:49

Ja, na klar. Wir sind uns da auch total bewusst, dass das nichts Selbstverständliches ist, sich einfach mal zwei Jahre rauszunehmen. Das haben wir ja auch geplant und natürlich bin ich mir da völlig bewusst, dass sich das auch nicht jeder leisten kann und so. Und das haben wir gut vorbereitet und ich bin da sehr froh, dass wir das machen konnten. Aber wenn man eben auch so lange, so durchgehend Gas gibt für sein Baby, dann hat das Baby auch verdient, dass es mal zwei Jahre durchatmen kann.

Und ich freue mich riesig aufs Stadion. Das wird schön, auch jetzt, wo wir nochmal so drüber gesprochen haben, über was da alles seit dem ersten Album passiert ist und dass wir viel jetzt eben immer noch hier stehen.

Matze Hielscher02:23:35

Es ist unglaublich. Es ist wirklich ein Wunder. Also das habe ich die letzten Tage immer wieder gedacht, so in eurer Welt zu sein. Völlig außergewöhnlich und so ein Wunder, es ist so schön, also es braucht ja auch, die Welt braucht ja immer viele Wunder, gerade jetzt. Und dass es dann euch, also ich will jetzt das Bild nicht nochmal rausholen vom Anfang, aber so dieser Truppe da, dass es euch gelungen ist, so lange Zeit zusammen zu bleiben und wo so vieles auseinandergegangen ist auch.

Also so, und alles ist ja jetzt auf Auseinandergehen irgendwie, du sagst gerade Welt der Gleichzeitigkeit, aber auch in diesem, wir leben auch in der Welt des Auseinandergehens. Und deswegen ist so eine Band, also mir geben Bandkonzerte, wenn ich irgendwie Radiohead sehe, dann ist es natürlich schön, bei Olivia Deen zu sein oder so. Aber Radiohead ist auch, wenn ich sehe, wie die so auf der Bühne stehen und dann denke ich, ja, die können sich ja, also die müssen ja auch in Ordnung sein, sonst würden die ja nicht immer noch oder selbst jetzt, ich meine, du bist heute mit No Aziz ja hierhergekommen, dass die wieder zusammenspielen.

Und natürlich wird da auch ordentlich was fließen. Aber trotzdem ist es irgendwie der Moment, wo die beiden auf die Bühne gegangen sind, Arm in Arm. Also es ist doch, und deswegen, ich finde, man hat, also weil wir erst so ein bisschen über Verantwortung gesprochen haben, ich finde auch, dass es eine Art von Verantwortung ist, zu zeigen, guck mal, wir machen das trotzdem zusammen. Und wir sind eine Band, und obwohl ich den anderen manchmal doof finde oder der auch mich, wir gehen hoch und wir spielen und wir machen zwei, zweieinhalb Stunden, spielen wir Songs, die euch auch allen gehören.

So, das ist was, das ist ein großes Wunder. Also deswegen finde ich das super, wie ihr das erhrt, dieses Wunder.

Stefanie Kloß02:25:22

Also weißt du, letztendlich das Schöne an Musik ist ja auch, dass es verbindet, bevor man sich eigentlich unterhalten hat oder miteinander ins Gespräch gekommen ist oder sonst was. Sondern Musik eint wie nichts anderes. Man kann sich einig sein, ohne dass man sich kennt. Und zu wissen als Band, dass man zum Beispiel sowas schenken kann. Wir wissen alle, Musik wird die Welt nicht verändern, aber sie kann uns hier und da das Gefühl geben, dass man mit gewissen Dingen nicht alleine ist.

Und das tröstet mich auch.

Matze Hielscher02:26:02

Liebe Stefanie, ich habe eine letzte Frage. Welche wird diese wohl sein? Ich weiß es nicht. Ich lasse mich jetzt mal von mir selbst überraschen. Stell dir vor, ich habe eine große Plakatwand am Alexanderplatz und du darfst entscheiden, was für alle draufsteht. Was schreibst du drauf?

Stefanie Kloß02:26:19

Nicht so, dass ich nicht weiß, was deine letzte Frage ist. Habe ich lange drüber nachgedacht, was ja auch manchmal schwer ist, wenn das aus dem Zusammenhang gerissen ist. Aber es ist okay, noch nicht so weit zu sein. Man darf sich Zeit lassen für Dinge und man darf für sich selber den Moment abwarten, wenn man so weit ist.

Matze Hielscher02:26:45

Und dann nehmen wir, es ist okay, noch nicht so weit zu sein?

Stefanie Kloß02:26:47

Ja.

Matze Hielscher02:26:47

Den finde ich super. Hat noch niemand drauf geschrieben.

Stefanie Kloß02:26:51

Das ist doch gut.

