In dieser Folge von Hotel Matze sprechen die Komikerin und Familientherapeutin Cordula Stratmann und der Psychotherapeut Gunther Schmidt über Angst, Selbstwert, Elternschaft und die Frage, warum wir so hart mit früheren Entscheidungen umgehen. Das Gespräch wurde live vor Publikum in der Bonner Oper aufgezeichnet.
Die beiden erläutern, weshalb sie Negatives nicht meiden, sondern als Hinweis auf einen Bedarf verstehen, und wie sich aus Aufregung wieder Handlungsfähigkeit gewinnen lässt. Sie diskutieren, ob Politik im Therapieraum Platz hat, und Gunther Schmidt argumentiert, Feindbilder entstünden aus dem Bedürfnis nach Sicherheit.
Zuletzt geht es um Fehler als Lernchance und um die Frage, wie man sich selbst mit Mitgefühl begegnen kann.
In dieser Folge Matze Hielscher, Cordula Stratmann, Gunther Schmidt
Diese Folge von Hotel Matze, in der Cordula Stratmann und Gunther Schmidt über Angst und Handlungsfähigkeit sprechen, wurde mit der Technologie hinter dem HappyScribe Untertitel Generator erstellt.
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Den anderen verstehen, davor haben wir wahnsinnige Angst, weil wir denken, wir würden dem dann recht geben. Das hat miteinander nichts zu tun. Den anderen verstehen heißt, ihn würdigen.
Ach Gott, hätte ich die Sehnsucht, dass alles, was ich jetzt mache, auch das gewünschte Ergebnis bringt. Aber das wissen wir halt nicht. Wir surfen, wow, wir surfen auf der Welle der Ungewissheit.
Schau mal, wie deine Hüfte wackelt.
Ich mochte es nicht, wenn meine Mutter mir gesagt hat: "Ich mache mir Sorgen um dich." Das hat mich in Panik versetzt. Ich brauchte meine Mutter, die sagt: "Das schaffst du. Ich helfe dir dabei. Ich bin da, und du schaffst das. Du hast alles, was du brauchst, um eine Lösung zu finden, und dabei helfe ich dir." Das ist Elternschaft.
Ich will überhaupt nicht, dass mir immer gut geht. Ich will das nicht, verdammt noch mal. Weil ich möchte mich berühren lassen von Dingen, wo ich dann denke: "Da müssen wir reinhauen" oder sonst was machen. Dann Buddha-mäßig da zu sitzen, das würde mir zynisch vorkommen. Das will ich auf gar keinen Fall.
Warum brauchen wir Menschen, so scheint es mir gerade, unbedingt Feindbilder? Willkommen im Hotel Matze. Meine heutigen Gäste sind Cordula Stratmann und Gunther Schmidt, also eine Komikerin und Familientherapeutin und ein Psychotherapeut, mit denen ich in der Bonner Oper live vor Publikum über unsere Gefühle gesprochen habe. Ich wollte wissen, wie wir handlungsfähig bleiben, wenn uns die Welt total überfordert.
Es geht um Angst, Selbstwert, Elternschaft und die Frage, warum wir so hart mit unseren früheren Entscheidungen umgehen. Cordula erzählt, was sie von einer Klientin lernen musste, und Gunther erklärt, weshalb er nach einem Fehler erst einmal "Danke" sagt. Das hat richtig, richtig großen Spaß gemacht, mit den beiden auf der Bühne zu sitzen. Es ist ein sehr lebendiges Gespräch über das, was wir uns selbst und einander zutrauen können. Bevor wir damit starten, hätte ich eine Bitte: Ich würde mich total freuen, wenn ihr diesen Kanal abonniert.
Einfach so, mir zur Freude. Herzlichen Dank dafür. Und jetzt rüber in die Oper nach Bonn. Ich wünsche euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Cordula Stratmann und Gunther Schmidt. Du bist für mich so wie so ein Buddha. Gibt es eigentlich etwas, was dich so aus der Bahn wirft? So wie ich dich kennengelernt habe, hast du ganz viele Modelle und so kann man das machen, und wenn das passiert, dann macht man jenes.
Und deswegen denke ich natürlich bei dir: Dich bringt nichts aus der Ruhe.
Nee, das würde ich so nicht sagen. Also deine Frage impliziert aber so, als ob es mich aus der Bahn wirft, ohne dass ich es wollte oder sowas. Und das ist nicht der Fall. Also ich werfe mich sowieso ab und zu aus der Bahn, obwohl ich es nicht will, auch. Aber dann kriege ich vielleicht schneller die Kurve. Aber ich will oft überhaupt gar nicht in der Bahn sein. Also bei bestimmten Sachen, da würde ich mich sehr merkwürdig fühlen und sehr selbstkritisch, wenn ich mich da nicht aufrege würde oder aus der Bahn käme.
Was sind das für Momente?
Wenn ich zum Beispiel sehe, wenn jemand unfair, ungerecht behandelt wird. Wenn jemand zum Beispiel Macht ausübt, anderen gegenüber, dann wird es bei mir ganz lebendig. Auch wenn ich zum Beispiel bestimmte Wahlergebnisse sehe, heutzutage. Ich war öfter eingeladen, da gibt es so große Kongresse, gab es dazu "Positive Psychologie". Und der Begründer davon war die Seligman-History, mit dem war ich dann auf dem Podium. Und da geht es dann immer darum, dass du halt positiv und dann wird es besser und so irgendwie. Und da habe ich dann mehrfach gesagt: "Mati, ich will überhaupt nicht, dass mir immer gut geht.
Ich will das nicht, verdammt noch mal." Weil ich möchte mich berühren lassen von Dingen, wo ich dann denke: "Da müssen wir reinhauen" oder sonst was machen. Klar kann ich es nicht immer machen, aber dann Buddha-mäßig da zu sitzen, das würde mir zynisch vorkommen. Das will ich auf gar keinen Fall.
Du musst kein Zyniker sein.
Finde ich das gut, wenn es mich aus der Bahn wirft bei solchen Sachen. Aber ich lasse es zu extra mit Genuss. Also nicht, ja, willentlich.
Du wolltest was sagen?
Da würde ich gern anknüpfen. Es werden ja immer wieder so gerne so küchenpsychologische Säue durch Dörfer getrieben. Und eine aktuelle küchenpsychologische Sau ist ja, dass immer mehr Leute sagen, ich weiß nicht, wo sie diese Kurse belegen, aber da kann man, glaube ich, gutes Geld mit verdienen. Ich halte mich von Negativem fern. Es tut mir nicht gut. Ich entscheide mich fürs Positive. Das ist derzeit, bei dem Durcheinander und bei der konflikthaften Welt, wie wir sie gestaltet haben in den letzten vielen Jahren, überhaupt keine gute Idee.
Es ist eine gute Idee, sich dem Negativen zu widmen, in meinen Augen. Es ist äußerst dringend, sich dem zu widmen und nicht irgendwie zu denken: "Ah nee, du, das tut mir nicht gut, halte ich mich von fern." Sonst bin ich auch Teil davon. Wir sind immer Teil von Scheiße und Teil von Gut. Alle, immer. Und solange wir darüber machen, ich mir im Moment echt viel Gedanken, weil ich glaube, die Spaltung in unserem Land unter anderem spielt sich auf diesen beiden Seiten ab, dass die, die sich nicht für Scheiße halten, sich für richtig gut halten.
Und da fängt das Problem schon an.
Und ich würde es gerne ergänzen: Wir sind verantwortlich dafür, wo wir hin dann mehr wirken. Also mit dem, was du gerade sagst, dass Leute wieder dran würden sich da freuen. Sei positiv, ja, halte dich raus, wir machen das dann schon. Aber was machen sie dann? Und da finde ich, sind wir alle gefragt. Also so in diese Richtung.
Ja, genau. Wir sind ja alle mit einer großen Kraft ausgestattet, sonst hätten wir unser Leben nicht bis zu diesem heutigen Tag leben können. Und diese Kraft müssen wir alle einsetzen, aber nicht jeder in seine Selbstverteidigung und Selbstflucht, sondern spätestens jetzt muss ja jedem klar werden: Ich muss von diesem Sessel hier hoch und muss jetzt mit Leuten zusammen überlegen, wie wollen wir eine freie Gesellschaft bleiben und was kann ich dafür tun und nicht darauf warten, dass hoffentlich, also ich hoffe, es wird nicht so, es kommt nicht so schlimm, sagen ja ganz viele Leute.
Dann: Hä, wie?
Ja, wer ist das ES? Wer ist das ES? Das ES sind wir alle, sozusagen. Umgekehrt ist es natürlich so, wenn du auch zu dem, wenn ich das aus, wenn wir bei der Metapher bleiben, aus der Bahn, das wäre überhaupt nicht gut, wenn ich da draußen bliebe aus der Bahn. Das sind so Ausholbewegungen, aber die möchte ich unbedingt haben, weil die weisen mich auf einen Bedarf hin.
Das heißt, wenn du aus der Bahn, wenn wir in dem Bild bleiben, fliegst, dann weißt du, ah, das berührt mich. Ich bin, hier werde ich, wie du sagst, lebendig. Das heißt, es ist für mich ein Thema.
Mit solchen Gefühlen meldet sich immer ein Bedarf. Das ist ja so irgendwie, ich würde ja gut im Lot bleiben und Buddha-mäßig da rumhängen, wenn alles so laufen würde, wie ich denke, ja, genau so wäre es. Wenn ich mich also aufrege oder sonst was, ist das eine Kompetenz aus meiner Sicht, auch das in dem Sinne, aber die weist auf was hin. Wenn ich jetzt bloß bei der Aufregung bleibe, werde ich nicht wirksam genug. Also muss ich dann die Aufregung sozusagen sehr als wertvolles Feedback, wie wenn so der Warnblinker an geht, dann kann ich auch sagen, der Raum ist gestört oder so, aber die weist auf was hin.
Aber dann wäre es schade, dass es jetzt so laut ist und dann mache ich nichts, das wäre auch nichts. Also muss dann die Kurve wieder gemacht werden, okay. Und was bringt mich jetzt wieder in die Kraft, damit ich was machen kann? Und das ist nicht, wenn ich aus der Bahn bin. Da sollte ich wieder ins Zentrum kommen, um dann aber das von aus der Bahn kommen zu beachten und in der Handlung zu setzen. Das wäre so die Kombination.
Das heißt, wir bleiben in dem Bild, du fliegst aus der Bahn raus, sitzt im Auto und weißt, okay, ich bin, das bringt jetzt nichts, während ich rausfliege, mich da wahnsinnig irgendwie, es ist dann jetzt so, ich fühle das auch, ich bin aus der Bahn geflogen und sobald es mir wieder besser geht, dann geht es erstmal darum, wieder in die Mitte zu kommen und dann daraus zu schließen, ah, ich bin wahrscheinlich einfach zu schnell gefahren.
Ja, das wäre dann, wenn ich zu schnell, ich rede mich aber auch über Sachen auf die andere machen, wo ich dann denke, die sind ungerecht oder unfair oder sowas in der Art. Oder zum Beispiel rassistisch, missachtend, diskriminierend. Da mache ich das nicht selber, aber ich will was machen, damit da eine andere Kraft reinkommt oder sowas. Und wenn ich mich jetzt nur aufregen würde, das hat natürlich auch mit beiden Konzepten zu tun, dann weiß ich genau, dann nehme ich die so wichtig, dass die mich aus meiner optimalen Kraft bringen.
Ich möchte wichtig genug nehmen, damit ich dann handeln kann, aber nicht so wichtig, dass ich mich von deren Scheiß sozusagen abhängig mache in meinen Gefühlen. Da brauche ich wieder dann Steuerfähigkeit. Und deswegen ist das dann wie Ausholbewegung, so ah, ich könnte eine reinhauen, das machen wir jetzt aber nicht, sondern gucken wir mal, wie ich so in meine Kraft komme, dass ich dann so handeln kann, dass es für die Werte, für die ich stehe, am ehesten effektiv werden kann. Da habe ich ja keine Garantie, aber ich habe so think global, act local, sozusagen.
Cordula, du hast gerade gesagt, wir müssen uns dem Negativen hinwenden. Und ich weiß nicht, wie es euch geht, also gerade Sonntagabend, da sitze ich meistens auf dem Sofa bei uns zu Hause in Berlin. Meistens gucke ich tatsächlich den Tatort, je nachdem, welcher Tatort es ist. Meistens sage ich dann schon, wenn man mich fragt, wie geht es dir, dann würde ich sagen, oder wie ist dein Gefühl, yeah. Ist alles schön, meine Frau ist neben mir, der Sohn pennt, der Tatort ist meistens gut. Wenn ich dann aber Second Screen ins Handy gucke und sehe, was Wahlergebnisse gerade machen oder was Waldbrände gerade machen oder, oder, oder, dann kommt ein ganz anderes Gefühl rein.
Und das fühlt sich immer wie ein ganz merkwürdiger Widerspruch an. Kennst du diesen Widerspruch? Also dieses unterschiedliche Empfinden im gleichen Moment. Also jetzt sitzen wir hier auf dem Teppich, ist doch eigentlich alles gut, aber draußen nicht. Oder ist das gar kein Widerspruch?
Nee, überhaupt nicht. Also das ist ja, wir leben ja permanent ein Sowohl-als-auch. Das ist ja unsere luxuriös ausgestattete Sicht, dass wir auf die Frage, wie geht es dir, sagen können, ey cool, ich sitze Sonntagabend mit meiner Frau vorm Tatort, es geht mir so gut, der Sohn pennt, keine weiteren Sorgen. Das können ja wahnsinnig viele Leute auf der Welt nicht sagen. Deswegen meine ich nicht, es soll denen, denen es gut geht, immer schlecht gehen. Das ist überhaupt keine Lösung, weil denen, denen es gut geht, oder die, denen es gut geht, finde ich, die müssen so ein bisschen die Ärmel hochkrempeln und sich ein bisschen umgucken.
Und das Einsetzen, dass es ihnen gut geht, das kann ja Spaß machen. Das ist ja, ich habe kein bisschen die Idee im Kopf, uns geht es zu gut, das darf nicht so sein und wir müssen uns verausgaben für alle anderen, sondern für mich gibt es immer so ein Gleichgewicht. Das heißt, es ist immer alles gleichzeitig. Es geht mir gleichzeitig gut und ich weiß aber um das, was absolut nicht gut ist und womit es mir auch nicht gut gehen kann.
Und das heißt, dass ich mich dann aber auch mit Leuten zusammentun muss und überlegen muss, was können wir denn jetzt tun? Ich bin oft ratlos. Was macht man jetzt? Also ich lese leidenschaftlich Zeitungen. Die Süddeutsche kann ich nur empfehlen. Und noch viele andere. Und die Süddeutsche. Und ich bin häufig ratlos. Und dann denke ich wirklich sofort, was ist zu tun?
Mit wem muss ich jetzt worüber reden? Wie können wir, mit wem muss ich mich zusammentun? Oder wenn ich dann zum Beispiel lese, dass da, es gibt ganz viele Kulturinstitutionen, auch gerade im Osten, wo die AfD sehr aktiv auch jetzt schon wirkt, auch wenn sie nicht in Regierungsmacht ist oder kommt oder wie auch immer. Da geht es ganz vielen Kulturinstitutionen katastrophal oder Initiativen, die bangen um ihr Geld.
Und es ist ja ein ganz einfaches dann zu sagen, dann übernehmen wir das. Also wer Geld hat, gibt halt ab. Also ich habe da wirklich so ein, das ist so, ich denke immer praktisch, ja, wie löst man das denn jetzt? Das geht ja nicht. Weil es ist tödlich für unser Land, wenn wichtige Stationen dichtmachen müssen. Damit gehen wir alle ein, nicht nur die da, die weit weg sind. Wir gehen alle ein. Das heißt, wir müssen alle uns einsetzen. Das finde ich eigentlich praktisch und einfach.
Dann muss man überlegen, aha, wie heißt die Initiative Dauerauftrag? So, schon mal das Erste. Und dann weiter, wie geht es denn weiter? Was müssen wir hier für eine Initiative gründen? Weil sicher fühle ich mich hier nicht, auch wenn die Rheinländer*innen so weltoffen sind. Na ja, und? Also ja, toll. Aber das heißt ja was. Müssen wir was draus machen.
Ja. Weil ich wollte dich fragen, was machst du eigentlich mit der Ohnmacht, die es dann in solchen Momenten ja auch gibt? Man kann ja nichts machen. Ich als einzelne Person, was soll ich schon tun? Das heißt, du gehst sehr schnell ins Praktische eigentlich.
Ganz schnell, ja, immer schon. Ja. Und ich bin auch, ich bin leidenschaftlich als systemische Therapeutin tätig, aber auch unter anderem mit dir bunter befreundet, weil wir beide so praktisch sind. Also wir sind beide nicht sehr ansprechbar auf dieses ganze, hey, und wie kommst du in dein Gleichgewicht und schau doch einfach mal und so, nimm dir Zeit, nimm dir nicht mehr so viel Zeit, weil wir haben alle im Moment nicht mehr so viel Zeit, um in einer freien Gesellschaft weiterzuleben.
Also dich sehen wir nicht auf Bali.
Definitiv nicht. Auf gar keinen Fall. Und selbstverständlich habe ich schon mal gedacht, ey, wo gehe ich hin, wenn das alles schiefgeht?
Nach Bonn?
Hier. Ich bleibe hier. Selbstverständlich. Logisch. Hä? Entschuldigung, das finde ich ja zynisch. Also wir in vielerlei Hinsicht sehr wohlgenährten Menschen, wir überlegen, wo gehen wir hin? Ich glaube, es hakt. Ich verstehe jeden Menschen mit Fluchtgedanken, ja, der irgendwie sagt, boah, das wird aber jetzt sehr unbequem. Und dann ist es menschlich, dass es sich regt, wohin rette ich mich denn jetzt?
Wir sind alle bequem und das ist alles menschlich. Also jede bequeme und vermeidende Regung ist ja menschlich. Wir sind alle ausgestattet mit denselben Gefühlen, auch von Vermeidungen und so weiter. Aber es stellt sich ja mittlerweile ganz laut die Frage, können wir uns das jetzt so leisten? Nö.
Welches Gefühl aus eurer Arbeit als systemische Therapeuten? Gibt es ein neues Gefühl oder ein Gefühl, was jetzt gerade größer ist, wenn ihr eure Gegenüber anschaut, wenn ihr sozusagen nicht nur in die Praxis schaut, sondern auch in den deutschen Raum? Also gibt es da neue, lautere Emotionen als jetzt vor zehn Jahren?
Bei mir selber oder bei den Klienten?
Bei den Klienten. Also merkt ihr, dass da was anderes wirkt oder lebendig ist?
Ja, also was sehr stark zugenommen hat, aber ich weiß nicht, ob das vorher nicht auch schon da war, aber jetzt ist es sehr viel häufiger, wo es dann präsent wird in Therapien oder Beratungen oder so in Coachings genauso, ist, dass die Leute viel mehr Angst zeigen. Ganz viel mehr Angst als früher. Also auch depressive Selbstzweifel und so weiter hat massiv zugenommen, aber Angst ganz stark. Auch bei sehr jungen Leuten.
Und ist das eine konkrete Angst, was diese Menschen für sich, also ich meine, sie empfinden das ja, aber geht das um eine Angst, ihrem Umfeld betreffend, sie selbst betreffend oder welche Rolle spielt da auch eine gesellschaftliche Grundstimmung?
Ganz stark diese gesellschaftliche Situation, wie die sie halt einschätzen, die Leute. Aber das ist immer eine Kombination. Einerseits ein Ohnmachtserleben, vielleicht im direkteren Umfeld auch, wo man sich dann so fühlt, als ob man gar nichts machen kann, aber natürlich ganz stark durch diese Gesellschaften Dinge getriggert noch mehr. Viel mehr als früher. Ich meine, Angstthemen gab es immer schon, aber in den letzten 15, 20 Jahren, in den letzten zehn Jahren noch viel mehr, also seit Ukraine-Krieg und so weiter und Covid und so weiter hat sich das massiv verstärkt, dass die Leute so halt so ein grundsätzliches Ohnmachtsgefühl und damit verbunden aber auch so eine Zukunftsvorstellung von, oh Gott, oh Gott, besser wird es nicht, es wird eher schlimmer und das verstärkt natürlich dann das.
Das ist immer stärker in den Vordergrund gerückt.
Ist es bei dir auch so, Cordula, dass das Angstgefühl größer wird in deiner Arbeit?
Es ist ja eine ganz andere Situation, wenn ein ängstlicher 20-Jähriger vor mir sitzt in der Praxis, der definitiv durch die Vorbereitung der vorherigen Generationen in eine absolut beunruhigende Lebenssituation kommt und sein Ausblick ist ein anderer als meiner, als ich mit Ausbildung angefangen habe. Die Angst, da gehe ich anders mit um, als wenn ein, sagen wir mal, Mitte 50-jährige Frau oder Mann vor mir sitzen.
Das gucke ich mir sehr genau an, was genau für eine Angst äußert dieser Mensch. Ich würdige die Angst als verunsichertes Empfinden und als Instabilität, mit der dieser Mensch durch sein Leben gerade geht. Aber ich gucke mir das sehr genau an. Gibt es eine Beschädigung, die gewürdigt werden muss oder die vielleicht sogar von außen kommt? Ja, also einen schweren Verlust, einen Gewaltakt, irgendetwas. Hast du ein Trauma zu verarbeiten und daraus speist sich deine Angst oder ihre Angst? Ich sieze meine Leute. Oder ist es das, wo ich wirklich sehr genau mittlerweile drauf gucke?
Ist es unser Erschrecken über, oh, jetzt geht es uns an den Kragen? Ich bin gerade so unruhig. Ich wollte eigentlich nicht gestört werden in meinem Leben. Und ich bin jetzt auch wirklich, hopsa, ich werde immer ängstlicher. Und dann habe ich mehr den Impuls zu sagen, jetzt beschäftigen wir uns mal mit ihrer Kraft. Also das tue ich bei allen Menschen, dass ich mich mit ihrer Kraft beschäftige. Aber bei demjenigen, ich habe auch schon mal jemandem gesagt, ich glaube, sie sitzen auf einem Riesenirrtum.
Und darüber liegen sie die ganze Zeit flach.
Wir machen eine klitzekleine Werbeunterbrechung. Wir haben hier vor kurzem das Hotel Matze Studio komplett ausgeräumt, um es zu renovieren. Und dabei ist mir mal wieder aufgefallen, wie viel sich über die Jahre so angesammelt hat. Es war auf jeden Fall Zeit, ein bisschen auszumisten und Platz für Neues zu schaffen. Ich freue mich jetzt schon darauf, das Studio wieder richtig neu einzurichten. Und wenn man sowieso gerade alles auf den Kopf stellt, kann man ja auch mal schauen, was sich technisch noch verbessern oder erneuern lässt. Das machen wir gerade. Und deshalb kommt der Black Friday bei MediaMarkt Saturn für mich gerade ziemlich gelegen.
Der steht dieses Jahr nämlich unter dem Motto Black Friday Deal Maxing. Es geht nicht nur darum, die besten und günstigsten Preise zu finden, sondern auch rundum guten und professionellen Service zu halten. Was ich auch sehr, sehr praktisch finde, wenn ich mal etwas ganz, ganz dringend benötige. So wie neulich einen Steamer vor einem Auftritt in Dresden. Den konnte ich einfach online bestellen und über Klick und Collect konnte ich den schon nach 30 Minuten am Markt in der Prager Straße direkt abholen. Oder ihr nutzt die Sofortlieferung, bei der eure Bestellung in nur 90 Minuten bei euch sein kann.
Und falls ihr schon Weihnachtsgeschenke besorgt, nicht wie ich häufig erst auf den letzten Drücker, können die sogar bis nach Weihnachten umgetauscht werden. Wenn also bei euch oder bei eurer Familie oder euren Freunden, Freundinnen schon länger etwas auf der Wunschliste steht, ist jetzt ein richtig guter Zeitpunkt, um zuzuschlagen. Schaut gerne mal in eurer nächsten MediaMarkt Saturn Filiale vorbei oder einfach online auf mediamarkt.com/de/campaign/blackfriday. Und das ist natürlich ein sehr langer Link. Deswegen packe ich den wie immer natürlich auch in meinen Linktree in die Folgenbeschreibung.
Vielen herzlichen Dank an meinen Werbepartner MediaMarkt Saturn für die Unterstützung. Wir sehen uns am Black Friday. Und nun zurück zum Gespräch. Was war das für ein Irrtum?
Naja, oh Gott, ich bin so äh, äh, äh, äh, äh. Und also, du kannst das ja auch als Verteidigung annehmen, ja? Du kannst ja auch sagen, mir schwinden die Kräfte, ich bin so herausgefordert, ich kann halt gar nicht mehr und so weiter. Und wenn du dafür immer Verständnis kriegst, das ist ja, das meine ich mit den küchenpsychologischen Säulen, die es so viele gibt. Es muss einfach jemand genau hingucken und hinhören, was erzählt dieser Mensch und was trifft auf ihn zu. Und es gibt Menschen, denen hilft man mehr, wenn man sagt, ich glaube nicht, dass sie so am Ende sind.
Ich kriege was ganz anderes. Sie sind so kraftvoll im Leiden. Wir müssen uns jetzt, ja. Und ich sage den Leuten wirklich mittlerweile, und das ist mir echt ein Anliegen, ich weiß, das würde mich interessieren, wie du das siehst, Gunther. Ich werde immer durchlässiger, auch als Therapeutin. Ich sage den Leuten, ich werde in meiner Therapie auch politischer. Da, wo ich denke, das ist jetzt möglich.
Also, ich habe jetzt kein neues Konzept von wegen, ich werde jetzt immer nur politisch. Sondern ich habe aber das große Bedürfnis, und dem gehe ich tatsächlich auch erfolgreich nach, weil die Leute lassen sich, wenn du eine stabile Therapiebeziehung aufgebaut hast, lassen die Leute sich mit dir auf den Weg ein, wenn es geht. Und ich sage manchen Leuten, lassen Sie bitte uns alle nicht alleine, indem Sie sich verabschieden in einen Irrtum, Sie könnten nicht mehr.
Sie können noch ganz viel, und wir brauchen Sie. Es gibt nämlich mittlerweile nicht mehr diesen Therapieraum hier nur. Und Ihre Geschichte und meine Geschichte, die ich bei meiner Therapie bearbeite, sondern es gibt außerhalb dieses Raumes, geht sofort weiter in den nächsten Raum und in den nächsten Raum. Und wir müssen irgendwie mal langsam alle auf den Trichter kommen. Ich muss mich auch kräftigen, damit wir das alle hier zusammen gewuppt kriegen. Das ist mir wirklich, da bin ich viel mit beschäftigt gerade.
Und fragst du dich, ob das, weil du sagtest, das würde mich interessieren, was Gunther dazu sagt, fragst du dich, ob es okay ist, dass dieser Praxisraum politischer wird?
Ja, wie machst du das?
Ja, also da müssen wir jetzt ein bisschen ausholen. Wenn da jemand kommt, zum Beispiel in so einer ähnlichen Situation, wie du es jetzt gerade beschreibst, ich will ja ihn einladen, dass er wieder überhaupt Kontakt zu seinen Stärken kriegt, von denen ich ausgehe, sowas. Aber er spürt es ja dann in dem Moment nicht so. Und deswegen hat es sich für mich am meisten bewährt, wenn ich mit beiden Prozesswelten sozusagen arbeite. Also erst mal mit dem, wie kommt er überhaupt dahin, dass er gerade so sieht oder nicht und zwar achtungsvoll und neugierig und so.