Matze Hielscher02:26:52

Super. Ey, vielen, vielen herzlichen Dank. Es war wirklich, da benutze ich das Wort Wunder nochmal, wunderschön. Es hat mich total gefreut, dass wir das gemacht haben und uns auch gegenseitig so vertraut haben und auch getraut haben, weil es ist gar nicht so einfach. Also für mich nicht, wenn man so Leute so gut kennt und auch die Temperaturen kennt. Und es ist für mich dann manchmal schwierig, wenn ich so merke, oh, jetzt ist das Mikro an und die Temperatur ändert sich. Und ich fand es total schön, dass deine Temperatur sich überhaupt nicht verändert hat. Und wie uns hier begegnet sind, wie wir uns sonst auch begegnen.

Also vielen, vielen Dank und total schön, dass du da warst.

Stefanie Kloß02:27:26

Es freut mich, danke.

Matze Hielscher02:27:33

Das war Stefanie Kloß. Vielen, vielen herzlichen Dank fürs Zuschauen und auch Zuhören. Was ich aus dieser Folge mitnehme, ist erst einmal die Erkenntnis, dass, wenn ich hier mit Menschen spreche, die ich privat schon so gut kenne, dass diese Gespräche hier dann nochmal viel intimer sein können. Das habe ich hier auch nicht so erwartet in dem Fall. Aber es war nochmal viel näher als die Gespräche, die wir so privat bisher geführt haben. Wahrscheinlich liegt es daran, dass hier alle Türen zu sind, die Rollos sind unten, die Handys liegen draußen und dass es hier so eine intensive Situation ist. Das fand ich irgendwie sehr besonders, ein großes Geschenk, dass wir uns hier nochmal so ganz anders und viel näher gekommen sind, als wir das bisher so kannten, als ich sie bisher so kannte.

Fand ich sehr, sehr schön. Und was ich für mich noch mitgenommen habe, wir befinden uns gerade in einer ähnlichen Situation, würde ich sagen. Es ist total okay, nicht auf alle Fragen direkt eine Antwort zu haben. Und das ist auch okay, dass man nicht alle Fragen beantwortet, sondern auch in den Fragen lebt. Das geht mir gerade genauso. Es gibt auch ein paar Fragen, die mich gerade beschäftigen und ich lebe einfach drin. Ich suche gar nicht so sehr eine Antwort, sondern ich gucke mal, welche Antwort mir das Leben irgendwie so schenkt. Und bei ihr ist es gerade genauso. Das fand ich sehr, sehr schön und da haben wir auf jeden Fall wieder eine Gemeinsamkeit. Ich bin sehr, sehr gespannt, was ihr aus dieser Folge so mitnehmt und wäre auch daran interessiert zu erfahren, welche Fragen ihr euch vielleicht auch gerade stellt.

Schreibt das gerne in die Kommentare. Herzlichen Dank dafür. Abonniert gerne den Kanal. Das hilft mir wirklich ungemein. Wirklich, wirklich, wirklich. Also abonniert den, ist kostenlos und hilft mir, hilft uns. Vielen herzlichen Dank dafür und herzlichen Dank auch an mein Team, an Dominique Dufna für die Redaktion, an Danni Böck für die Produktion und an Mitvergnügen für die Distribution und Vermarktung. Und wenn ihr Lust habt auf eine weitere Folge "Hote Matze", dann möchte ich euch mein Gespräch mit Paula Hartmann empfehlen. Sie ist Sängerin, war hier, glaube ich, vor zwei Jahren zu Gast und steht ganz am Anfang. Und Stefanie Kloß ist ja so, würde ich sagen, steht so in der Halbzeit gerade.

Und ich glaube, das ist ganz schön mal zu hören, wie es so ganz am Anfang ist, wenn das so losgeht. Hört da gerne mal rein. Paula Hartmann im Hotel Matze. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag, eine gute Nacht. Auf bald. Bei Matze.

Beschreibung der Folge

Wir kennen uns seit über zwanzig Jahren und ich habe sie auf der Bühne nie anders erlebt als bei einer Begegnung auf der Straße. Umso mehr hat mich überrascht, wie oft sie an sich zweifelt. Nach ihrer Band- und Babypause ist es ihr erstes öffentliches Gespräch und ich wollte wissen, wie es ihr geht, wenn sie einmal nicht die Sängerin von Silbermond ist. Wir sprechen über Familie, Abschied und das Älterwerden. Und über die zwei Stadionkonzerte in Dresden, mit denen Silbermond 2027 ihr 25-jähriges Jubiläum feiern werden.

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DINGE:

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Silbermond – „Mach’s dir selbst“: https://youtube.com/watch?v=mHlGByEDJro

Silbermond – „B 96“: https://youtube.com/watch?v=T-y_0Hmgdec

Silbermond feat. Herbert Grönemeyer – „Mein Osten“: https://youtube.com/watch?v=rtgEZ9A9vGQ

Daniel Boeck - Produktion
Dominique Dufner - Redaktion
Lisa Golinski - Redaktion
Mit Vergnügen - Vermarktung und Distribution

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