Und da weiß ich einfach von meinen Konzepten her, Angst, man hat nicht einfach Angst. Das ist sozusagen eine selbstgemachte Produktion. Das heißt aber nicht, dass es deswegen abgeschwächt oder wertlos gemacht soll, die Wahrheit ist oder wir es ernst nehmen. Aber man hat so ein Gefühl nicht. Ich behaupte das schon seit über 40 Jahren. Früher habe ich da immer ordentlich Druck gekriegt von Kolleginnen und Kollegen. Aber seit 10, 15 Jahren in der Hirnforschung ist das praktisch klar belegt. Wir machen die Ängste innerlich selber.
Moment. Also wenn ich jetzt, wie vor zwei Wochen, kamen die Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt. Wir haben telefoniert kurz danach. Ich hatte so ein Gefühl von Trauer und da war auch Angst.
Ich auch.
Und ich hatte schon dachte, ach du heilige Scheiße, jetzt ist es wahr. Jetzt ist dieser Leberfleck, von dem ich dachte, es wird schon nicht so schlimm sein.
Ja, wie kann man das denn denken?
Am Telefon warst du netter zu mir. Da hast du gesagt, und wie fühlt sich das an? Und ja, komm, und so weiter. Aber jetzt... Ja. Ups.
Na klar, das habe ich genauso. Aber trotzdem ist es selbstgemacht. Also das ist genau der Punkt. Ich will ja die Leute unterstützen, dass sie wieder in ihre Kraft und ihre Handlungsfähigkeit kommen. Und unter solchen Umständen, wie man sie dazu hat, zum Beispiel eben Klimakrise, was weiß ich, Kriegsgefahren, die manche Leute vermuten und so weiter. Und wie jetzt Wahl in Sachsen-Anhalt oder sowas. Angst hat man nur, das kann man gar nicht vor der Vergangenheit haben, noch nicht mal vor der Gegenwart. Angst hat man immer nur, wenn man Zukunftsfantasien produziert. Und das sind halt Fantasien. Das sind Imaginationen sozusagen.
Die Zukunft ist der große Möglichkeitsraum. Da kann alles passieren, sogar was Gutes. Also in der Form. Aber wenn dann Leute Angst entwickeln, dann ist das eine klare Information von vornherein. Jetzt praktisch wie mit einem Röhrenblick sozusagen. Alles mit einem verengten Blick wird alles, was möglicherweise auch gut laufen könnte oder wo Chancen da sind, ausgeblendet. Und vor allen Dingen, oh Gott, oh Gott, eine Horrorfantasie sozusagen produziert. Und die ist sehr ernst zu nehmen, weil das ist natürlich auch möglich.
Also dumm rumschwätzen von, ach, das wird schon so nicht kommen. Das ist das Dümmste, was man machen kann in jeder Position. Weil natürlich kann es so kommen. So, das haben sie auch vorne in der Weimarer Republik, also mit dem Hitler, das geht ja. Und dann so, ach ja, ja, Gott und so. Und dann, was hatten wir davor? Völkermord. Ich übrigens bevorzuge nicht das Wort Holocaust, weil das mir zu verfremdet. Das wurde auf deutschem Boden mit deutschem Gas von deutschen Menschen anderen zugefügt. Das sollte man so auf Deutsch sagen, damit es gespürt werden kann.
So in der Form. Völkermord war das und so weiter. Und aber dann ist es so einseitig, wie nur das Schlimme passieren könnte. Und gleichzeitig muss eine Zusatzfantasie noch kommen, nämlich ich bin völlig ohnmächtig. Erst wenn die zwei Sachen zusammenkommen und es einem ganz nahe kommt, dass man wie in einem Albtraum überflutet wird, dann ist man voll in der Angst, aber dann wird man handlungsunfähig.
Das heißt, es muss die Angst kommen. Zum einen Angst, jetzt kommen die Rechten und jetzt wird alles ganz schlimm. Und die Ohnmacht, ich kann dagegen nichts machen. Und dann wird es erst.
Und wenn man dann in das Gefühl kommt, dann kriegt man meistens einen Schwarz-Weiß-Ding. Ich kann überhaupt nichts machen. Und dann kommt eben, ach was wird schon, hoffentlich wird es und so. Und dann wird der Einzelne eben gerade nicht mehr aktiv. Was wir aber brauchen und auch im persönlichen Erleben ist das auch für die Leute viel besser, weil die Alternative, die Transformation von Angst kommt immer über Erleben von Selbstwirksamkeit. Jetzt ist halt nur die Frage, selbstwirksam bezogen auf was? Ich kann nicht die Wahl in Sachsen-Anhalt wieder rückgängig machen. Da bin ich ohnmächtig in der Hinsicht.
Aber ich bin nicht überhaupt ohnmächtig. Ich bin nur in bestimmten Bereichen ohnmächtig. Also muss ganz stark differenziert werden, wo kann ich jetzt gerade nichts machen. Und das sollte man sehr ernst nehmen, wenn einem das dann sehr Beklemmung oder sowas macht, weil da hat man dann allen Grund dafür. Aber damit man da die Chancen, die Wahrscheinlichkeit verbessern kann, dass man allein schon von sich aus einen Beitrag macht, aber natürlich immer am besten mit Netzwerken. Aber das wird auch erst nur dann kommen, wenn die Leute wieder merken, oh verdammt, gut, allein kann ich vielleicht nicht so viel machen, aber wenn ich mich mit anderen verbünde, die ähnlich sind, dann können wir für das eindrehen.
Nicht gegen was nur. Das ist sowieso viel schwächer. Das Blöde ist, wenn man nur gegen was ist, dann kriegen genau die, gegen die man vorgehen will, noch mehr Aufmerksamkeitsenergie und dann kriegen sie mehr Einfluss. Das ist genau das, was in den letzten zehn Jahren mit der AfD passiert ist. Das ist zum Teil so dumm strategisch, auch von diesen Politikern. Ich frage mich, was die für Berater haben. Das ist sowas von idiotisch, so in der Form, so. Auch was vor kurzem, der Merz wieder in der Grundsatzdebatte, dann redet er hauptsächlich über die AfD, als ob das das Wichtigste wäre.
Wir haben viel Wichtigeres zu tun und dadurch würde das relativiert. Also müssen wir gucken, wie kriegen wir die Leute wieder in ihre Selbstwirksamkeit unterstützt. Und dafür müssen wir gucken, an welchen Zielen kannst du dich orientieren, für die du wieder selbstwirksam werden kannst.
Moment. Entschuldigung, wir machen eine kurze Pause. Wir wechseln mich mal aus. Alles klar, ich bin am Start wieder, Gunther, danke. Friedrich Merz sitzt jetzt hier.
Ja, das wäre toll. Wenn er zuhören würde. Also jetzt müssen wir noch dazu sagen.
Ich höre dir zu.
So, gut. Also, ein Bekannter von mir, der mit dem zu tun hatte schon und der einen Berater hat, also was ist das Hauptsächliche, was du als Charakterisierung sagen willst? Er hört einfach nicht zu. Also von daher, jetzt nehmen wir das mal so, okay. Und also du würdest zuhören, das ist jetzt schon der Traum, so irgendwie. Die Traumzukunft.
Schönen Abend, habe ich dir doch gesagt.
Okay. Und was wäre dein...
Ich möchte, also du hast ja mir jetzt gesagt, okay, ich habe eine, ich sollte nicht so viel über die AfD reden. Weil ich würde denen dann, also ich würde dem Negativen zu viel Energie geben. Und du willst mich wieder in die Kraft bringen, über anderes, meine Aufmerksamkeit auf andere Dinge zu lenken.
Du jetzt als Friedrich Merz.
Ich als Friedrich Merz.
Du sprichst als Friedrich Merz.
Also, als erstes würde ich sagen, ich verstehe sie so gut, dass ich die AfD bisher so wichtig genommen habe, so in der Form. Aber möglicherweise haben sie ihr zu viel Bedeutung gegeben und ganz vergessen, was sie eigentlich selber machen können. Sie und ihre Leute, aber unter beschränkten Bedingungen. Wir haben jetzt halt einfach die ganze Iran-Krise wieder und das ganze Zeug. Wir haben unglaublich viele Zumutungen für alle Leute, bei gleichzeitiger total ungerechter Verteilung der Vermögen und der Einkommen, sowas so.
Und da gibt es sehr viel zu tun, das man tun könnte, aber sicher manches Unpopuläres. Was ich Ihnen empfehlen würde, wäre einfach mal hinzustehen und dann zu sagen, Leute, verdammt nochmal, ich würde es lieber gern anders machen, aber wir müssen bestimmte Sachen jetzt regeln, auch unliebsame. Und da stehe ich dafür ein. Und ihr könnt euch auf mich verlassen, dass ich das Bestmögliche mache für euch. Aber ich will nicht schönreden und auch nicht so tun, oh, vertraut mir nur. Ich bin selber am Ringen damit und so weiter. Und ich möchte jetzt endlich mal hören, was euch mehr unterstützen würde.
Aber immer nicht so, dass ich so etwas verspreche gleich, sondern dass man guckt, was können wir davon an Möglichem machen und was muss ich euch auch sagen, was wir nicht machen können, weil ich euch nur dadurch ernst nehme, so in der Form.
Das ist allerdings eine Beratung, die du jedem Bundespolitiker geben müsstest. Wir müssten eigentlich mit allen Verantwortlichen, und ich bin wirklich komplett zynismusfrei, wenn ich an die verantwortlichen Politiker unseres Landes denke. Und du hast gerade ein heikles Thema angesprochen, Friedrich Merz. Es nervt mich hart, wie der jetzt für alles herhalten soll. Sag mal, wie bescheuert sind wir denn? Also, es gibt einen Friedrich Merz, der hat schon sehr häufig bewiesen, dass er problematisch seine Aufgabe versteht.
So, er ist umringt von anderen Menschen, die mit ihm zusammen das wuppen müssen und so weiter. Aber das allein, dass er häufig sehr ungeschickt seine Aufgabe wahrnimmt und so weiter, ich verzweifle auch an seinem, ja. Aber wie bescheuert musst du denn sein? Und jetzt frage ich ehrlich gesagt auch sehr viele Journalisten in unserem Land, die seit den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt wirklich jeden Moment, also es ist ja ein Live-Ticker, du kannst ja jede Minute lesen.
Friedrich Merz schafft erst noch, kriegt er seine Lage in den Griff, wird er gestürzt? Wie bescheuert muss man eigentlich sein, wenn man sich zusammenrottet, ich weiß nicht, wer da alles, um in dem Land noch mehr Destabilisierung hervorzuholen und zu sagen, so Leute, jetzt ist doch die Situation günstig, dass wir jetzt auch mal die Führungsriegel so dermaßen in Frage stellen, damit dann so richtig gar nichts mehr funktioniert. Ich wäre dafür, dass man sich mal darauf konzentriert, zu sagen, wer sind die handelnden Personen und wie müssen wir die im Moment stützen oder was ist von Nöten, damit die ihre Aufgabe gut geregelt kriegen.
Und vielleicht hören wir mal hin, vielleicht hat ja gerade einer eine gute Idee geäußert, das kriege ich gar nicht mehr mitgeteilt. Ich habe ehrlich gesagt gar keine Ahnung mehr und ich glaube einfach nicht, dass die alle da in der Riege sitzen und kein einziger hat mehr eine gute Idee, wie dieses Land weiter gesundet oder welche. Die sitzen doch im Moment jeden Tag zum Thema Rente, zum Thema Tankgeld, ich kriege die Wörter alle nicht mehr zusammen. Also zu allen mannigfaltigen Problemen, die wir gerade haben, sitzen die jeden Tag sehr konzentriert zusammen und ich werde einen Teufel tun, mich einzureihen in die, die dauernd sagen, ja, die kriegen es ja alles nicht geregelt und so weiter.
Dann mach doch mal selber, du kriegst es auch nicht hin. Wir sind alle zusammen in einer hochkomplexen Situation.
Aber das ist genau, warum ich das jetzt eben für den Merz sagen wollte, weil im Moment ist doch die Kultur so, also ich kann manchmal diese Talksendungen manchmal gar nicht mehr angucken, ohne dass ich im Pulsi kriege, den Fernseher zusammenzuschlagen, weil...
Du?
Ja, ich, ich, ich. Ja, ja klar, weil da kann doch keiner, nur überhaupt die Moderatoren lassen das auch noch zu. Da kann doch keiner zwei Sätze sagen, ohne dass er sich entwertend unterbrochen wird. Und immer, das ist aber alles genau, was zu dieser Angstdynamik gehört. Dahinter steht ganz viel Angst und dann wird sie auf diese Art überspielt und projiziert. Dann geht es immer mehr in Schwarz-Weiß-Denken. Je mehr Angst dominiert, geht es in Schwarz-Weiß-Denken. Entweder oder, richtig oder falsch und so. Und dann meint jeder, und die schielen dann, die gucken nicht mehr nach dem, also bemühen sich sicher, aber vor allen Dingen gucken sie bei jeder Überlegung, das könnte man machen, oh, kostet es Wählerstimmen oder bringt es Wählerstimmen?
Und wenn das das oberste Ziel wird, dann kannst du nicht mehr klar handeln in einer Weise, dass du sinnvoll hinter deinen eigenen Entscheidungen stehst, weil das ständig so schon wieder so ein Schielen ist, so was inkonkurrent wird, das merken doch die Leute, das ist doch nicht blöd, die Leute in so einer Art. Aber dass alle wechselseitig so machen und sich gegenseitig entwerten. Und damit immer suggerieren, glaub mir, die anderen sind alle blöd, aber ich habe das Richtige, was ja überhaupt kein Mensch glaubt. Da wäre dann eben wichtig, dann zu sagen, Leute, ich habe auch nicht die ideale Patentlösung.
Das traut sich keiner, weil er denkt, er müsse immer so den starken Max spielen und wissen, was jeder weiß, dass das nicht stimmt. Weil da gibt es nur Annäherungen und was du heute machst und denkst, das war klasse, dann stellt sich nachher raus, oh verdammt nochmal, vielleicht wäre was anderes besser gewesen, wussten wir aber nicht. Und wenn die Kultur dann wieder so wäre, dass jemand auch geachtet wird dafür, dass er Verantwortung übernimmt und damit natürlich auch in ein Risiko geht, dass etwas vielleicht nicht klappen könnte, wenn das respektiert und geachtet würde, als mutige Handlung, verantwortungsbewusst für unser Gesamtwohl, dann hätte man eine andere Kultur.
Das sehe ich überhaupt nicht im Moment oder kaum. Und da traut sich auch keiner, weil sie immer Angst haben, Wählerstimmen zu verlieren, aber gerade dadurch verlieren sie sie ja. Das ist ein tragischer Lösungsversuch. Und da müssen wir Leute wie den Merz anders beraten, ob man sie erreicht, das ist dann. Aber ein Versuch wäre es immer wert.
Ein tragischer Lösungsversuch. Cordula hatte dich ja gefragt, ob es im Grunde, so habe ich es verstanden, ist das, wie siehst du das, dass man Politik mit in den Therapieraum nimmt?
Na ja, da fange ich erst mal so, ich bilde ja viele Leute auch aus. Und das sage ich denen immer schon da. Leute glauben ja nicht, dass wir hier was Nicht-Politisches machen. Das ist politisch durch und durch. Also zum Beispiel in der Art, wie ich arbeite, ist ganz klar, wenn zum Beispiel jemand irgendwelche sogenannten Störungen, Ängste, Zwangsprobleme, Suchtprobleme, Depressionen oder so bei sich erleidet, die sollte man sehr empathisch, sehr ernst nehmen. Aber immer ist ein Zeichen dafür, dass es innerlich wechselseitige Abwertungsprozesse gibt.
Innerlich wechselseitig? Kannst du das erklären?
Ja, zum Beispiel, wenn man depressiv reagiert, dann kann man typischerweise sehen, dass er ein maximal mieses Selbstwertgefühl hat. Das kommt aber nicht von ungefähr, weil er hat auf der anderen Ebene innere Prozesse, mit denen er sich selber perfektionistisch abwertet. Also es gibt einen inneren Krieg ständig, so irgendwie. Und dann wird immer versucht, das eine zu unterdrücken oder zu bekämpfen als andere. Und leider machen das natürlich viele Therapiekonzepte dann gleich mit. Wenn sie dann denken, ja, das ist ja nur schlecht und gestört und krank und dann muss es weg, mit Medikament oder ohne, das ist nur eine Wiederholung dieser Sachen eigentlich letztlich.
Gut gemeint, sicher. Aber letztlich, wie es da innerlich läuft. Und wenn innerlich dann jemand kraftvoll gesunden kann, sage ich mal so allgemein, das ist natürlich sehr undifferenziert so, dann ist es immer ein Ergebnis davon, dass mit Achtung und Neugier die unterschiedlichen Strebungen in einem selber, ähnlich wie Cordula es vorhin mit der Balance gemeint hat, irgendwie mal beachtet werden und man dann guckt, was ist, und situationsabhängig immer, was ist da die für mich stimmige Balance, aber wo nichts innerlich bekämpft wird, nicht alles beachtet werden muss.
Aber wenn ich zum Beispiel habe jemand, der Angst hat, dann wollen die Leute immer die Angst weghaben. Das ist völlig unmöglich. Die kraftvolle Lösung ist, sie machen was, während eine Seite, so sage ich, das dann in ihnen immer noch bibbern darf. Und das aber wertgeschätzt werden, ja, klar, bibbert was in mir, umso anerkennenswerter ist, dass ich was mache. Und wenn das so in dieser Form integriert und kombiniert wird, das heißt auch Achtung für Minderheiten innerlich sozusagen, dann wird es gut. Und genau das Gleiche haben wir im Gesellschaftlichen.
Wenn ich in einer Gesellschaft wie bei uns immer mehr Polarisierungen habe, das ist tatkräftig, also im Grunde genommen könnte man sagen, Leute wie mich in meinem Berufsfeld, die könnten nur sagen, weiter so, weiter so. Ich leite auch so eine Klinik, da könnte man sagen, die Belegung ist auf Jahrzehnte gesichert, wenn es so weitergeht. Weil das genau produziert genau die Dinge, die nachher wieder Leute in sowas bringen. Und also ist es insofern in jedem Fall politisch. Außerdem, ich habe schon viel in China gearbeitet, in Russland, verschiedene andere Länder auch, da wäre das alles nicht möglich, was ich hier mache mit den Leuten, wenn ich es denen anbiete.
Also in Putin-Russland, es sei denn, du willst von zu Hause weg, weil dir es da ein bisschen zu warm ist und du willst in den Gulag, dann musst du nur kurz sagen, übrigens ein Krieg ist das ja nicht, sondern eine Spezialoperation. Obwohl der Pressesprecher hat es jetzt auch schon gesagt, der ist aber nicht im Gulag, merkwürdigerweise, der Rest schon. Da kannst du nichts machen, was in Richtung geht. Achtungsvoller Umgang mit Unterschieden, Unterschieden in der Begegnung mit anderen Menschen, Unterschiede in dir. Wenn du das aber machen willst, dann fällst du halt aus dem Fenster.
So ungefähr. Das ist ja Sudden Russian Death, nennt man das heutzutage. In der Form. Also das sind Sachen, die haben mit gesellschaftspolitischen Sachen zu tun. Und dass wir hier überhaupt so arbeiten können, wie ich es in meinem Beruf mache, das ist ein Luxus. Und das gibt es in kaum einem anderen Land so gut wie hier.
Ja.
Und deswegen finde ich, müssen wir alle für diese Gesellschaft, dass die so bleiben kann, dass das möglich bleibt, gerade auch Therapeuten, also nicht nur die, aber auch oder Berater, müssen sich engagieren. Weil sonst ist es schnell weg und dann kriegt man Besuch. Und ist dann vielleicht auch schnell weg, so in der Form. Und wenn man das nicht will. Und andererseits, wenn du mich fragst, in den Therapieraum selber, da ist nochmal für mich eine wichtige Komponente da. Weil wenn da jemand kommt und so, und das gilt übrigens auch für Diskussionen, obwohl mir das verdammt schwer fällt, mit Leuten, die AfD wählen.
Da komme ich gleich dazu. Also da kommt jemand und ist dann ganz absorbiert, für den ist das die Wahrheit, auch das, was er dann so macht. Und wenn ich das nicht achtungsvoll, respektvoll und dann nicht politisch erstmal, auf dieser Ebene nicht politisch, wenn ich das nicht achtungsvoll, respektvoll und neugierig mit ihm erstmal anschaue, und zwar aufrichtig mit Neugier, hey, wie kommen Sie dazu? Das ist ja Ihre Wahrheit, aber da sind Sie doch nicht blöd, obwohl das vollkommen anders ist, als ich es vielleicht denke. Aber in Ihrer Welt ist das doch sinnvoll und nicht blöd. Also lassen Sie uns mal mich das verstehen lernen, bitte, so.
Und dass, ach so, wenn Sie so und so sehen und das sind Ihre Wertschätzungen oder Ihre Glaubenshaltung und so, dann ist es ja kein Wunder, dass Sie so machen. Dann aber ist schon für mich, und das wirkt dann nachher politisch oft so, ganz wichtig, damit ich überhaupt, weil das machen die Leute nicht, wenn sie so richtig absorbiert sind, dann gucken sie nicht auf die Auswirkungen so sehr mehr, die das hat in ihrem eigenen Leben und auch in anderen, in Beziehungen, wenn sie nur diesen Empfindungen, Gefühlen und diesen intuitiven Impulsen folgen. Aber es hat alles Auswirkungen.
Die Frage nach Ursachen ist völlig zweitrangig.
Die Frage nach was?
Ursachen. In Psychotherapie sowieso, ist aber noch traditionell sehr beliebt. Da kannst du aber drei Jahre in der Kindheit rumbohren, irgendwas findest du immer. Die Frage nach Auswirkungen ist entscheidend. Wenn du dem Impuls heute folgst, was hat es für dich für Auswirkungen in Beziehungen und sowas, willst du die. Und über die genauen, präzisen Beschilderungen der Auswirkungen entsteht oft erst Motivation. Unser Gehirn ist ein Vorhersageorgan vor allen Dingen. Und wenn ich dann merke, oh verdammt, wenn ich das und das weiter so mache, da bin ich in drei Jahren nicht weiter, sondern es geht mir noch mieser vielleicht so, dann kommen die Leute natürlich und sagen, ja, ich habe aber gar nicht die Fähigkeiten.
Und da kann ich dann ansetzen, indem ich wie ihnen gucke, hey, hey, hey, so, das sehe ich noch nicht so. Machen wir mal irgendwie jetzt auch wieder mit der Vergangenheit. Gab es denn mal, und sei es aus Versehen, Situationen, wo sie genau diese Fähigkeiten schon gelebt haben, die sie jetzt bräuchten? Und ich finde sie immer. Ich mache das jetzt seit über 40 Jahren in Tausenden von Beratungen und Therapien. Ich habe noch nie, auch bei Leuten, die 20 Jahre gelitten haben, furchtbar, und das ist die Hölle für die Leute, ich habe noch nie erlebt, dass wir nicht die hilfreichen Kompetenzen, die man für Entwicklung, nicht gleich bombastische, aber für kleine Entwicklungsschritte Schritt für Schritt hin, die habe ich immer gefunden mit den Leuten.
Dann ist es noch verdammt schwer, die zu reaktivieren. Aber das Potenzial ist da. Und das ist wieder auch eine politische Sache für einen Therapeuten. Die Kassensituation bei uns ist die, da kriegst du nur was bezahlt, wenn du eine Krankheitsdiagnose hast. Und das sind plötzlich für die allermeisten Leute, du hast nicht drauf, du bist halt gestört, du bist krank, du hast nicht drauf. Und das ist damit eine schwächende Suggestion, so kommen die Leute dann. So, da hat man viel Mühe. Die ethisch verpflichtende Aufgabe aus meiner Sicht ist, zu sagen, klar, das ist alles furchtbar schlimm und das kann man gar nicht ernst genug nehmen und empathisch genug.
Und auch, und du hast noch viel mehr anderes drauf. Und wenn man guckt, und das kommt dann wieder langsam ins Gespür, das ist das Schönste in meiner Arbeit für mich, dass plötzlich die Leute sich aufrichten und ihre Würde wieder spüren. Und ein Therapeut hat die Aufgabe, finde ich, die Leute ihre Würde wieder in Erinnerung zu rufen und damit ihre Handlungsfähigkeit. Und dann wird es oft politisch. Da muss ich aber gar nichts dafür machen.
Ich will nicht politisch werben für jemanden. Aber was ich aber weiß, ist, wenn ich jemanden einladen will, dass er seinen Blick erweitert und ich versuche, ihn in Frage zu stellen und zu attackieren als Person, dann, das wissen wir übrigens aus der Forschung, dann geht gerade der Rollladen runter. Dann werden sie gerade noch fester und verkrampfter und halten noch mehr an dem Alten fest. Also deswegen ist es so idiotisch, wenn ich nur gegen die AfD mache. Da könnte ich sagen, weiter so, Leute, weiter so. Bessere Werbung kann man doch gar nicht haben. Kommt, macht weiter.
Schieß mich an, Merz. Ja. Nicht, dass man da was beschönigen sollte, überhaupt nicht. Aber ich sage, das und das missbillige ich in Ihrer Politik. Das und das ist für mich inakzeptabel. Und wir haben was zu bieten. Da muss der Fokus hin. Weil sonst die Leute immer nur die sehen, die bekämpft werden. Und schon ganz, was haben die anderen noch gesagt, außer das mit der AfD, was sagen? Ich habe es vergessen. Aber AfD, AfD, AfD. Das ist, wenn sie Werbefeiern schon den ganzen Tag machen. Es ist sowas von bescheuert. Gut gemeint.
Warum brauchen wir Menschen, so scheint es mir gerade, unbedingt Feindbilder? Also es gibt ja sowohl, also würde ich jetzt mal sagen, die jetzt hier auf der Bühne sitzen, da kann ich jetzt nicht für das Publikum sprechen, wir haben jetzt schon viel über die AfD gesprochen, und dann sagen wir, okay, das ist für uns ein Feind. Und für mich ist dann, wenn ich, und ich.
Da ist ja schon wieder auch die Unterscheidung wichtig, AfD-Wähler*innen und AfD-Politiker.
AfD-Politiker. Also für mich ist jemand.
Da gibt es Politiker*innen, es gibt sie auch. Es gibt einen Unterschied. Also das ist für mich auch nicht auf selbe Weise zu behandeln oder zu betrachten. Das ist der Fehler, den wir seit vielen Jahren machen, dass wir eine wachsende Gruppe von Menschen für bescheuert erklären und die ganze Zeit nicht ernst nehmen und dauernd sagen, das kann man ja nun wirklich nicht ernst nehmen. Ja, das ist jetzt das Ergebnis. Menschen, die du nicht ernst nimmst, hast du dann irgendwann in einer Riesentruppe vor der Tür stehen. Und dann darfst du nicht doof gucken.
Dann musst du dich fragen, wie habe ich die denn jetzt da hingekriegt?
Sehr gute Unterscheidung. Ich würde gerne erst woanders hingehen. Und das ist zu den Feindbildern. Also mir scheint so, als wenn wir gerade in einer Gesellschaft leben, die jeder und jede hat verschiedene Feindbilder. Also für die einen ist es Alice Weidel und Ulrich Sigmund, für die anderen ist es Robert Habeck oder Friedrich Merz und so weiter und so fort. Und die einen sind die.
Ja, weil das unsere Bequemlichkeit bedient. Da kannst du herrlich bei sitzen bleiben. Du kannst da wunderbar, guck mal hier, das sind vor allen Dingen sehr gute Feindbildsessel hier.
Die sind von mir zum Danken.
Da kannst du dich so richtig schön drin fläzen und dann kannst du nach da und so.
Aber alles hat ja, wie ich von euch auch schon gelernt habe, alles hat ja auch eine Bedeutung, warum das ist, einen Nutzen. Also sich ein Feindbild suchen hat ja, wie du das letzte Mal sagtest, Burnout ist eine Kompetenz. Also irgendwie eine Kompetenz scheint drin zu sein, dass wir ein Feindbild suchen und gerade, ob links oder rechts oder Mitte, oben, unten, grün, schwarz, blau, alle haben irgendwelche Feindbilder. Und es geht immer und immer wieder um Feindbilder.
Ich habe dir gerade die Antwort gegeben, Matze.
Ich ergänze mal eine. Ich ergänze mal noch eine dazu.
Was habe ich nicht genau verstanden?
Das ist ein ganz kleines Ergebnis dieser Art von Polarisierung, verstärkt sich aber wechselseitig immer noch. Grundsätzlich ist das mit den Feindbildern ja gar nicht so doof. Das hat sich halt in der Evolution entwickelt. Genauso, warum dann die Leute immer so Horrorsachen eher abfahren. Weil Evolutionsbiologen sagen dann, naja, wenn du hundertmal schöne Sachen übersehen hast, auch tolle Begegnungen, das war dann vielleicht blöd, ein bisschen unangenehm, aber das Erleben oder das Leben hat es nie gefährdet. Wenn man einmal was Gefährliches übersehen hat, war man halt weg. Deswegen gibt es eine selektive ererbte Tendenz, eher immer Worst-Case-Szenarien, immer schneller zu nehmen.
Aber eigentlich geht es gar nicht um Feindbilder, das ist ein Mittel zum Zweck, das ist ein Lösungsversuch wieder. Es geht um Sicherheitserleben letztendlich. Das ist meine Auffassung, die. Und wenn sich jemand in irgendeiner Weise, da kann aber Bequemlichkeit nachher schon dazukommen, klar, aber wenn irgendjemand sich in irgendeiner Weise gefährdet fühlt, und in unserer Kultur ist es aber so, in unserer Kultur, da bist du dann was wert, wenn du in irgendeiner Weise was leistest und andere auch noch dich toll finden, irgendwie. Also der Wert wird nicht daraus, dass du als Mensch da bist und in deiner Einzigartigkeit mal neugierig angeguckt wirst, wo man überhaupt nicht sagen muss, ich muss deiner Meinung sein.
Aber eher so, ah, spannend, du siehst die Welt so, also da wäre ich ja nie drauf gekommen, aber eben eine Existenzberechtigung zuzusprechen in seiner Weltsicht erstmal, damit überhaupt der Diskurs, der Dialog kommen kann, das wäre zentral. Ich weiß, das ist bei uns nicht das bevorzugte Kulturinstrument, aber daraus kommen dann die Sachen, weil dann kannst du dich besser schützen, wenn du nachher behauptest, es gibt eine richtige Wahrheit, eine Sichtweise, zufälligerweise meine. Und dann so in der Form. Und dann geht es los, ich nenne das manchmal so, das ist dann wie das heilende Prinzip.
Da gibt es ja so Kultfilme, wo da immer so Leute, die eigentlich unsterblich sind, sich nachher die Köpfe abhauen, aber dann meistens mit dem rituellen Spruch, es kann nur einen geben, wups, und halt, das bin ich. Das ist immer das, was überhaupt zu Konflikten führt. Die Idee, dass es eine richtige Wahrheit gäbe. Und diese Wahrheit, also die Wahrheit, dass, keine Ahnung, der oder die Politikerin von der Seite oder die Seite, egal, ich mache die zu meinem Feind, lasse mich immer wieder triggern, sage doof, doof, doof, doof, doof, das gibt mir wiederum eine Bestätigung, dass ich auf der richtigen Seite bin, dass ich recht habe, dass ich der eine bin, der es verstanden hat?
Ja, weil die Befürchtung ist offensichtlich immer, wenn ich sage, naja, es gibt die Sichtweise und die Sichtweise und die Sichtweise, dass die eigene dann gleich wieder in ihrer Existenzberechtigung bedroht wäre. Und dann ist sozusagen der Gegenangriff so, da behaupte ich lieber, ich habe die Wahrheit und der Rest ist falsch und so weiter. Das ist ein Instrument, um sich zu verteidigen. Aber wann muss ich mich verteidigen? Nur, wenn ich mich ständig gefährdet fühle. So, wenn ich jetzt in einer Kultur lebe, so spannend, so, also ich bin völlig anderer Meinung und ich muss auch gar nicht mitgehen mit dem, was du machst.
Aber dass du so erlebst, dass du so denkst, das finde ich doch immerhin existenzberechtigt. Und dann gucken wir mal, was kriegt denn da vielleicht die Mehrheit. So, und natürlich, das gilt auch für demokratische Wahlen, das Prinzip der Demokratie. Das Prinzip der Demokratie ist doch, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, die dann aber in ihrer grundsätzlich anerkannten Existenzberechtigung in Verhandlungen gehen. Und das genau wird bei uns immer mehr bedroht in so einer Form. Und daher kommen dann die Feindbilder. Dann ist das ein Schutz, wenn ich weiß, also, weil das die Leute dann ja in sich selber auch schon machen, so.
Ja, wenn der auch vielleicht eine interessante Sicht hat, vielleicht ist meine falsch. Ist überhaupt gar keine falsch. Die ist einfach da, ob sie dann passt in der Wirkung, ob sie konstruktiv wirkt oder nicht, das ist eine ganz andere Frage. Und da muss man keineswegs alles machen. Aber dass überhaupt das Erleben mal da sein darf, das müsste gewährleistet sein und jeder Mensch als Kind schon geachtet werde. Es fängt doch aber schon an, ich kenne das ja von mir, da habe ich viel dazugelernt durch meine Kinder, wenn es schon anfängt, so, sollst du dich acht oder wie viel, du gehst jetzt ins Bett, du bist jetzt müde.
Ich bin nicht müde, du bist müde. Nein, ich bin nicht müde, du bist müde. Da fängt es schon an, dass andere behaupten, ich kann besser wissen, was bei dir los ist als du selber. Diese Wechselwirkungen, die tragen dann zur Kultur bei, dass du dich ständig denkst, oh, ich muss ständig immer auf der Hut sein, dass ich womöglich nicht wegfalle aus der Mehrheit, sondern, hahaha, guck doch mal den an, so in der Form. Und aus dieser Grund auskommen, diese Feindbildnummer. Dann bist du besser immer auf der richtigen Seite, wenn du andere zu blöden Feinden machst, weil dann hast du wenigstens ein bisschen Schutz.
Aber das hat zur Folge, zum Schluss fühlen sich alle ständig bedroht und so in der Form.
Bei allem mit dem Finger aufeinander zeigen, das ist wie so eine Westernszene, wo im Saloon alle mit der Knarre aufeinander zeigen. Alle gegenseitig erschießen.
Also, deswegen, weil es gemütlicher auch, wenn man es anders machen würde.
Jetzt habe ich gerade den Gedanken, also Feindbilder bilden ja ein Paar mit Heroisierung. Beides macht uns passiv, weil ich beschäftige mich dann damit, also der Feind ist ja schuld, also mein Feindbild ist ja schuld für mein Unwohlsein oder für eine schlechte Entwicklung und so weiter. Und genauso falsch ist ja auch Heroisierung. Kein Obama hat nix gerettet.
Robert Habeck wurde zum Helden erklärt. Danach musste er von allen ins Loch geschubst werden. Also das ist ja ein absoluter Irrsinn, was wir sowohl mit Feindbildern als auch mit unseren Helden, mit den erfundenen Helden machen. Weil in allen Momenten reden wir ja von Menschen. Und Menschen sind jederzeit gleich fehlerhaft. Es gibt keine Helden. Es gibt Menschen mit einer besonderen Ausstattung, die sie in irgendeiner Weise zur Verfügung stellen. Die sind an einer anderen Stelle genauso versehrt wie andere Menschen.
Es gibt diese Helden nicht, die wir dauernd zu Heiligen erklären, weil wir uns davon versprechen, da, also ich kriege da keine andere Idee zu, als dass ich irgendwie denke, das ist wirklich so eine Haltung von ich hier und da löst sich was. Da löst sich was. Also entweder löst es sich, indem ich da diesen Feind da hasse und noch mit anderen Leuten zusammen denjenigen für Mist erkläre. Oder da löst sich was, indem da jetzt einer bejubelt wird und wir sind uns alle einig, ey, das ist der Neue, der macht es und so weiter.
Und das schützt uns sozusagen vor, ich bin gefragt. Auf mich kommt es an. Es kommt auf jeden Einzelnen an. Und wir haben keine Kultur miteinander, in der wir einander so begegnen. Auf dich kommt es an. Für mich kommt es auf dich an. Für dich kommt es auf mich an. Auf euch kommt es für mich an. Ich bin abhängig von euch allen. Und wir leben nicht isoliert, sondern wir leben alle in Abhängigkeit voneinander.
Und ich glaube, dass es dazu auch bei uns so wenig die Kultur gibt, dass wir neugierig sein dürfen. Neugierig auf den anderen. Das hast du gerade eben genau so beschrieben. Ah, interessant. Wer bist du? Wie tickst du? Ich verstehe kein Wort. Sag mir noch mal. Und noch zehnmal nachfragen und nicht denken, oh nee, da frage ich jetzt nicht nach. Wir haben diese Kultur von Beziehung und Begegnung nicht. Wir pflegen mehr die Isolation, würde ich jetzt, also so allgemein.
Du hast was Wichtigstes dabei gesagt, nämlich mit dem Fehler. Ich glaube, das hat ganz damit zu tun, ganz viel damit. Ich erlebe das in Organisationen auch immer wieder und so, dass Leute, also man kommt dann in eine Handlung, wenn man irgendwie den Eindruck hat, ich kann mit der Handlung was machen. Und ich weiß aber zum Zeitpunkt, wo ich entscheide, was ich jetzt mache, weiß ich auch nicht, was rauskommt. Das Ergebnis ist immer die Zukunft und so. Aber ganz viele Leute, die auch zu mir kommen, mit unglaublichen Entscheidungsproblemen und Verunsicherungen, wenn ich dann mit ihnen durchspiele, wie es überhaupt kommt, dann kommt immer raus, sie haben Angst davor, dass sie was machen und dann kommt was Unerwünschtes aus ihrer Sicht raus und das würde sie dann aber entwerten.
Aber das haben wir doch in der Schule schon überall so. Ich habe zum Beispiel genau aus diesem Grund, als wir diese Stillungsklinik gegründet haben, da habe ich ja die Initiative gehabt, die Konzepte entwickelt, das habe ich hierarchisch gesetzt am Anfang und gesagt, das ist nicht verhandelbar, bei uns ist ganz klar, weil ich habe es in x Organisationen gerade umgekehrt erlebt. Wir wollen ja, dass die Leute aktiv mitwirken. Wenn bei uns jemand was macht und dann kommt irgendwas Unerwünschtes raus, ich nenne das gar nicht Fehler, was Unerwünschtes, und er kommuniziert es dann ins Team rein, damit man was lernen kann, dann hat er von vornherein, das ist für Brief, das Recht haben, bei uns jeder einklagen, hat er sicher zugesichert, zu erwarten, dass er sofort Dank kriegt.
Dank. Und sofort einen Vertrauensvorschuss in Richtung, bestimmt hast du nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und so schade, dass jetzt nicht das Gewünschte rauskommt, aber jetzt kriegst du Dank und Solidarität und Loyalität, sofortige Unterstützung und dann gucken wir mal, was wir daraus gemeinsam lernen können. Deswegen, ja, das ist ja naheliegend.
Ja, genau.
Das ist, nee, also ja, also ja und nein.
Es ist eigentlich ziemlich trivial, weil was wollen wir denn? Wir können doch die Zukunft nicht kennen. Also was immer wir machen, da kannst du immer daneben liegen oder es wird erfolgreich. Wenn es erfolgreich ist, dann bist du plötzlich der Held. Wenn es nicht erfolgreich ist, bist du der Blödmann und so weiter. Das ist von vornherein schon damit wieder eine eingebaute, induzierte Angst, die aber hindert die Leute am Kontakt mit ihren Kompetenzen und auch in ihrer Motivation. In meiner Rolle, wo ich ja will, dass unsere Leute optimal miteinander, ich wäre ja blöd, wenn ich das nicht so machen würde. Das ist nicht altruistisch nur.
Hoffentlich auch ein bisschen, aber vor allen Dingen ist es einfach nur logisch, dass die Leute wissen, hey, ich gehe doch ins Risiko. Mit jeder Entscheidung gehst du ins Risiko. Und wenn dann was Ungewünschtes rauskommt, dann hat doch jemand eher Mitgefühl verdient und auch Achtung für den Mut, dass er überhaupt was macht und so. Und natürlich dann sofort Solidarität. Das wäre in der Gesellschaft optimal, wenn es auch so wäre. Ich weiß, dass es in vielen Organisationen, die ich schon beraten habe, nicht so ist. Gerade deswegen habe ich es so gemacht. Und ich weiß, wie das wirkt. Also ich habe zum Beispiel in vielen Kliniken Supervision schon gemacht früher, immer viele Jahre.
Da war eine typische Situation, sagen wir, wir öffnen die Supervision, das ganze Team ist da, ich sage, ah, hat jemand Anliegen, 15 Leute haben Anliegen. Dann kommt plötzlich, sagt einer, oh, wir wissen jetzt noch nicht, ob der Chefarzt auch heute bei ist, der hat gesagt, er kommt vielleicht später. Dann, ah, der kommt heute, kein Mensch hat mehr ein Anliegen. Das ist das Wunder der Lösung, sozusagen. Bei uns ist es gerade umgekehrt. Wenn ich mal nicht dabei bin, dann kriege ich aus dem Team Anrufe oder Mails, Gunda, das ist scheiße, dass du nicht da warst. Wir haben so eine schwierige Sache, wo wir nicht weiterkommen. Und du hast uns jetzt hier hängen lassen, Gott verdammt, du musst jetzt da sein, weil die genau wissen, sie kriegen nur Unterstützung und Achtung.
Achtung für das, was sie getan haben. Weil jeder, der was tut, finde ich, der ist mutig, weil sonst würde er nicht so in der Form. Und dann, und also das würde ich mir wünschen, dass wir das heute alle mitnehmen für nächste Woche, wenn wir arbeiten irgendwo. Und dass wir das mit in die Organisation tragen, wo wir so arbeiten. Weil ich finde das wirklich sensationell. Also das ist etwas, zu sagen, können wir die Kultur vielleicht ändern, können wir das mal probieren, nur mal für einen Monat und zu sagen, okay, hier ist was Unerwünschtes passiert und lass uns das abfeiern, dass du es trotzdem probiert hast.
Und lass uns gucken, wie wir aus dem Unerwünschten vielleicht lernen können, damit es nächstes Mal was Erwünschtes passiert.
Wir wollen ja lernen. Dazu gehört auch, dass du den Menschen, die eine Idee äußern, einfach ganz sicher sagst, jede Idee ist erstmal gut, weil sie versucht, etwas von nicht so gut, schlecht oder wie auch immer ungute empfundenem, in etwas Besseres zu bringen. Es gibt keine schlechte Idee. Es gibt die Umsetzung einer schlechten Idee. Es gibt die Idee, also es gibt natürlich schlechte Ideen, ja, von Säuberungen, also das fällt mir natürlich gerade wieder ein.
Aber der Impuls einer Idee will immer etwas von gut nach, von schlecht nach besser. In dem Empfinden dieses Menschen und diese Bewegung, ich meine jetzt einfach nur diese Bewegung, die muss man sehen und mit der muss man dann arbeiten. Mit Abwehr kommen wir überhaupt nicht weiter. Wir in unseren Praxen kommen eh nicht weiter damit, wenn wir irgendeine Abwehr in uns hätten. Es kann jeder vor mir sitzen und sich zeigen, wie er ist und ich habe da kein Urteil drüber.
Ich bilde kein Urteil darüber. Ich bin keine Richterin. Und ich werde es auch nicht. Ich sage denen höchstens, ah, ich habe eine andere Idee, als sie sie gerade äußern. Die sage ich ihnen, wenn sie die hören möchten. Es geht aber immer in einem respektvollen Umgang und selbst das, wenn ich jemandem sage, ich glaube ihnen das nicht, das sage ich denen, weil ich die für voll nehme. Weil ich glaube, eine Schonhaltung zum Beispiel ist manchmal ein Zeichen dafür, dass ich den anderen nicht ernst genug nehme.
Ich muss dem zumuten, was wir beide in unserer Beziehung, was da möglich ist. Und ich traue meinem Gegenüber wirklich grundsätzlich seine 100 Prozent zu. Ich habe nie das Gefühl, oh, du arme Sau, ach, du liebe Güte. Ich habe immer einen vollwertigen Menschen da sitzen mit allen Kompetenzen, mit denen er oder sie kommt. Und wenn die das spüren, dann kannst du auch mit denen arbeiten daran, ah, ich glaube, sie haben sich etwas angewöhnt.
Ich glaube, sie haben sich eine Sicht auf sich angewöhnt. Und die beschreibt mir einen nicht erfolgreichen Menschen oder einen zu ängstlichen, einen fehlerhaften Menschen. Erstens, fehlerhaft bin ich auch, also das sind wir alle. Die Würde ist ja immer bei 100 Prozent. Egal, worüber wir reden. Wir sind immer bei 100 Prozent unserer Würde. Das steht komplett nie in Frage. Das ist für manche Leute eine neue Nachricht. Und dann geht es darum, mit denen, an denen auch anzusetzen, was ich denen zutraue.
Und ich traue den Leuten grundsätzlich wirklich extrem viel zu. Und ich habe unter anderem auch als Mutter gelernt und mich dann daran erinnert, wie ich als Tochter auf meine Mutter reagiert habe. Ich mochte es nicht, wenn meine Mutter mir gesagt hat, ich mache mir Sorgen um dich. Das hat mich in Panik versetzt. Ich brauchte meine Mutter, die sagt, das schaffst du. Ich helfe dir dabei. Ich bin da und du schaffst das. Du hast alles, was du brauchst, um eine Lösung zu finden. Und dabei helfe ich dir.
Das ist Elternschaft. Nicht, ich mache mir Sorgen um dich. Ja.
Ja.
Genau so empfindlich reagiert mein Sohn nämlich auf mich. Immer schon. Wenn ich gesagt habe, ich mache mir Sorgen um dich oder sowas. Und ich habe das aber immer, wenn ich den Satz gesprochen habe, habe ich wirklich, dann kam von hinten meine Kindheit mit, iii, wie ekelhaft. Das fühlt sich eklig an. Wir meinen irgendwie, ich mache mir doch nur Sorgen um dich und so weiter. Und dieses Kind macht, du glaubst nicht an meine Kraft. Und das dürfen wir nicht. Wir müssen den Kindern gerade jetzt immer sagen, du hast ganz viel Kraft.
Ich sehe die Kraft. Ich weiß darum. Auch wenn du daran zweifelst, ich weiß sie. Und ich gehe mit dir da durch. Ich bin deine Mama.
Ja, und gerade zu dem vorhin so, das passt wunderbar da dazu. Da kann man aber bei sich selber anfangen. Aber die meisten Leute machen das ja mit sich schon so, was du jetzt gerade über deine Mutter gesagt hast. Die trauen sich selber nicht so viel zu.
Opferhaltung.
Ja, aber das ist gelernt. Das ist gelernt. Genauso, wenn ich jetzt hier in den Raum reinfragen würde, ob es jemanden gibt hier, der schon mal mit Entscheidungen von sich gehadert hat. Da hätte man natürlich tausend Arme hoch, so hier. Das ist bescheuert, auf eine Art. Also, warum? Wenn ich jetzt irgendwas entschieden habe und nachher kommt was raus, was ich nicht gut finde, und dann hadere ich mit mir. Der, der ich dann bin, der weiß doch viel mehr als der, der die Entscheidung getroffen hat. Und zwar, warum weiß der so viel mehr? Weil der da, der in der Ungewissheit, die die Zukunft mitbringt, den Mut hatte, die Entscheidung zu treffen.
Ich sage dann den Leuten immer wieder, gucken Sie, wenn Sie so mit sich umgehen, da waren schon die Römer weiter. Die haben schon gesagt, naja, keine Strafe ohne Gesetz. Und wenn Sie mit sich hadern, ist ungefähr so, wie wenn Sie in einer Straße wohnen, wo Sie immer 50 fahren durften mit dem Auto, bis vor 14 Tagen, da hat die Stadtverwaltung auf 30 umgestellt und schickt Ihnen jetzt einen Strafzettel, weil Sie vor zwei Jahren 50 gefahren sind. Wenn Sie den bezahlen, ist Ihnen auch nicht mehr zu helfen. Aber, aber das ist genau das, weil zum Zeitpunkt der Entscheidung kann ich doch nicht wissen, was rauskommt.
Ich habe natürlich die Sehnsucht, das ist alles total verständlich und ernst zu nehmen. Ach Gott, hätte ich die Sehnsucht, dass alles, was ich jetzt mache, auch das gewünschte Ergebnis bringt. Aber das wissen wir halt nicht. Also ist es eigentlich ständig bei jeder Entscheidung so, ahoi, heute wieder intensive Ungewissheit. Wir surfen, wow, wir surfen auf der Welle der Ungewissheit.
Schau mal, wie deine Hüfte wackelt.
Und dann entscheide ich halt. Und das heißt immer, das endet mit einer Scheidung. Deswegen heißt es ja Entscheidung. Also nicht von Menschen unbedingt, aber von Optionen. Und dann gehst du einen Weg und dann weiß man erst, was rauskommt. Deswegen sollte man eigentlich, dass ich, was dann den Mut hatte, überhaupt da reinzugehen, auch selber für sich sagen, Mann, hast du oder Frau, wieder so mutig gehandelt, schade, dass nichts rausgekommen ist. Genau wie bei uns in der Klinik so. Und jetzt lernen wir was draus. Aber du warst nicht blöd und nicht wertlos. Und da fängt es an in dieser Selbstentwertung, die dann wieder zu der Angst führt und die nachher dann diese ganzen Sachen, die wir vorher gesprochen haben, es hängt alles miteinander zusammen.
Das geht aber. Ich habe das von einer Klientin extrem beigebracht bekommen, dass das Nicht-Mehr-Hadern mit einer ehemaligen Entscheidung, die dann in eine Richtung natürlich eine ganze Weile das Leben entschieden hat, dass das Hadern aufzugeben extrem schwer ist. Ich war da schon längst weiter mit, aber meine Klientin nicht.
Also ich konnte ihren Plan sehr gut aufgeben, sie aber nicht. Und sie hat mir dann mehrfach, sie ist mir dann auch eine Weile auf den Sack gegangen. Und ich habe dann irgendwann, das ist das Geile am therapeutischen Arbeiten und das finde ich so wunderbar, dass du, wenn du es nicht verkacken willst auf deinem Stuhl, musst du dich auch immer in Frage stellen. Wir sitzen nicht als diejenigen, die es wissen, vor den Leuten, die zu uns kommen. Wir sind Begleiter und wir stellen zur Verfügung, was wir sehen, fühlen, hören.
Wir stellen uns zur Verfügung mit allem, was wir zur Verfügung haben. Und wenn ich merke, also bei der habe ich gemerkt, boah, jetzt fängt es an zu nerven, weil die immer ja aber. Und dann hatte ich das Gefühl, boah, heute war echt gut, ich habe den Meter weiter gekriegt, sehr geil. Nächste Woche setzen wir da weiter dran an. Und dann kam die wieder zurück, war die am Gummiband wieder zurückgeschnellt und kam dann wieder, ja, aber. Und dann habe ich irgendwann gedacht, so Stratmann, jetzt musst du mal mit dir streng sprechen.
Die versucht dir die ganze Zeit was klar zu machen, was du scheinbar nicht raffen willst. Sie kommt nicht mit. Wem soll das jetzt was bringen, dass du als dufte Therapeutin, die du ja gerade nicht bist, schon viel besser in ihrem neuen Leben angekommen bist, aber sie kommt ja gerade nicht an, weil sie hätte gerne vor 15 Jahren eine andere Entscheidung getroffen, weswegen sie jetzt heute da ist. Und dann habe ich in meiner Selbstarbeit mir vorgenommen, ah, das ist dein Job jetzt und dazu fordert sie dich gerade auf, dass du würdigst, dass sie diese Kurve nicht geregelt kriegt, dass sie nicht, dass sie kann nicht mit mir mein Angebot wahrnehmen.
Das hat einen Grund. Nicht, weil sie doof ist, sondern weil ich gerade was nicht richtig sehe. Und dann habe ich bemerkt, dass ich in meiner Ungeduld, die ich entwickelt habe, weil ich es für leichter hielt, wir sind manchmal, schätzen wir dann eben auch Dinge falsch ein. Ich hielt es für leichter. Und dann habe ich in meiner Ungeduld nicht genug gewürdigt, wie sie das bedauert vor 15 Jahren, ja. Dass sie noch Raum braucht fürs Bedauern.
Und dann habe ich in der weiteren Arbeit, bin ich da nochmal richtig und das war super, weil ich die Entscheidung endlich getroffen habe. Du musst jetzt was ändern, Cordula. Nicht die muss was. Du musst jetzt etwas in deinem Angebot ändern. Dann bin ich zurück und habe gesagt, so, wir gehen nochmal zurück, 15 Jahre früher. Und jetzt sind wir nochmal da. Und dann habe ich mit der eine echte Beerdigung gemacht. Und sind wir aufgestanden, sind zum Grab gegangen, haben das beerdigt, was sie damals hat loslassen müssen oder nicht wusste, dass sie das jetzt loslassen muss, weil sie hat ja anders entschieden.
Und das war richtig gut, weil ich dem dann nochmal Raum gegeben habe und ab da, und das ist oft das, weißt du, dass ich mich seitdem auch immer öfter frage, hast du schon genug gewürdigt, was der Schmerz deines Gegenübers ist? Und ich glaube, das müssen wir in unseren Bezügen immer, in unseren Beziehungen immer, den anderen verstehen. Davor haben wir wahnsinnige Angst, weil wir denken, wir würden dem dann recht geben. Das hat miteinander nichts zu tun.
Den anderen verstehen heißt, ihn würdigen. Und ich kann trotzdem sagen, ich kann dir nicht folgen. Ich teile nicht, was du da äußerst. Ich bin sogar dagegen. Ich bin gar nicht damit einverstanden. Aber ich möchte verstehen, welchen Weg du dahin nimmst. Und ich glaube, wir kommen nicht drum herum.
Warum ist dieses Verstehen so wichtig?
Der Wunsch zu verstehen, weil das Beziehung anbietet. Und ich glaube, wir lösen es überhaupt nicht, wenn wir weiterhin in die Abschottung gehen, in die Ablehnung. Wir müssen wieder mehr in Beziehung gehen. Wir müssen wieder mehr neugierig auf den anderen und die andere sein. Und wir müssen wieder mehr auch kapieren, dass wir einander brauchen. Ich komme überhaupt nicht weiter ohne die anderen. Also das hat ja gar keinen Sinn.
Ich glaube, das ist ein grundlegendes Bedürfnis von Menschen überhaupt. Menschen sind Beziehungswesen. Sonst wären wir ja gar nicht da mehr. Aber was das grundlegende Sehnsuchtsmodell ist, glaube ich, ist schon, einfach gesehen zu werden und anerkannt zu werden. Du musst heiß haben, nicht dass du hast recht. Aber du in deiner Art des Erlebens und du mit deinen Bedürfnissen, Sehnsüchten und so weiter, du bist gleichwertig mit mir. Vielleicht nicht in einer Organisation gleichrangig, aber gleichwertig. Und ich sehe dich.
Und ich sehe dich, gesehen werde ich, eine grundlegende, tiefe Sehnsucht. Aber nicht gesehen werde ich, sehe dich jetzt abgehakt, sondern ich sehe dich und ja, also du kannst erleben, dass du ein wertvoller Mensch bist in der Begegnung mit mir. Und ich kann es umgekehrt vielleicht auch erleben, hoffentlich sowas. Und wertvoll heißt nicht, dass man in allem recht hat. Aber dass man einfach in seiner Existenz da sein darf als wertvoller Mensch. Und so werden viele, also bei uns in der Hauptkulturtradition ist es gerade nicht so. Und dann kommen solche Sachen da auf.
Und das ist ja aber.
Und ich habe in solchen Momenten wirklich das große Bedürfnis zu sagen, es handelt sich jetzt gar nicht um eine tolle Weisheit, die ich Ihnen jetzt mitteilen kann, weil ich so toll bin, sondern es gibt ein Naturgesetz. Wir sind alle gleich wert. Da kann gar keiner dran. Während Sie schlafen und ein anderer einen Pokal gewinnt, sind Sie beide im selben Moment dasselbe wert. Wir brauchen niemals miteinander über den Wert eines Menschen diskutieren.
Gibt es überhaupt?
Wird aber leider sehr viel diskutiert.
Ja, aber sich dem zu verweigern.
Genau. Und dann dürfen natürlich auch solche Gefühle da sein. Das ist ja aber, das ist wunderschön, wie du das so gesagt hast. Das ja aber ist eine Kompetenz. Es geht vielen Therapeuten auf den Wecker. Aber eigentlich.
Ja, auch.
Ja, aber das ist deshalb, weil.
Was? Nochmal?
Das ja aber, das nervt viele.
Das ja aber, ja.
Aber das ist deshalb so, weil die.
Hört auf damit.
Weil die Therapeuten identifiziert sind und ihren Wert wieder davon abhängig machen, dass ein bestimmtes Ergebnis rauskommt, die sagen können, habe ich das nicht toll gemacht mit dem Klienten. Und dafür machen sie sich dann abhängig vom Klienten. Das ja aber, das ist ja immer ein Ja auch dabei. Allerdings ein Aber auch. Und das Aber weist immer darauf hin, dass noch etwas nicht berücksichtigt worden ist. Und in so einem Fall, bei sowas, ist typischerweise so, das kann ich nur bestätigen, dass jemand entweder eine tiefe Sehnsucht hat durch das Festhalten und Jammern, mental in sich etwas ungeschehen zu machen, was ihn so schmerzt und die Trauer zu vermeiden.
Weil die Trauer dann so weh tut und es anzuerkennen, dass man es verloren hat, kaum aushaltbar ist dann in dem Moment. Und darin aber begleitet zu werden, achtungsvoll, empathisch, mit Liebe womöglich, Menschen doch so verständlich, würde mir vielleicht auch so gehen. Das heißt gerade nicht, dass es stehen bleibt. Da widst du bei. Dann verwandelt es sich, weil jemand sagt, ah, ich bin gar nicht allein und ich werde gesehen da drin. Und dann kann man eher loslassen. Bei Trauer übrigens ist das idiotisch, wie das oft noch gemacht wird. Dann machen manche Therapeuten Trauerarbeit, damit dann abgeschlossen wird, nach vorne gucken können.
Das ist in sich eine Zwickmühle, die die Leute so gut wie nicht mitmachen. Hat die Freude immer propagiert, hat sich natürlich wie oft auch nicht selber daran gehalten. Ja, da gibt es in seiner Biografie von einem schönen.
Jeder nochmal geht, ist der alte Freund.
Gibt es da ein schöner Beispiel? Da schreibt er in seiner Biografie, der hat immer gesagt, man muss dann Trauerarbeit, muss man arbeiten, schon wieder, schon wieder, den ganzen Tag arbeiten. Also Trauerarbeit machen, um dann abzuschließen und nach vorne zu gucken. 1936 hat er zum Beispiel schon mal geschrieben an einen Freund, heute ist der Todestag meiner Tochter Sophie, die ist 1921 in der Spanischen Grippe in Wien gestorben. Der Schmerz und die Wunde ist so groß wie eh und je und sie wird auch niemals heilen. Aber anderen hat er gesagt, abschließe vorwärts gucken. Und das ist überhaupt nicht möglich emotional für die Leute, wenn wir schon bei Gefühlen sind, weil wenn ich die Leute frage, sagen oft schon, jetzt trauere ich schon ein Jahr oder zwei, Herrgott, das müsste man aufhören.
Okay, spielen wir mal durch, hat einen geliebten Menschen verloren, jemand zum Beispiel. Wir spielen durch, wir machen jetzt ein paar Sitzungen und dann haben sie abgeschlossen und dann geht es, ja, jetzt ist es rum, jetzt gucken wir vorwärts. Was löst es außer einer Auswirkung in ihnen? Dann kriegen die meisten Leute Schuldgefühle denjenigen gegenüber, bei denen sie abgeschlossen haben. Das heißt doch, es ist ein Bedürfnis da und das ist doch nicht dumm. Das Bedürfnis, in Verbundenheit zu bleiben mit dem, was man verloren hat und es auch noch zu würdigen. Und das kann lebenslang gehen. Warum denn nicht? Das ist überhaupt kein Gegensatz zum Nach-vorne-Gucken.
Ich kann doch trauern und sagen, so und jetzt, mit dieser Kraft und in Verbundenheit kann ich nach vorne gucken. So in diese Richtung wäre das.
Das Thema gesehen werden und dieses Ja-Aber. Es ist schon so, dass ich mir manchmal denke, ja, meine Güte, jetzt ist es aber gut. Du bist nicht genug gesehen. Genau. Und ja, es ist alles ganz schlimm. Ich würdige das, ich würdige das. Und ich habe aber manchmal auch, gibt es schon auch in meinem persönlichen Umfeld, wo ich denke, ja, also könntest du vielleicht mal aufhören mit diesem ewigen Gejammer. Dass du nicht genug gesehen wirst und dass es dir so, okay, gut, dass es dir so, so schlecht geht.
Was machen wir denn damit? Also was machen wir mit den Leuten, wo dieses Ja-Aber, also was mache ich mit denen, wo ich denke, jetzt, also.
Ich würde mal gern gleich dazu, das passt wieder gut dazu. Na, über wen ist das eigentlich eine Aussage? Wir selber denken, oh Gott, der geht mal so auf den Senkel. Jetzt labert er schon wieder zum 28. Mal. Dann hört sich das so an, als ob das eine Aussage über den wäre. Aber diese ganzen Hirnforschungsergebnisse, die mich in meiner Arbeit begleiten, einer der Begründer von, die sagen Autopoyese-Forschung heißt es, der hat immer so schön mal gesagt, alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt. Und das ist nichts Blödes, aber wenn ich sage, Gott, du gehst mal so auf den Senkel, dann ist das eigentlich nur eine Aussage erstmal über mich und meine Wahrnehmung.
So, und dass mir halt gerade was fehlt oder mir es zu viel wird. Aber es wird nicht so verortet. Wenn ich dann sage, für dich offensichtlich, du könntest noch 30 Jahre oder drei Stunden jetzt ununterbrochen und das sind deine Bedürfnisse, ist doch in Ordnung. Aber für mich, ich bitte dich um Verständnis, mir reicht es jetzt. Ich, also dass ich die Verantwortung übernehme für meine Bedürfnisse und mein Verhalten. Das ist nämlich schon der kleine Beginn dieser Feindbilder. So, dann rede mal lieber über die anderen, ohne über sich zu reden.
Aber das ist doch, das macht man dann, wenn man denkt, man hätte gar kein Recht so richtig oder man gibt sich das nicht, sich so abzugrenzen. Aber eigentlich ist das vollkommen in Ordnung, wenn es dir zu viel ist und wenn du sagst, hör mal so, also wenn ich dir das fünfte Schnitzel jetzt reinstopfen wollte, weil mir es gut täte und du nimmst immer noch so ab, wenn es dir gut tut. Also ich hoffe nicht. Und so ähnlich ist das auf dieser Ebene. Und dann wäre es eigentlich so, du, ich merke, du hast sicher noch ganz lang das Bedürfnis, ich aber nicht mehr.
Und deswegen.
Gunther, ich habe das Gefühl, dass ich dir morgen nochmal ein paar Telefonnummern gebe, die du mal für mich anrufen könntest. Einfach mal kurz sprechen.
Mein Sohn hat damals aus der Grundschule irgendwann mal mitgebracht, mein Leben, dein Leben, Abstand.
Auch gut.
Ja, ich glaube ja, dass.
Darf ich da mal kurz dieses.
Was? Was willst denn du jetzt?
Ich wollte ein Ja-Aber anbringen.
Ja, da bin ich gespannt drauf, Freundchen. Jetzt muss richtig was kommen. Das muss jetzt, das muss funkeln, dein Ja-Aber.
Welche Kompetenz hat denn dieses ewige Gejammer?
Hä?
Ja, ich will jetzt schon wieder was sagen, Günther. Ich kann aber gerne was, aber.
Hä? Welche Kompetenz hat das ewige Gejammer? Wen fragst du das gerade? Also auf was, wen bezogen? Was meinst du?
Ich beziehe, das ist Wahnsinn, wie du mich gerade anguckst übrigens. Das ist wahnsinnig intensiv, aber schön. Ich halte das.
Ja, lenkt mich ab.
Es ist folgendes.
Ja, bitte.
Ich habe von Gunther und im Grunde auch von dir gelernt, dass alles eine Kompetenz ist, ein Hinweis auf etwas.
Was heißt das, dass man allem folgen muss?
Ja, so. Und dann gibt es Menschen, die, Moment, ich bin doch nicht.
Ich hänge, stopp, ich höre dir ja zu und dabei denke ich mit und frage mich gerade, ob ich das wirklich sagen würde, alles ist eine Kompetenz, bin ich mir nicht sicher. Eine Kompetenz? Ja, am Ende ja.
Nein, so einfach ist das nicht. Das würde ich gerne ergänzen. Kompetenz für was? Immer muss das wofür eine Kompetenz.
Also ich würde, ich glaube, das ist das Gleiche, wie wenn ich sage, meine Sätze sind immer, was zeigt sich und was folgt daraus? Das ist für mich, damit gehe ich alles durch. Was zeigt sich, was folgt daraus? Welche Lösungen braucht es jetzt? So. Bitte. Schildern Sie Ihre Situation.
Also das ist mal hypothetisch. Ich bin jemand, der die ganze Zeit nur jammert. Und die ganze Zeit sagt, mein Podcast wird nicht gehört. Wenn ich in Bonn bin, da kommt keiner.
Ja, aber da kann ich ja doch super eingeben. So Schwachsinn.
Ja, nee.
Stimmt ja nicht.
Stimmt ja nicht.
Ja, falsch. Also man muss manchmal Leute auch.
Ja, die kommen aber dahin. Also was ich sagen will, es gibt doch nach meiner Beobachtung auch viele Menschen gerade, die sehr viel jammern und sich in eine Opferhaltung bringen. Und sich da hinsetzen und sagen, ich bin Opfer, ich bin Opfer, ich bin Opfer, die da oben, die da drüben, die da draußen. Und ich frage mich die ganze Zeit, was ist denn auf diesem Opferteppich, was ist denn da so schön, dass ihr euch da so einrichtet auf diesem Opferteppich. Und egal, wie viele Kamerateams noch hinfahren und sagen, ja, wir hören Sie und wie viele Politiker kommen und wir hören Sie und wir sehen Sie.
Und es kommt egal, wie viel mehr Gehalt, mehr Tischtennisplatten, mehr irgendetwas. Es bleibt in dieser Jammer, nee, aber.
Also nochmal, ich unterscheide, das habe ich eben glaube ich schon mal gesagt. Ich unterscheide wirklich sehr genau zwischen, welches Opfer bist du geworden? Wovon bist du Opfer geworden? Bist du real Opfer einer Fremdeinwirkung geworden? Dann ist das eine wirklich schwere Erfahrung. Und die muss gewürdigt werden in einer ganz bestimmten Weise. Und zwar so lange, bis derjenige sagt, boah, es wird gerade friedlich in mir. Weil da gibt es Täterschaft auf einer anderen Seite. Das ist ein ganz großer Unterschied. Weil wir haben ja in Deutschland so große Probleme damit, wenn jemand mit Opferschaft nicht schnell genug fertig wird, werden wir ja schon wieder vollkommen nervös.
Wir können ja auch ganz schlecht als Freunde Menschen begleiten, die Witwe geworden sind oder in irgendeiner anderen Weise in eine Krise geraten sind. Da kannst du mal dir erzählen lassen, wie schnell Freunde, die so dufte sind, wie schnell die die Flucht antreten. Das ist das eine. Und das andere ist, du meinst aber, glaube ich, die Leute, wo du sagst, es gibt keine wirkliche schwere Außeneinwirkung.
Nee, es gibt die schon, aber es hört nicht auf.
Aber die Gewohnheit von, nee, das ist jetzt auch blöd. Es gibt so ein ererbtes Jammern. Oder was meinst du? Weil es gibt ja irgendeine Quelle, gibt es ja.
Ich würde sagen, es ist nur eine These, aber ich glaube, wir leben gerade in einem Jammerland.
Ja.
Das höre ich im Vergleich zu anderen schon, ja.
Und dass dieses Jammern immer größer wird und egal, also natürlich gibt es auch ein reelles Nicht-Gut. Ich habe aber das Gefühl, es wird immer mehr gejammert. Und egal, was passiert, dann ist halt die Aufmerksamkeit auf das Nächste, worüber man jammern kann. Oder es reicht doch noch nicht.
Jetzt redest du mit, also redest du jetzt, weil über eine Gruppe kann ich jetzt nicht reden. Du wolltest jetzt wissen, was man einem Menschen, der einem gegenübersitzt und dauernd jammert.
Was hat diese Person, also deswegen frage ich nach Kompetenz, was hat diese Person davon, immer und immer weiter zu jammern und wenn das eine fertig ist, dann aufs nächste zu gehen?
Keine Selbstverantwortung übernehmen zu müssen. So, das hat ja viel damit zu tun. Und manchmal, ich weiß nicht, ob du das schon mal gemacht hast, ich habe tatsächlich schon mal jemanden nach Hause geschickt und habe gesagt, ich glaube, dass es für sie wirklich keine Hilfe gibt. Ich bin jetzt überzeugt. Das war fast schon, das war fast schon geil auf der anderen Seite, wie sehr der dran festhielt, es war ein Mann, wie sehr der dran festhielt.
Ich muss es nur, also es war halt ein Mann. Und das können Frauen auch. Also wie sehr der dran festhielt. Und dann habe ich ihm irgendwann gesagt, wissen Sie was? Jetzt habe ich es gerafft. Sie müssen sich mit mir nicht mehr weiter anstrengen. Ich habe das jetzt verstanden. Sie haben mich überzeugt. Ich habe kein Angebot für Sie. Und ich kann Ihnen noch eine Freude machen. Es gibt niemanden, der ein Angebot für Sie hat. Ja, das hat für mich ohne Witz was damit zu tun, den ernst zu nehmen im Sinne von, Sie sind auf gar keinen Fall doof.
Sie haben jetzt eine ganze Weile gehört, was ich Ihnen angeboten habe. Ich bin mit Ihnen mal da lang gegangen, dann habe ich mir das angehört und habe Sie danach gefragt, danach gefragt und so weiter. Sie haben mit großer Entschiedenheit, Sie sitzen hier vor mir als sehr kompetenter, sehr entschiedener Mann und ich habe es jetzt gerafft. Sie gehen einfach nach Hause und machen Sie weiter so. Das ist ja für Sie auch gar nicht änderbar. Also Sie müssen sich nicht mehr anstrengen, mich davon zu überzeugen.
Ich werde ein bisschen einen anderen Weg gehen, aber vielleicht kommen wir.
Was sagst du?
Ich würde in gleichen.
Verschiedene Perspektiven haben.
Ja, klar, natürlich. Aber möglicherweise würde man beim ähnlichen Ergebnis rauskommen, das hast du mich auch gefragt. Ich habe das einmal gemacht in den letzten zehn Jahren, dass ich gesagt habe, aber nicht bei Ihnen ist nichts zu machen, sondern ich kriege von Ihnen nichts, was dann mir es möglich macht, Sie zu unterstützen. Und das respektiere ich, aber dann macht es keinen Sinn mehr. Das ist sehr selten.
Boah, viel besser.
Na Quatsch. Anders. Aber ich würde gern einen Schritt vorher vorgehen. Wenn du sagst, wieso machen die das so? Ich glaube, erstmal ist da in dem Moment, wenn jemand sowas macht, in sich selber, nach meiner Erfahrung, einfach der Glaube, er kann selber einfach nichts machen. Und dann kommt so eine, das muss nicht heißen, dass es nicht so ist, aber dann kommt erst, also wenn die Person das erstmal so in sich empfindet, dann ist die logische Folge, aber irgendwo muss doch die verdammte Hilfe herkommen. Ja, dann muss sie halt von anderen kommen. Das ist eigentlich ein kindlicher Glauben, der ist aber da ziemlich massiv festgefahren.
Wenn die dann so jammern, dann sage ich erstmal, ja, da haben sie offensichtlich aus ihrer Sicht, immer aus ihrer Sicht, nicht, das ist die Wahrheit, offensichtlich sehr gute Gründe. Das mit der Kompetenz ist dann auch so gemeint als Lösungsversuch. Nicht unbedingt, dass es die optimale Wirkung rausbringt, aber als Lösungsversuch für ersehntes Erleben. Also sie wollen damit, wenn sie so jammern, ja, wo wollen sie denn, was soll denn dabei rauskommen? Was wäre also das Optimale, wenn sie jetzt genügend gejammert hätten und sagen, jetzt hat es endlich geklappt, sozusagen, das Jammern, man muss es überhaupt nicht abwerten.
Das ist genau so eine Ausdrucksweise von Sehnsucht für mich. Aber was wollen sie denn erreichen? Ja, dass es dann endlich gut wird und so. Ja, glauben Sie, da wird es aber so gut? Das Typische ist ja das Tragische bei solchen Leuten, dass die eher auf Dauer andere Leute auf Abstand bringen, die dann eher fast die Flucht ergreifen. Und das hat schon einen tragischen Lösungsversuch zur Folge. Die wollen Beziehung, die wollen Unterstützung und die Leute rennen dann eher von ihnen davon. Und dann kann ich ihnen dann sagen, gucken Sie, wenn Sie mir die Auswirkung durchspielen, also das Bedürfnis ist doch vollkommen in Ordnung.
Nur auf diese Art kriegen Sie es halt nicht. Und dann wäre die Frage, was können Sie selber auch mit tun? Aber immer mit Würdigung dieser Sehnsucht, die dahinter ist. Aber da braucht man jetzt was von Ihnen. Das gilt aber dann genauso auch übrigens im Gesellschaftspolitischen. Jetzt gibt es so viele Interviews, wo die Leute immer sagen, ja, die Leute werden nicht gesehen, die Leute werden nicht gesehen. Das alleine ist es nicht. Ja, und dann sind sie gesehen. Und jetzt? Ja, dann sollen die anderen was für sie tun. Natürlich müssen die Politiker, die sind ja verantwortungsvoll, was dafür tun. Aber die anderen auch.
Das muss ein Wechselspiel sein. In der Therapie machst du als Therapeut keinen Stich ohne den Klienten. Du brauchst was von dem und das muss man auch fordern. Aber nicht so, sondern eher, hey, ich brauche was, ich respektiere, wenn sie es nicht machen, aber dann.
Ich glaube, dass es das auch braucht in unseren Beziehungen miteinander, dass wir uns dem nicht mehr zur Verfügung stellen. Also zum Beispiel bei diesem Herrn, der einen wirklich großen Lustgewinn daran hatte, wie ich mich jedes Mal angestrengt habe. Und ich habe ja nicht in der dritten Stunde gesagt, ich glaube, für Sie ist ungefähr ein Jahr oder so, halbes, dreiviertel Jahr war der da. Und ich glaube, dass es durchaus Persönlichkeiten gibt, die einen Lustgewinn haben und die auch eine Machtausübung daraus ziehen.
Und das ist meine Antwort darauf, dass ich sage, ich möchte mich dem nicht mehr zur Verfügung stellen. Das ist ein Muster, was Sie erfolgreich betreiben.
Welche Art von Machtausübung ist das? Dich sozusagen dabei zu halten?
Ja, den anderen immer zu beschäftigen und immer noch ein Ding aus der, noch eine Karte aus der Hose zu ziehen und sagen, was sagst du denn dazu? Was sagst du denn dazu? Und mit einem Lustgewinn dir auch dauernd dein Scheitern zu zeigen. Nee, das ist keine Lösung, weil du hast es ja immer noch nicht gerafft. Es geht mir noch schlechter, aber bist du doof? Also so ein Verhältnis wird ja da gerne auch mal gezeigt. Das ist aber ein anderer Charakter als die, die wirklich verzweifelt sind und nicht wissen, wie sie dieses Jammern stoppen sollen, wo man sich anders denen widmen muss.
Aber ich weiß jetzt nochmal einfach so auf so leicht narzisstisch geprägte Menschen hin, wo man wirklich mit einer Konfrontation und auch mit einem, ich stelle mich dem nicht mehr zur Verfügung. Ich habe es durchschaut. Ich bin da, wenn Sie nach dem Durchschauen eine neue Richtung einnehmen wollen. Aber wenn Sie weiter bei der Wiederholung bleiben wollen, habe ich Ihnen leider auch nichts mehr anzubieten. Also das ist einfach, das muss man manchmal auf dem Therapiesitz sagen.
Ich habe für Sie nichts mehr in meinem Bauchladen. Ich habe alles durch. Ich habe geguckt, da ist nichts mehr.
Und wenn wir das einmal übertragen auf einen, also bei mir war neulich Peter Wohlleben und er sagte, nämlich, dass Deutschland ein Jammerland geworden ist. Und wenn wir das übertragen auf auch unser Land und auf die Gesellschaft und auch auf viele Menschen, die gerade jammern und immer wieder das Nächste rausholen und das Nächste rausholen und das Nächste rausholen, was sagen wir denen dann, also wenn wir es kollektiv machen?
Ich tue mich total schwer mit solchen Gesamtaussagen, weil es stimmt nicht, wenn ich mir die Menschen konkret angucke. Zu mir in meine Praxis kommen extrem tapfere Menschen. Und ich bin umgeben von tapferen Menschen. Und ich glaube, das müssen wir auch mal wieder, also ich frage mich bei manchen Aussagen, die wir so treffen, wozu dient das? Wie kräftigt uns das? Ich glaube, wir brauchen kräftigende Ausblicke und kräftigende Bilder über uns alle.
Und hier sitzen jetzt auch wieder Leute, von denen ich wirklich einfach das Beste annehme. Und darin unbeirrt zu bleiben, das empfinde ich als unsere Aufgabe.
Das war so ein, das war wie so ein Mic Drop jetzt, ne?
Passt.
Oder? Im Podcast Hotel Matze wird ja immer eine große Plakatwandfrage gestellt. Ihr kennt sie ja schon aus Berlin.
Das kommt jetzt auch nochmal. Sag mal, hört da gerne mehr auf.
Dein Auto kommt erst in einer Stunde, bleib ruhig. Also, wir machen das diesmal in Bonn. Ich bin heute angekommen an der Oper, da hängt so ein großes Jesus Christ Superstar Plakat. Das könnte auch mal ausgetauscht werden, vielleicht irgendwann. Und ihr müsst aber einen Vorschlag machen, was wir da draufschreiben für alle Menschen aus Bonn.
Oh, Scheiße.
Oh, Scheiße schreiben wir drauf? Also okay.
Berlin ist jetzt Hauptstadt.
Oh, wow.
Ja.
Das eher Berlin ist auch nicht das, was man sich davon erhofft hat.
Auf jeden Fall. Ich kann auf jeden Fall bestätigen, liebe Menschen aus Bonn, ihr seid viel, viel besser drauf als die Leute in Berlin. Bleibt so gut gelaunt, bleibt bei mir und vielen, vielen herzlichen Dank für den wunderschönen Abend. Dankeschön. Vielen Dank. Danke euch.
Das waren Cordula Stratmann und Gunther Schmidt. Vielen, vielen herzlichen Dank fürs Zuschauen und auch Zuhören. Ich nehme vor allen Dingen mit, dass das ein richtig, richtig toller Abend für mich war. Das hat sich sehr, sehr besonders angefühlt. Ich mache das ja hier immer hinter verschlossenen Türen. Und dann ist die Welt da draußen, spielt eigentlich nicht wirklich eine Rolle. Und dann das mal vor Publikum zu machen, mit euch in einem Raum zu sitzen, euch so ein bisschen rascheln zu hören, euch auch vielleicht ein bisschen atmen zu hören, lachen zu hören, staunen zu hören, das ist was Besonderes für mich.
Und dieses Gefühl nehme ich vor allen Dingen aus dieser Folge mit und eine große, große Dankbarkeit, weil das war, ja, das war wirklich ein besonderer Abend. Vielen, vielen herzlichen Dank, liebes Bonner Publikum und ihr, die das jetzt auch gehört und gesehen haben, herzlichen Dank natürlich an Cordula und Gunther, dass ihr sofort zugesagt habt. Herzlichen Dank an die Oper in Bonn, an Rita, herzlichen Dank an mein Team Lukas Hambach für die Produktion und mit Vergnügen für die Distribution und Vermarktung. Wenn ihr Lust habt auf eine weitere Folge, dann möchte ich euch zwei Folgen empfehlen, und zwar meine erste Begegnung mit Gunther und meine erste Begegnung mit Cordula hier im Hotel Matze.
Und ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass das noch nicht das Ende sein wird von unserer Beziehung, würde ich sagen. Ich wünsche euch noch einen schönen Tag, eine gute Nacht, auf bald. Matze. Ich freue mich auf die nächsten Live-Termine.
Ich wollte wissen, wie wir handlungsfähig bleiben, wenn uns die Welt überfordert.
Es geht um Angst, Selbstwert, Elternschaft und die Frage, warum wir so hart mit früheren Entscheidungen umgehen.
Ein Gespräch über das, was wir uns selbst und einander zutrauen können.
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